Bruttoinlandsprodukt Chinas Wirtschaft wächst etwas langsamer

Der Handelskonflikt mit den USA hat noch keine Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft. Dennoch bleiben Unsicherheiten. In dem Streit hat China jetzt bei der WTO Beschwerde eingelegt.

Schiff im Hafen von Qingdao
AP

Schiff im Hafen von Qingdao


Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal etwas langsamer gewachsen als in den drei Monaten zuvor. Das Bruttoinlandsprodukt der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,7 Prozent zu. Das teilte das Statistikamt in Peking mit. Im ersten Quartal waren es noch 6,8 Prozent Wachstum.

Eine geringfügige Verlangsamung war erwartet worden, da die Regierung bereits seit Jahren gegen riskante Kreditvergaben vorgeht. Künftig könnte die chinesische Konjunktur zudem durch den Handelsstreit mit den USA gedämpft werden.

In dem Konflikt legte die Volksrepublik nun bei der Welthandelsorganisation (WTO) Beschwerde gegen die jüngst angedrohten US-Zölle auf chinesische Güter im Wert von 200 Milliarden Dollar ein. Das teilte das Handelsministerium mit. Auf diese Waren sollen zusätzlich zehn Prozent bei der Einfuhr in die USA fällig werden - darunter Sojabohnen, Stahl, Kohle und Elektronik. China hat deutlich gemacht, dass es mit Gegenmaßnahmen reagieren wird.

Noch keine Auswirkungen durch Handelsstreit

"Die Wirtschaft ist stabil und zeigt normales Wachstum", sagte der Wirtschaftsprofessor Hu Xingdou der Nachrichtenagentur dpa. Der Handelsstreit und die gerade erst verhängten Strafzölle der USA auf Importe aus China im Wert von 34 Milliarden US-Dollar zeigten noch keine Auswirkungen. "Es gibt keine großen Probleme für die Wirtschaft", sagte der Professor. "Aber wie verlässlich sind diese Zahlen? Das ist unsicher." Chinas Statistikamt sei eben nicht unabhängig, sondern gehöre zur Regierung.

Einer Umfrage des Finanzdienstes IHS Markit zufolge sind chinesische Unternehmen zwar optimistisch, dass ihre Produktion im nächsten Jahr wachsen wird, doch ist die Stimmung "vergleichsweise gedämpft". Die Sorgen über den Handelskrieg, steigende Preise für Rohstoffe, höhere Arbeitskosten, härteren Wettbewerb und strengere Umweltvorschriften drückten die Laune, berichtete IHS Markit.

Konsum steigt

Trotz der Unsicherheiten profitiere die Wirtschaft von der weltweiten Erholung, einem belebten Immobilienmarkt und anderen Wachstumstreibern, stellte das Statistikamt fest. "Die nationale Wirtschaft behält den Schwung einer beständigen und gesunden Entwicklung, während sich die Umstrukturierung vertieft, die Qualität und Effektivität verbessert hat", teilte das Statistikamt mit, das von einem "guten Start in Richtung qualitativ hochwertige Entwicklung" sprach.

Auch trage der Konsum stärker als früher zum Wachstum bei. Der Anteil stieg im zweiten Quartal auf 78,5 Prozent, nachdem er im ersten Quartal bei 77,8 Prozent und im ganzen vergangenen Jahr noch bei 58 Prozent gelegen hatte.

Die wirtschaftliche Entwicklung liegt auch weiter über der Vorgabe der Regierung in Peking, die für das ganze Jahr eigentlich nur rund 6,5 Prozent anstrebt. Experten rechnen in der zweiten Jahreshälfte mit einem leicht abgeschwächten Wachstum von nur noch 6,6 Prozent.

