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17. Juli 2017, 07:03 Uhr

Export

Chinas Wirtschaft wächst schneller als erwartet

Der Außenhandel legt deutlich zu, die Stahlindustrie boomt: In China ist die Wirtschaft im abgelaufenen Quartal etwas stärker gewachsen als erwartet. Die Erwartungen bleiben aber verhalten.

Das zweite Quartal des Jahres lief für die chinesische Wirtschaft besser als zunächst erwartet: Die zweitgrößte Volkswirtschaft legte um 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu und wuchs damit genauso schnell wie in den ersten drei Monaten des Jahres. Das teilte das Pekinger Statistikamt am Montag mit. Ökonomen hatten mit einer leichten Abkühlung auf 6,8 Prozent gerechnet.

"Die Daten sind besser, als die meisten Analysten vermutet haben", sagte der Pekinger Wirtschaftsprofessor Huang Weiping. Der zuletzt starke Außenhandel habe sich als Stütze erwiesen. Allein im Juni hatten die Exporte um 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugelegt, auch andere Konjunkturdaten zeigten nach oben.

Die Anlageinvestitionen legten dem Statistikamt zufolge im ersten Halbjahr um 8,6 Prozent zu, während die Einzelhandelsumsätze sich um 10,4 Prozent verbesserten. Im vergangenen Jahr war Chinas Wirtschaft nur um 6,7 Prozent gewachsen - so langsam wie seit 26 Jahren nicht mehr. Für dieses Jahr hatte die Regierung ein Ziel von "rund 6,5 Prozent" oder wenn möglich auch mehr vorgegeben.

"Zumindest momentan sehen alle Daten gut aus", sagte Huang Weiping. Langfristig seien aber durchaus Zweifel angebracht. "China hat noch immer keinen nachhaltigen Wachstumspfad eingeschlagen." Viele Stimulus-Maßnahmen des Staates hätten dazu beigetragen, dass sich die Wirtschaft zuletzt so robust entwickelt habe.

Andere Experten sahen nach wie vor die steigenden Schulden von chinesischen Unternehmen als größte Gefahr für die Wirtschaft. Staatsmedien zitierten am Wochenende Chinas Präsidenten Xi Jinping mit den Worten, dass der Abbau der Schulden in den Staatsunternehmen "hohe Priorität" habe. Auch müssten Behörden entschiedener gegen "Zombie-Firmen" vorgehen, die ausschließlich mit neuen Krediten künstlich am Leben gehalten werden. Obwohl erste Maßnahmen im Kampf gegen die Schulden zu erkennen seien, gehen Beobachter davon aus, dass Peking schmerzhafte aber notwendige Reformen weiter aufschieben wird.

Stahlindustrie mit Rekordproduktion

Vor allem Chinas Stahlindustrie boomt, im Juni hat die Branche so viel produziert wie noch nie. Das Statistikbüro gab die hergestellte Menge mit 73,2 Millionen Tonnen an und damit mehr als die 72,8 Millionen Tonnen vom April, der bisherige Monatsrekord. Im ersten Halbjahr stieg die Produktion auf 419,8 Millionen Tonnen und damit 4,6 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2016. Als treibende Kraft gilt die Aussicht auf kräftige Gewinne nach einer Erholung des Stahlpreises.

Experten machen beim weltgrößten Stahlhersteller eine massive Überproduktion aus. Chinas Staatsmedien berichteten Anfang Juli, es seien mehr als 600 Stahlwerke geschlossen worden, um dem entgegenzuwirken. Insbesondere die USA werfen der Volksrepublik jedoch vor, das Metall weiter zu Dumpingpreisen anzubieten. Europäische Firmen klagen ebenfalls über massenhafte Billigimporte aus China. Die EU hat Strafzölle verhängt.

nck/dpa/Reuters

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