Handelsstreit China droht den USA mit Vergeltung

US-Präsident Trump droht China mit einer drastischen Erhöhung der Strafzölle. Die chinesische Regierung reagiert mit scharfen Worten - und einem Appell an die Vernunft.

Hafen Lianyungang in China
AFP

Hafen Lianyungang in China


China hat auf eine angedrohte Erhöhung der geplanten US-Strafzölle in scharfen Ton geantwortet. "Wir raten den USA, ihre Haltung zu korrigieren und es nicht mit Erpressung zu versuchen", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Geng Shuang. "Das funktioniert mit China nicht." Die USA sollten "zur Vernunft zurückkehren", weil sie sich am Ende nur selbst schadeten.

US-Präsident Donald Trump hatte seinen Handelsbeauftragten Robert Lighthizer angewiesen, eine Erhöhung der geplanten Strafzölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar von zehn auf 25 Prozent zu prüfen.

Die Maßnahme solle die chinesische Regierung zu einem Politikwechsel bewegen. Ziel seien gerechtere Marktbedingungen, so Lighthizer: "Wir haben sehr deutlich gesagt, welche konkreten Änderungen China vornehmen sollte." Bedauerlicherweise habe die chinesische Regierung ihr Verhalten aber nicht geändert, sondern mit Vergeltung gegen amerikanische Unternehmen, Arbeiter und Landwirte reagiert.

China sei bereit, den Handelsstreit mit den USA eskalieren zu lassen, teilte das chinesische Handelsministerium seinerseits mit. Das Land habe seine Ehre und das Interesse seines Volkes zu verteidigen. Dennoch stehe China für Gespräche zur Verfügung, sollten die USA künftig ihre Versprechen halten und sich zu einem Austausch auf Augenhöhe bereit erklären.

Etwa die Hälfte der chinesischen Ausfuhren wäre betroffen

Macht Trump seine Drohungen wahr und lässt die Strafzölle auf Importe im Wert von 200 Milliarden US-Dollar in Kraft treten, wäre zusammen mit anderen Sonderabgaben etwa die Hälfte der chinesischen Ausfuhren in die USA betroffen.

Die Liste mit potenziell betroffenen Produkten, die die US-Regierung am 10. Juli vorgelegt hatte, umfasst Konsumgüter wie Möbel und Lebensmittel. Sie soll in den nächsten Wochen fertiggestellt werden. Am 5. September läuft eine Frist ab, innerhalb derer noch Gespräche stattfinden. Ursprünglich sollte diese Frist am 30. August enden.

Anfang Juli waren bereits US-Zölle in Höhe von 25 Prozent auf chinesische Importe im Wert von 34 Milliarden US-Dollar in Kraft getreten. Als Vergeltung erhebt China inzwischen Sonderabgaben auf Autos aus den USA, aber auch auf landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Sojabohnen, Schweinefleisch, Rindfleisch und Molkereiprodukte. Es zielt damit auf die Wählerschaft Trumps im ländlichen Raum ab. Zudem hat China die eigene Wirtschaft mit immensen Subventionen gewappnet.

Derzeit keine offiziellen Verhandlungen

In Kürze könnten zusätzlich 25-prozentige US-Zölle auf chinesische Waren im Wert von weiteren 16 Milliarden US-Dollar folgen. Ein US-Regierungsmitarbeiter teilte mit, die Überprüfung dazu laufe noch. Trump droht damit, vielleicht sogar alle Importe aus China im Wert von etwa 500 Milliarden US-Dollar mit Abgaben überziehen zu wollen.

China will mit Gegenmaßnahmen in ähnlichem Umfang antworten. Diese dürften über bloße Strafzölle hinausgehen, da Chinas Importe aus den USA im vergangenen Jahr nur 130 Milliarden US-Dollar ausmachen. Bisher laufen keine formellen Verhandlungen zwischen beiden Seiten. Der US-Regierungsmitarbeiter sagte, Trump sei aber weiterhin offen dafür. Derzeit führe man informelle Gespräche mit Peking über die Frage, ob "produktive" Verhandlungen möglich seien.

ans/beb/dpa/Reuters



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Epsola 02.08.2018
1.
Da war die Tochter wohl vorab informiert. Nach dem großen Rundumschlag kommt dann das große Verteilen der Ausnahmen, natürlich nur für die die sich Trump-loyal verhalten. Kurzum, Trump führt nach der großen Steuerleichterung eine große indirekte Steuer ein, um dann wiederum Ausnahme nach Gefälligkeit zu verteilen.
Pfaffenwinkel 02.08.2018
2. Ein Appell an die Vernunft von Trump
Trump ist ja so manches, aber vernünftig war der noch nie. Die einzige Sprache, die Trump versteht, ist die des Geldes. Und genau da werden ihn die Chinesen packen.
kr-invest 02.08.2018
3. Trump zieht es durch
Interessant, wie Donald Trump seine Agenda durchzieht. er hat vermutlich recht, bei dieser Ungleichheit in der Bilanz kann er nur gewinnen. Entweder die US-Konsumenten kaufen weiter, dann gehen erhebliche Mengen an Steuereinnahmen an den vermutlich US-Haushalt oder sie kaufen nicht weiter die Produkte, dann wird die US-Industrie nicht lange brauchen diese Sachen wieder selbst herzustellen. Allen ist besser, wenn die Schuldenmacherei der USA aufhört, denke ich. Also sollte man Donald Trump in diesem Unterfangen unterstützen. Der Spielraum Europas wird auch gerade wieder größer mit den besser werdenden Staatshaushalten in Euroland. Also jetzt: LNG aus USA, mehr Ausgaben in Europa für die NATO und Unterstützung für Donald Trumps Handelspolitik in Fernost und dann bekommt man auch die globalen Gleichgewichte wieder hin. Leichte Verlierer mögen dann China und Russland sein, aber ok, die haben sich das durch ihre aggresive Handels- bzw. Ausssenpolitik auch irgendwo selber zuzuschreiben.
aurichter 02.08.2018
4. Die US Bürger
und Verbraucher werden doch von der eigenen Regierung nur noch ver*rscht und mit den Zöllen am Nasenring gezogen für die Steuersenkungen und exorbitanten Militärausgaben, die es jetzt zu kompensieren gilt. Der Haushalt soll mit dubiosen Maßnahmen auf Vordermann gebracht werden und die US Konsumenten werden dafür zur Kasse gebeten. Diese so genannten Wirtschaftsexperten um Lightizer wissen um die Defizite in der herstellenden Industrie und kalkulieren evtll zurückgehende Verkaufszahlen ein, solang der Zolltopf sprudelt wird sich bzgl Entgegenkommen von US Seite nichts ereignen, nur die Forderungen an China/EU werden ständig erweitert.
harald75 02.08.2018
5. USA vs China
Wie gehirnamputiert muss manj sein, sich mit dem einzigen Gegner anzulegen, der einen vernichten kann. Wenn China ernst macht und seine Dollarreserven auf den Markt schmeißt, ist der Dollar wertlos und die USA sind Geschichte. Möchte mir allerdings nicht vorstellen was die USA in dem Fall machen würde, ein Weltkrieg wäre dann sicher.
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