Investitionsplan China will bei künstlicher Intelligenz dominieren

Künstliche Intelligenz ist das Zukunftsthema - und China will sich dort bis 2025 mit an die Spitze setzen. Dank hoher Investitionen dominiert die Volksrepublik schon den E-Auto-Weltmarkt. Das soll sich wiederholen.

Autonom fahrende Autoflotte des chinesischen Herstellers Baidu
REUTERS

Autonom fahrende Autoflotte des chinesischen Herstellers Baidu


Bei Elektroautos zieht China anderen Ländern davon, nun will die Regierung in Peking auch die Zukunftstechnik der künstlichen Intelligenz (KI) dominieren. In den nächsten Jahren plant die Volksrepublik einen Investitionsschub in die neue Technologie, mit der künftig branchenübergreifend Maschinen zentrale Aufgaben übernehmen sollen.

Ziel sei es, hier bis 2025 in die internationale Spitze vorzudringen und als Teil der Strategie grenzüberschreitende Kooperationen voranzutreiben, kündigte der Staatsrat an. Der Wert der heimischen KI-Branche werde bis 2020 wohl auf umgerechnet etwa 19 Milliarden Euro steigen und bis 2025 auf rund 51 Milliarden Euro.

Künstliche Intelligenz (KI) wird als Technologie für viele Unternehmen immer wichtiger - sie wird beim autonomen Fahren oder bei digitalen Sprachassistenten eingesetzt, wertet die Bonität von Kreditnehmern aus oder übernimmt sogar Operationen im Krankenhaus. Forscher versuchen, menschliche Wahrnehmung und menschliches Handeln durch Maschinen nachzubilden.

Vorteil Dogmatismus und Übernahmen

Pekings Plan hat durchaus Gewicht. Schon bei der Entwicklung von E-Autos hat sich für China ausgezahlt, dogmatisch die Weltmarktführerschaft als Ziel zu setzen. Vor zwei Jahren überholte die Volksrepublik die USA als E-Auto-Hauptmarkt mit fast 190.000 elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Dafür hatte Chinas Regierung Subventionen auf E-Autos gelenkt und die Autos bei der Zulassung bevorzugt.

Zugleich bauen chinesische Unternehmen ihr Know-how aus, indem sie westliche Firmen aufkaufen. In Deutschland haben Konzerne aus China gestützt durch ihre Regierung zuletzt kräftig zugelangt und mehrere Unternehmen gekauft - etwa den Roboter- und Anlagenbauer Kuka.

Vergangene Woche kündigte die Bundesregierung daher an, den Schutz heimischer Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu verstärken. Sie will Aufkäufe von Technologieträgern bei für Deutschland kritischer Infrastruktur durch ein Vetorecht blockieren können.

Deutsche Autozulieferer bringen Know-how nach China

Allerdings ziehen die starken Investitionen Chinas europäische Unternehmen auch an, die so ihre Technologie automatisch dorthin transferieren. So kündigten jetzt die Autozulieferer Brose und Schaeffler an, die E-Mobilität in China ausbauen zu wollen.

Schaeffler will in China ein zweites Zentrum für Elektroantriebe aufbauen. Die Volksrepublik werde der Leitmarkt für Elektromobilität, sagte Brose-Geschäftsführer Jürgen Otto am Donnerstag.

Dementsprechend richte das Familienunternehmen mit seinen 25 00 Mitarbeitern die Strategie auf China aus. "Wir entwickeln deshalb eigene Konzepte für die chinesischen Autobauer, um bei ihnen die gleiche führende Position zu erreichen wie bei anderen Kunden", sagte Otto.

Bundesregierung und bayerische Staatsregierung wollen dagegen Deutschland zum Leitmarkt für E-Fahrzeuge machen. Bis 2025 soll sich der Anteil des Geschäfts mit lokalen Herstellern am China-Umsatz der Gruppe vervierfachen.

