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Reformstau: China wächst so langsam wie zuletzt 2009

Die Zeit des Turbowachstums ist vorbei: Chinas Wirtschaft ist im dritten Quartal nur noch um 7,3 Prozent gewachsen, die Regierung droht ihr wirtschaftspolitisches Ziel für 2014 zu verfehlen. Die Märkte reagieren dennoch positiv.

Skyline von Shanghai: Wachstum geht zurück Zur Großansicht
REUTERS

Skyline von Shanghai: Wachstum geht zurück

Peking - Der Konjunkturmotor China gerät ins Stottern. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde ist im dritten Quartal 2014 so langsam gewachsen wie seit fünf Jahren nicht mehr, wie das Statistikamt am Dienstag in Peking mitteilte. Zwischen Juli und September 2014 legt die Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,3 Prozent zu. Analysten hatten ein noch langsameres Wachstum erwartet.

Der Zuwachs liegt damit unter dem von der Staatsführung gesteckten Ziel von 7,5 Prozent für dieses Jahr. Seit dem ersten Quartal im Jahr 2009 hat Chinas Wirtschaft nicht mehr so langsam zugelegt. Damals hatte die Wachstumsrate bei 6,6 Prozent gelegen. Im zweiten Quartal war Chinas Wirtschaft auf 7,5 Prozent Wachstum gekommen.

Chinas Staatsführung will eine grundlegende Umstrukturierung der Wirtschaft anstoßen. Dafür will sie auch geringere Wachstumsraten in Kauf nehmen. Mit 7,5 Prozent liegt das Regierungsziel weit unter dem zweistelligen Turbo-Wachstum der vergangenen Jahrzehnte. Sollte es in diesem Jahr bei dem Tempo bleiben, wäre es das langsamste Wachstum seit 24 Jahren.

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Chinas Staatsführung misst ihre Wirtschaftspolitik zu einem großen Teil an der Zahl der geschaffenen neuen Stellen auf dem Arbeitsmarkt. Regierungschef Li Keqiang hatte auf dem Weltwirtschaftsforum in Tianjin vergangenen Monat betont, dass in China in den ersten acht Monaten dieses Jahres fast zehn Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.

"Ein entscheidendes Ziel für stabiles Wachstum ist die Sicherung des Arbeitsmarktes", sagte Li. Mit den bisherigen Daten fühlte sich der Ministerpräsident auf einem guten Kurs. Der Internationale Währungsfonds prognostizierte für China in diesem Jahr ein Wachstum von 7,4 Prozent. Im kommenden Jahr soll China Wirtschaft nur noch mit 7,1 Prozent zulegen.

Langfristig könnte sich Chinas Wachstum auf einem noch niedrigeren Niveau einpendeln. Das Analyseunternehmen "The Conference Board" prognostizierte einen Einbruch von Chinas Konjunkturdaten in den kommenden zehn Jahren. Zwischen 2015 und 2019 werde der Zuwachs im Schnitt bei 5,5 Prozent liegen. Zwischen 2020 und 2025 werde sich die Wirtschaftsentwicklung weiter verlangsamen auf durchschnittlich 3,9 Prozent, heißt es in einer Analyse.

Im Vergleich zum geringen Wachstum in Europa und den USA erscheinen Wachstumszahlen wie in China bemerkenswert, doch sind sie für ein Schwellenland wie China mit seinem Nachholbedarf nicht hoch. Experten sehen sechs oder sieben Prozent Wachstum als Untergrenze, um ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen und Entwicklungsprobleme zu lösen.

Die Märkte reagierten auf die Zahlen dennoch positiv. Analysten hatten ein noch schwächeres Wachstum von 7,2 Prozent befürchtet. Nun herrsche "Erleichterung", sagte Lutz Karpowitz von der Commerzbank. Der Euro Chart zeigen legte entsprechend leicht zu.

ssu/dpa

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1. Langsameres Wachstum ist für China positiv
olli0816 21.10.2014
Eine Wirtschaft, die in diesen Größenordnungen jährlich um 7 - 10 % wächst, gerät außer Kontrolle. An den Bildern der Luftverschmutzung in den Wintermonaten kann man das festmachen. Wenn die Menschen dort nicht ohne weiteres das Haus verlassen können und um Jahre früher sterben, dann hat China hier Aufgaben, die sie in den Griff bekommen müssen. Zum anderen verpufft irgendwann der Effekt, Produktionen aus den Industrieländern zu übernehmen, da auch dort der Bedarf irgendwann gedeckt ist. Wenn China in Zukunft langsamer wächst, können sie Energien freisetzen, um ihre Umweltprobleme besser in den Griff zu bekommen. Auch dieses verspricht Wirtschaftsentwicklung, da sie durch die immensen Probleme entsprechende Lösungen entwickeln müssen, die sie dann anderen Ländern verkaufen können. Das macht Deutschland auch nicht anders. Was mir hier im Spiegel besonders auffällt ist der ständige Wunsch nach Wachstum. Ähnlich wie für die EU oder Deutschland. Im Grunde stagniert z.B. in Deutschland die Bevölkerung und man bräuchte hier gegenwärtig kein großartiges Wachstum. Weniger Menschen sind weniger Nachfrage und gleichzeitig sinkt mit der Abnahme der arbeitsfähigen Bevölkerung auch die Nachfrage nach Arbeitsstellen. Viele Leute werden hier in den nächsten 10 - 15 Jahren in Rente gehen und nicht durch nachwachsende junge Menschen ausgeglichen werden können. Gleiches gilt kurioserweise auch für China. An manchen Stellen finden die Betriebe nicht mehr genügend Leute und lagern Produktionen in z.T. preisgünstigere ausländische Regionen aus. Die 1-Kind-Politik macht sich dort langsam bemerkbar und das ist noch nicht mal schlecht für China. Sehr positiv für die Menschen, da Mitarbeiter mehr fordern können und die Lebensqualität steigt.
2. Statistik...
schweineigel 21.10.2014
Naja, es könnte sich aber auch nur um einen Statistik-fehlinterpretation handeln: Auch in China gibt es reiche Leute, aber auch sehr, sehr viele arme. Die Reichen bestimmen die wirtschaftsstatistik, weil ihr Vermögensvolumen dominiert. Sollte also das Vermögen der reichen "nur" um 6% wachsen, das der armen aber um 50%, kann man in der Summe auf 7,3% kommem, obwohl die Situation weitaus besser ist. Gerade wachsender Wohlstand für ärmere Schichten ist günstig für die Wirtschaft und den sozialen Frieden -- das wusste schon der kommunistische Sozialromantiker Roosewelt. (Achja, deeer!) -- Ich will jetzt nicht sagen, dass das so sein muss, ich kenne da nicht die genauen Zahlen. Ich warne nur davor, diese eine Kennzahl zu oberflächlich zu betrachten.
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