brt/dpa/Reuters

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Reinhold Schramm 16.07.2018
1. China öffnet sich noch weiter für das internationale Kapital!
Chinas Negativliste, die ausländische Investoren für bestimmte Bereiche sperrt, wird weiter deutlich gekürzt, wie Regierungsvertreter mitteilten. „China hat eine klare Haltung dazu, die Globalisierung wegen der Gefahr durch Protektionismus zu fördern”, sagte Yuan Feng, Vorstand der Abteilung für Auslandsinvestitionen der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission. „Die jüngsten Anstrengungen, die Restriktionen für ausländische Investitionen in vielen Feldern zu lockern oder abzuschaffen, zeigen unseren entschlossenen Willen, den Öffnungsprozess weiter zu fördern.“ Cui Fan, Professor an der Universität für Außenwirtschaft und Handel in Beijing, sagte, dass er von den Sektoren erwarte, einen spezifischen Zeitplan vorzulegen, um Begrenzungen für Anteile ausländischer Investoren auslaufen zu lassen. Zudem könnten die Bereiche, für die bisher nur in Freihandelszonen die Begrenzungen aufgelöst wurden, das nächste Bündel für die nationale Ebene sein, um Chinas Öffnung weiter zu fördern. „Die Beseitigung von Barrieren für ausländische Investoren kommt zum richtigen Zeitpunkt – mehr ausländische Investitionen würden das Spielfeld verbessern und Chinas Anstrengungen für Reformen im Inland beschleunigen“, sagte Yu Yongding, Forscher an der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften. Er stellte dazu klar: „Unser eigenes Interesse daran, Reformen und Öffnung weiter zu fördern, hat wenig damit zu tun, zum Beispiel auf den [jüngsten handelspolitischen] Druck aus den USA [auf China] zu reagieren.“ Weiter sagte er, dass die weitere Öffnung Chinas dabei helfen werde, die regulatorischen Vorgänge zu verbessern, um einen gerechteren Markt zu schaffen und einen positiven Effekt auf die gesamte Wirtschaft zu haben, da dies ausländische Investitionen in hochwertige Industrien anziehen werde. Aber er warnte auch davor, dass China seinen Umgang mit dem Ausland besser handhaben müsse, um massive Kapitalabwanderung zu verhindern und Finanzrisiken zu kontrollieren. Zhu Guangyao, ehemaliger Vize-Finanzminister, sagte, dass eine solche Öffnung dabei helfen werde, das globale multilaterale Wirtschafts- und Handelssystem zu konsolidieren, besonders unter dem Dach der G20. Dies könne inklusives Wachstum, Innovation und grenzüberschreitende Infrastrukturinvestitionen fördern: „Chinas Öffnung macht es zu einem wichtigen Teilnehmer der G20“, sagte er auf einem Seminar der National Association of American Studies am Samstag. Vgl. CIIC Beijing.
Reinhold Schramm 17.07.2018
2. China muss noch die KI-Differenz zu den USA und EU überwinden!
China liegt derzeit global gesehen auf Platz sieben, wenn es um die Anzahl der Berufstätigen geht, welche in bahnbrechenden Industriezweigen der Künstlichen Intelligenz (KI) arbeiten. Mehr als 50.000 technische Facharbeiter für Künstliche Intelligenz arbeiten in China. Die Vereinigten Staaten übertreffen die anderen Länder mit 850.000 von 1,9 Millionen der globalen Facharbeiter bei weitem. „Die Kerntechnik der Künstlichen Mit den kombinierten Vorteilen steigender Kapitalinvestitionen und starker politischer Unterstützung durch die Regierung wird der Strom von Fachkräften aus Übersee auch wesentlich zum wachsenden Talentpool beitragen, sagten Brancheninsider. Bezüglich der Herausbildung von solchen Talenten an den Universitäten nahm Ma Shaoping Stellung, ein Professor für Computerwissenschaften an der Tsinghua Universität. Er sagte, der Schlüssel sei eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Bildungseinrichtungen und Unternehmen, um den Studenten ausreichend praktische Gelegenheiten zu bieten Vgl. Beijing Runschau, CIIC Beijing.Der LinkedIn Report fand heraus, dass in den Vereinigten Staaten einer von sechs Angestellten auf dem Gebiet vor 1970 geboren wurde, verglichen mit einem von 25 in China. Der Bericht fand auch heraus, dass mehr als 70 Prozent der Facharbeiter in den USA mindestens zehn Jahre an Arbeitserfahrung in der Industrie aufweisen können, während der Anteil in China bei 38 Prozent liegt. Es wird erwartet, dass China in den Ranglisten bald nach vorne kommen wird. Experten sagten, dies läge daran, dass es ein großes Potenzial und Möglichkeiten auf einem enormen Markt gäbe. Dies würde die Anzahl der Berufstätigen für Künstliche Intelligenz nach oben treiben. Abgesehen von den Vereinigten Staaten lassen sich die Länder, die vor China rangieren, in Bezug auf das Marktpotential nicht vergleichen, sagte Wang. In dieser Hinsicht könnte China sogar die Vereinigten Staaten übertrumpfen. „Die Internet-Technologie hat das tägliche Leben der Chinesen in den letzten Jahren verändert. Zum Beispiel hat die Geschwindigkeit der Entwicklung von Mobile Payment und E-Commerce in China die der USA übertroffen. Das kann auch mit der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz des Landes passieren“, sagte Wang. „Darüber hinaus haben immer mehr traditionelle Industriezweige in China einen großen Bedarf, sich mit Künstlicher Intelligenz und entsprechender Technologie aufzuwerten. Sie können direkt auf künstliche Intelligenz zurückgreifen, indem sie die Informatisierungsphase umgehen, von der die Industriezweige in den USA profitieren“, sagte er. Intelligenz hängt relativ eng mit der Computerwissenschaft zusammen. Hier hatten die Vereinigten Staaten in den vergangenen 20 Jahren einen absoluten Vorteil“, sagte Wang Di, der Vizepräsident von LinkedIn China.
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