kig/Reuters/dpa



insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dirk1962 21.07.2017
1. China macht es richtig
Dort gibt es eine klare Zielsetzung und ein Konzept zur Umsetzung. Unsere Autobauer sind technologisch abgehängt und nun kommt die nächste Branche. Während die Chinesen also erfolgreich sind, liegt Deutschland unter Merkel im Koma. Lethagie und Nichtstun ist Merkels Rezept der letzten 12 Jahre und so wird es weitergehen. Statt aktiv zu gestalten schreibt Merkel schon mal öffentlich die Deutsche Autindustrie ab.
steve72 21.07.2017
2.
Wir Europäer sollten froh sein das wir gezeigt bekommen wie es geht. Es liegt an unseren Regierungen die die Weichen für Innovation nicht stellen weil sie inkompetent sind und nur auf Machterhalt aus sind .
ronald1952 21.07.2017
3. Der Westen braucht sich
gar nicht so zu wundern. Ist es doch so das hier bei uns außer verschiedenen Industrien kaum etwas gefördert wird. Wer so ein Schul und Unisystem wir wir hat muss sich auch nicht wundern abgehängt zu werden.In den Schulen geht es doch bei uns schon los. Schüler deren Eltern mit Anwälten kommen und drohen wenn Ihnen was nicht passt.Schulen die so marode sind das es den Schülern schon vorm hingehen Graut.Die liste ist endlos lang bis hin zu den vielen vieln Ingenieuren die Arbeitslos sind aus welchen Gründen auch immer. Es nutz nur den wenigsten wenn wir Exportweltmeister sind. Wir müssen Weltmeister in der Förderung, der Betreuung unsere Kinder und deren Ausbildung sein. Seit meiner Schulzeit und Studium ist doch hier alles den Bach runter gegangen. Wenn ich mich Heute mit einem Ingenieur unterhalte Fachlich, frage ich mich doch des öfteren was diese Herrschaften eigendlich in den Unis lernen? Zu allererst sollte man mal zu den alten Studien zurückkommen,ein Ingenieu ist ein Ingenieur und kein Bachelor oder Master. Viele meiner Kollegen und ich auch haben bis heute nicht Verstanden was eine solche Ausbildung soll. Einen Bachelor braucht man gar nicht erst einzustellen, da mangelndes Wissen. Und einen Master? Da streiten sich wohl die Geister. Selbst einem einfachen Ingenieur grad. traue ich weitaus mehr zu als den heutigen Studienabgänger.Nun gut, die Liste ist wohl endlos warum wir von den Chinesen so richtig abgehängt werden.Leider befürchte ich, es wird sich daran nichts ändern. schönen Tag noch,
Xantos73 21.07.2017
4. Jetzt geht mir ein Licht auf!
Danke SPON, nun lößt sich bei mir gerade ein Verständnisproblem. Automatisiertes Fahren und E-Autos hatten bei mir die Frage aufgeworfen - Wozu macht die Industrie das? Sie schneidet sich ja faktisch ins eigene Fleisch. Es gibt Zukunfstvisionen die nur noch von einem benötigten Fuhrpark von 1/8 ausgeht, gegenüber dem was derzeit auf den Straßen unterwegs ist. Allein die Jobs - 800k LKW-Fahrer und da sind Taxi- und Busfahrer noch gar nicht mit bei. Klar, für die Umwelt wäre das ein Traum, aber die Politik müsste sich dann entgültig vom heiligen Gral der Vollbeschäftigung trennen. Aber wenn die kommunistische Einheitspartei Chinas mit ihren Entschlüssen genau diese Industrien in den Fokus nimmt, dann müssen die westlichen Industrien mittlerweile mitziehen, wenn sie den Anschluss nicht verpassen wollen, wenn sie es nicht schon haben (siehe Solarzellen). Oha, das letzte namentlich kommunistische Land treibt den kapitalistischen Westen technologisch langsam aber sicher vor sich her. Wer hätte das vor 30 Jahren gedacht? Tjaja, der Lehrling beschämt den Meister.
leto_xx 21.07.2017
5. "Künstliche Intelligenz"
gibt es „noch“ nicht und ich werde sie auch nicht mehr erleben. Wir sind mit unserer gesamten Hightech nicht einmal in der Lage, die „Intelligenz“ eines einzelligen Pantoffeltierchens nachzustellen ... Und von der Schwarmintelligenz der Ameisen und Bienen sind wir weiter entfernt, als vom Zentrum des Universums :-) Wir automatisieren Prozesse mit vorher beschriebenen Algorithmen. Treten dort Ereignisse auf, welche nicht bedacht wurden „If … Then“, ist das System vollkommen hilflos. Würde man unsere heutige „künstliche Intelligenz“ einem IQ-Test unterziehen … kämen eher null Punkte raus.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.