Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Bonitätsnote gesenkt: Chinas Rating-Agentur straft USA ab

Chinesischer Yuan, US-Dollar: Durch Schulden eng verknüpft Zur Großansicht
REUTERS

Chinesischer Yuan, US-Dollar: Durch Schulden eng verknüpft

Es ist eine Warnung an die größte Supermacht der Welt: Die chinesische Rating-Agentur Dagong senkt die Kreditnote der USA - trotz der Einigung im Haushaltsstreit. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua droht in einem Kommentar mit dem Abzug chinesischer Gelder aus Amerika.

Peking/Frankfurt am Main - Die Parteien im US-Kongress haben sich geeinigt - doch den größten ausländischen Gläubiger des Landes scheint das kaum zu beruhigen: Mit verbalen Warnschüssen mahnt China die Politik in Washington, es nicht noch einmal so weit kommen zu lassen.

Das deutlichste Signal kam am Donnerstag von der chinesischen Rating-Agentur Dagong. Sie zweifelt offenbar zunehmend an der Kreditwürdigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft - und senkte die Bonitätsnote von der dritthöchsten Bewertung "A" auf "A-". Der Ausblick bleibt negativ, so dass weitere Abstufungen drohen.

Dagong ist in der Finanzwelt längst nicht so bedeutend wie die Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch, die die USA noch mit deutlich höheren Noten bewerten. Die Herabstufung ist daher eher als politisches Signal zu werten: China hält US-Staatsanleihen im Volumen von knapp 1,3 Billionen Dollar - so viel wie kein anderes Land der Welt. Damit sind die beiden Staaten voneinander abhängig: Die Chinesen müssen darauf vertrauen, dass die USA nicht pleitegehen, die Amerikaner müssen hoffen, dass Peking weiter ihre Schulden finanziert.

Offiziell zeigte sich die chinesische Führung erleichtert über die Einigung in Washington. Diese diene nicht nur den US-Interessen, sondern auch der Stabilität und Entwicklung der Weltwirtschaft, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking. Zuvor hatten sich die zerstrittenen Parteien in den USA in der Nacht zu Donnerstag auf eine Lösung im Haushaltsstreit geeinigt, die die Finanzierung des Staates zumindest bis Anfang 2014 sicherstellt. Dann allerdings drohen erneut Schwierigkeiten - und im schlimmsten Fall Zahlungsausfälle.

Fotostrecke

10  Bilder
US-Haushaltsstreit: Niederlage für Republikaner, Sieg für Demokraten
Deutlicher als das Außenministerium reagierte Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, die häufig als inoffizielles Sprachrohr der Regierung dient. In einem Kommentar vom Donnerstag zweifelt die Agentur die Sicherheit von US-Staatsanleihen an. "In- und ausländischen Investoren sei geraten, sich einen Plan B zurechtzulegen, da noch immer keine langfristige Lösung für die US-Schuldenkrise in Sicht ist", heißt es dort. Aus Parteikalkül hätten die Abgeordneten eine Lösung bis zum letzten Moment hinausgezögert. Dabei seien ihnen die schlimmen Konsequenzen für die Weltwirtschaft sehr bewusst gewesen.

Experten halten es durchaus für möglich, dass China seine riesigen Bestände an US-Anleihen (im Finanzjargon: "Treasuries") reduzieren könnte. "In den kommenden Tagen und Wochen wird vermehrt die Diskussion aufkommen, ob die USA noch uneingeschränkt als Hort der Sicherheit einzuschätzen sind", schreiben etwa die Analysten des Bankhauses Metzler. "Insbesondere China und Japan werden sich ihre Gedanken machen, ob die hohen Bestände an US-Tresauries noch für das stehen, weswegen sie seinerzeit erworben wurden - sprich als sicherer Hafen."

Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

stk/dpa/AFP/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 150 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
meinung2013 17.10.2013
und dann ist das Land tatsächlich pleite. Ich frage mich aber auch, weshalb die EU nicht mutig genug ist, das völlig intransparente Rating der US rating Agenturen einfach in den Wind zu schlagen.
2.
gog-magog 17.10.2013
Zitat von sysopREUTERSEs ist eine Warnung an die größte Supermacht der Welt: Die chinesische Rating-Agentur Dagong senkt nach dem wochenlangen Haushaltsgezerre die Kreditnote der USA. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua droht unverhohlen mit dem Abzug chinesischer Gelder. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/chinas-rating-agentur-senkt-bonitaetsnote-der-usa-a-928375.html
Wer jetzt noch amerikanischen Staatsanleihen kauft, der muss gehörig einen an der Waffel haben. Seit heute steht fest, dass die USA ihre Schulden nie wieder zurückzahlen werden.
3. hmm...
nochsoeiner2nochsoeiner2 17.10.2013
... wäre es nicht sinnvoller für ein verschuldetes Land (Deutschland) wenn es seine Schulden zurückzahlt anstatt anderen Ländern (nein, nicht nur Amerika) Geld zu leihen?
4. Wenn ...
brotherandrew 17.10.2013
---Zitat von SPOn--- Experten halten es durchaus für möglich, dass China seine riesigen Bestände an US-Anleihen (im Finanzjargon: "Treasuries") reduzieren könnte. ---Zitatende--- ... China in nennenwertem Umfang US-Anleihen auf den Markt wirft, würde das dem Land nicht helfen, denn der Wert der Anleihen würde sinken. Ausserdem sind die Chinesen davon abhängig, dass die Amerikaner ihre Waren kaufen.
5.
muellerthomas 17.10.2013
Zitat von gog-magogWer jetzt noch amerikanischen Staatsanleihen kauft, der muss gehörig einen an der Waffel haben. Seit heute steht fest, dass die USA ihre Schulden nie wieder zurückzahlen werden.
Wenn Sie also heute eine US-Staatsanleihe mit 1, 2 oder 10 Jahren Laufzeit kaufen, glauben Sie, diese bei Fälligkeit nicht mehr zurückgezahlt zu bekommen?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | USA-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: