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Boom auf Pump: Das Ende des China-Wunders

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AP/dpa

Fensterputzer in Peking: Sorgen um China

Während Europa sich über den Aufschwung freut, drohen in China Rückschläge. Das Land ächzt unter hohen Schulden, das Wachstum erlahmt. Einem der wichtigsten Handelspartner Deutschlands drohen heftige Rückschläge.

China schwächelt. Nein, das ist eine Untertreibung: Das Land steht vor ernsten Schwierigkeiten. Kommenden Mittwoch legen Pekings amtliche Statistiker erste Zahlen zum Wirtschaftswachstum im ersten Quartal vor. Negative Überraschungen sind zu befürchten. Für Ostermontag hat sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Peking angekündigt. Zeitgleich beginnt die China Autoshow, die Messe für den größten Hoffnungsmarkt der deutschen Industrie.

China, das war bisher der Fluchtpunkt deutscher Managerphantasien. Konzerne von Adidas bis Volkswagen haben sich dort mit Verve ins Geschäft gestürzt, umso mehr, als die europäischen Märkte in Folge der Krise darniederlagen. Das Land ist inzwischen ein zentraler Pfeiler des deutschen Wirtschaftsmodells: als Produktionsstandort, als fünftgrößter Export- und zweitgrößter Importmarkt. Handelsvolumen: mehr als 150 Milliarden Euro. Rechnet man alle deutschen Investitionen in China zusammen, so haben sie sich seit 2008 mehr als verdoppelt.

Dass die neue Mega-Ökonomie nicht auf ewig mit Raten von zehn Prozent und mehr wachsen würde, war klar. Doch nun mehren sich die Anzeichen einer harten Landung. In der vergangenen Woche veröffentlichte Peking neue Außenhandelszahlen, denen zufolge die Importe im März um 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen sind. Eine Momentaufnahme, natürlich, aber eine beunruhigende. Sie zeigt, dass in Chinas Binnenwirtschaft einiges im Argen liegt.

Boom auf Kredit - nun sitzt Chinas Wirtschaft auf hohen Schulden

China steht am Ende eines kreditfinanzierten Investitionsbooms. Nun sitzt die Wirtschaft auf hohen Schulden und Überkapazitäten. Banken und Schattenbanken haben in den vergangenen Jahren gigantische Summen an einheimische Firmen verliehen, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) diese Woche in seinem Bericht zur Finanzstabilität dargelegt hat. Die Verschuldung des Unternehmenssektors beträgt inzwischen mehr als 140 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung. In Deutschland sind es 43 Prozent. In keinem anderen Schwellenland ist die Verschuldung der Firmen nach IWF-Angaben so stark gestiegen wie in China. In keinem anderen vergleichbaren Land haben die Banken seit 2008 so viel Geld verliehen - Forderungen, die sie nun womöglich teils abschreiben müssen.

Würden diese Zahlen aus einem anderen Land als der fernöstlichen Wunderökonomie stammen - der Rest der Welt wäre ernstlich beunruhigt.

Das Muster ist bekannt: Die Verschuldung der Privatwirtschaft hat untragbare Größenordnungen angenommen, dann bricht das Wachstum ein, und so manche Kredite platzen. Ähnlich war die Konstellation 2007 in den USA, in Großbritannien, in Spanien, in Irland - kurz vor dem großen Crash.

Sicher, die jüngste Wirtschaftsgeschichte muss sich nicht eins zu eins wiederholen. Immerhin hat China auch eine Menge Stärken: Die Gläubiger sitzen im Inland, nicht im Ausland. Die Kapitalmärkte sind vergleichsweise geschlossen, Kapitalflucht ist daher keine Gefahr. Die Banken haben, so IWF-Zahlen, eine solide Basis an Einlagen. Die Staatsverschuldung ist gering, das Land sitzt auf den mit Abstand größten Devisenreserven der Welt. Die Behörden haben Spielraum zum Gegensteuern, selbst wenn im Schattenbankensektor größere Zusammenbrüche drohen sollten. Eine schwache Auktion von niedrigverzinsten Staatsanleihen am Freitag hat allerdings gezeigt, dass Anleger sich inzwischen Sorgen um Chinas Stabilität machen.

Gefährliche Entwicklung für Deutschland

Über viele Jahre war China die Wunderökonomie der Welt. Gleichbleibend hohes Wirtschaftswachstum, rapide Modernisierung, eine Investitionsdynamik wie nirgends sonst auf der Welt. Besser noch: Egal, was passierte, China half, die Weltwirtschaft zu stabilisieren. So war es in der Asienkrise von 1997, nach dem New-Economy-Crash und dem 11. September 2001, in der großen Rezession von 2008/2009. Der Rest der Welt mochte Krisen und Verwerfungen durchleiden - China hielt Kurs und zog die anderen mit.

Diese Zeiten sind wohl erst mal vorbei. Wie viele andere Schwellenländer zuvor, stößt China an Entwicklungshürden, die sich nicht so leicht überwinden lassen: Staat und Gesellschaft müssen mit der Wirtschaft Schritt halten. Das ist schwieriger, als ein Land mit Fabriken, Straßen und Flughäfen vollzubauen.

Für Deutschland, dessen Exporte überwiegend aus Investitionsgütern, Luxusautos und industriellen Vorprodukten bestehen, ist das keine gute Nachricht.

Montag

BRÜSSEL - Konjunktur-Barometer - Neue Zahlen zur Industrieproduktion in der Euro-Zone.

LUXEMBURG - Sanktionen? - Treffen der EU-Außenminister. Top-Thema: Russland.

NEW YORK - Zurück im Spiel - Die Citigroup zeigt Ergebnisse aus den ersten drei Monaten.

Dienstag

BERLIN - Gute Zeiten - Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel präsentiert die Frühjahrsprognose der Bundesregierung.

LUXEMBURG - Truppenbewegungen? - Treffen der EU-Verteidigungsminister. Top-Thema: Russland.

Ingelheim - Pillen-Kick - Der Pharma-Konzern Boehringer informiert übers Geschäftsjahr 2013.

Mittwoch

PEKING - Tiefflug - Die Statistiker informieren über Industrieproduktion und Bruttoinlandsprodukt.

ESSEN - Strombremse - Der angeschlagene Stromkonzern RWE bittet zum Aktionärstreffen.

BERLIN - Nullen und Einsen - Springer-Chef Mathias Döpfner zelebriert bei der Hauptversammlung die Digitalisierung des Ex-Zeitungshauses.

WASHINGTON - Fed-Test - Konjunkturbericht ("Beige Book") der US-Notenbank

Donnerstag

HAMBURG - Gute Pflege - Der Nivea-Konzern Beiersdorf empfängt seine Aktionäre.

NEW YORK - Höchstfinanz - Die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley sowie Private-Equity-Multi Blackstone berichten vom ersten Quartal.

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Müllers Memo
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insgesamt 61 Beiträge
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    Seite 1    
1. Aber sischer doch ....
Tron3000 13.04.2014
Zitat von sysopAP/dpaWährend Europa sich über den Aufschwung freut, drohen in China Rückschläge. Das Land ächzt unter hohen Schulden, das Wachstum erlahmt. Einem der wichtigsten Handelspartner Deutschlands drohen heftige Rückschläge. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/chinas-volkswirtschaft-das-ende-des-booms-a-964156.html
Und wieder ein Artikel, der von keiner Sachkenntnis getrübt ist. China steht an 88 Stelle der am meisten verschuldeten Länder. Nummer 1 Japan Nummer 2 Griechenland Nummer 6 Italien Nummer 7 Portugal Nummer 9 Iraland Nummer 11 USA Nummer 16 Spanien Nummer 18 England ..... Nummer 16 Deutschland. Werte aus 2013. Die reichsten Länder der Welt. China Platz 6. (2013) Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt China Platz 2 (2013)
2. Ja ja....
Pulmoll 13.04.2014
Sagt mal, nehmt Ihr da immer den gleichen Artikel und ändert nur das Datum ? Jedes Jahr wird über Chinas Untergng geschrieben, seit 10 Jahre steht der Niedergang unmittelbar bevor. Laaaaangweilig !!!!
3. Kein Wunder
flaps25 13.04.2014
Ich predige seit Jahren, dass der wirtschaftliche Boom Chinas einzig und allein seinem industriellen Nachholbedarf geschuldet ist. Irgendwann muss das aber stagnieren, zum einen weil der Nachholbedarf gedeckt ist und zum anderen weil die Gegenleistung an bereits industrialisierte Staaten, nämlich Billigstprodukte und Plagiate, eine Sättingung erreicht. Das geht einher mit der chinesischen Mentalität, die von deutschen Managern ebenfalls völlig missgedeutet wurde und weswegen Manche auf die Nase gefallen sind. Das angebliche chinesische Wunder gab es nie und wird es auch nicht geben. Es gibt immer Profiteure, aber in der Gesamtheit und über längere Sicht ist China kein Wunderland. Leider ist nachhaltiges Denken in Managerköpfen kein Thema wenn es um kurzfristige Gewinne und Boni geht.
4.
Oberleerer 13.04.2014
Luxusgüter gehen auch in Krisenzeiten gut.
5.
blurps11 13.04.2014
Natürlich kann es auch in China nicht dauerhaft exponentielles Wachstum geben. Überraschung !! (?)
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Zum Autor
  • Roland Bäge
    Henrik Müller ist Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund. Zuvor arbeitete der promovierte Volkswirt als Vizechefredakteur des manager magazin. Außerdem ist Müller Autor zahlreicher Bücher zu wirtschafts- und währungspolitischen Themen. Für SPIEGEL ONLINE gibt er jede Woche einen pointierten Ausblick auf die wichtigsten Wirtschaftsereignisse der Woche.


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