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Wachstum auf Pump: Chinas Schulden steigen auf Rekordhöhe

Pekings Schulden nehmen bedrohliche Ausmaße an. Laut Schätzungen der Standard Chartered Bank waren sie Ende Juni zweieinhalb Mal so groß wie die Jahreswirtschaftsleistung. Das auf Pump finanzierte Wachstum stößt an seine Grenzen.

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DPA

Skyline von Hongkong: Wachstum auf Pump

Hamburg - Die Lage der chinesischen Wirtschaft lässt sich kurz zusammenfassen: "Sie haben sich verschuldet, ehe sie reich geworden sind", sagt Chen Long, Ökonom am Forschungsinstitut Gavekal Dragonomics. Neue Zahlen, über die die "Financial Times" ("FT") berichtet, geben ihm Recht. Auf rund 250 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung seien die Gesamtschulden der Volksrepublik Ende Juni gestiegen, schätzt die Standard Chartered Bank. Das ist eine ungesund hohe Quote.

Die Gesamtschulden umfassen die Verbindlichkeiten von Regierung, Unternehmen und Haushalten im Vergleich zur Jahreswirtschaftsleistung. Zum Vergleich: In den wirtschaftlich wesentlich weiter entwickelten USA habe sich die Quote Ende vergangenen Jahres auf 260 Prozent belaufen, in Deutschland auf knapp unter 200 Prozent, berichtet die "FT". Besonders bedenklich sei der rasche Anstieg der Gesamtschulden in China. Ende 2008 hätten sie erst 147 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung betragen.

Grund für den rapiden Anstieg ist eine Wirtschaftspolitik, die an ihre Grenzen stößt. China dopt seine Wirtschaft mit billigen Krediten, mit staatlich verordneten Bauprojekten. Sie versucht so das Wachstum hoch zu halten - und damit die Perspektive der Bevölkerung auf Wohlstand. Ohne diese Perspektive könnte die Bevölkerung anfangen, gegen die Kommunistische Partei aufzubegehren.

Noch funktioniert das Wachstum auf Pump. Laut offiziellen Zahlen ist Chinas Wirtschaft zwischen April und Juni um 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen. Das Plus entspricht exakt dem von der Regierung vorgegebenen Wachstumsziel für 2014. Allerdings wurde Peking mehrfach vorgeworfen, seine Wachstumszahlen zu manipulieren. Fest steht: Das Wachstum war teuer erkauft.

Die Banken reichten allein im Juni 1,08 Billionen Yuan (128 Milliarden Euro) an neuen Krediten aus, fast 20 Prozent mehr als erwartet. Auch der Staat erhöhte seine Ausgaben im Juni um 26,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 1,65 Billionen Yuan (195 Milliarden Euro). Das Wirtschaftswachstum sinkt dennoch, Anfang des Jahrzehnts war es noch zweistellig.

Wie lange Pekings wirtschaftspolitischer Kurs noch gut geht, ist fraglich. Viele andere Staaten durchlitten nach derartig steilem Schuldenwachstum eine Bankenkrise. Immerhin in diesem Punkt hat die chinesische Regierung einen Vorteil. Ihr gehören alle wichtigen Banken und viele der besonders hoch verschuldeten Unternehmen. Das limitiert zumindest das Risiko eines Finanz-Crashs. Doch in einer Wirtschaft, in der immer mehr Kredite darauf verwendet werden, alte abzulösen, sinkt das Wachstum zusehends ab.

Präsident Xi Jinping will Chinas Wirtschaftspolitik nun ändern, unter anderem, indem er das Finanzsystem liberalisiert, die Macht der Staatsfirmen beschneidet, die Besitzverhältnisse auf dem Land reformiert und die Registrierung in den Städten vereinfacht. Doch er muss sich dabei gegen mächtige Interessengruppen durchsetzen. Viele Experten bezweifeln, dass er das System schnell genug anpassen kann.

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1. Ungenauer Artikel
SchnurzelPuPu 22.07.2014
Wem schuldet denn nun der Chinese Geld? Den Ausländern, die Städter den Bauern, der Staat seinen Bürgern? Das ist doch entscheidend. Im ersten Fall geht es mir ihnen dann so wie Argentinien. auf jeden Fall schuldet der Staat in China seinen Bürgern Demokratie. Aus diesem Defizit kommt die,kommunistische Brut nicht mehr heraus. Viel Spaß den deutschen Investoren, wenn 1,7 Milliarden Chinesen die Fabriken anzünden.
2.
mcmercy 22.07.2014
Zitat von SchnurzelPuPuWem schuldet denn nun der Chinese Geld? Den Ausländern, die Städter den Bauern, der Staat seinen Bürgern? Das ist doch entscheidend. Im ersten Fall geht es mir ihnen dann so wie Argentinien. auf jeden Fall schuldet der Staat in China seinen Bürgern Demokratie. Aus diesem Defizit kommt die,kommunistische Brut nicht mehr heraus. Viel Spaß den deutschen Investoren, wenn 1,7 Milliarden Chinesen die Fabriken anzünden.
Eigentlich nur sich selber, deshalb ist das ganze auch irrelevant. Da sämtliche Banken und Unternehmen dem Staat gehören, könnte die Regierung auch allen die Schulden einfach erlassen und neue Renminbi ausgeben fertig. Ähnlich machen es die USA ja auch, die Fed druckt einfach fleißig neues Geld und kauft die Staatsanleihen auf.
3. Quatsch
RalfHenrichs 22.07.2014
China gehört zu den größten staatlichen Gläubigern der Welt. Dass China neben Vermögen auch Schulden hat, ist überhaupt kein Problem. Zu fragen wäre, wie hoch die Differenz zwischen Vermögen und Schulden für den chinesisichen Staat ist, aber das geht aus dem Artikel nicht hervor. Es ist wie immer: wenn irgendwo Schulden steht, entsteht Panik. Dabei gibt es ohne Schulden kein Vermögen.
4.
muellerthomas 22.07.2014
Zitat von mcmercyEigentlich nur sich selber, deshalb ist das ganze auch irrelevant. Da sämtliche Banken und Unternehmen dem Staat gehören, könnte die Regierung auch allen die Schulden einfach erlassen und neue Renminbi ausgeben fertig. Ähnlich machen es die USA ja auch, die Fed druckt einfach fleißig neues Geld und kauft die Staatsanleihen auf.
Im Falle von Deutschland, einer großen Netto-Gläubiger-Volkswirtschaft, argumentieren seltsamerweise nur wenige so. Nunja, dann hätten die privaten Haushalte auch keine Ersparnisse mehr....
5. Kein Beispiel
sklerotraficon 22.07.2014
...hoffentlich nimmt sich keine andere Regierung - respektive D oder US - an China kein Beispiel...
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Bevölkerung: 1367,820 Mio.

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

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