Christine Lagarde Französische Justiz ermittelt gegen IWF-Chefin

Ärger für die IWF-Chefin: Gegen Christine Lagarde darf nun ermittelt werden. Ein französisches Gericht hat eine Untersuchung gefordert. Es geht um eine Affäre während ihrer Zeit als Finanzministerin - und 285 Millionen Euro. Ihr wird Amtsmissbrauch vorgeworfen.


Paris - Zweimal wurde die Entscheidung vertagt, jetzt ist sie gefallen: Der französische Gerichtshof der Republik hat Ermittlungen gegen die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, zugelassen. Das Gericht gab am Donnerstag einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft statt.

Nun soll Lagardes Rolle in einer Affäre um den Unternehmer Bernard Tapie untersucht werden. Die Vorgänge fallen in ihre Zeit als französische Finanzministerin. Sie soll damals ihr Amt missbraucht haben, so der Vorwurf.

Lagarde wird vorgehalten, zur Beilegung eines Rechtsstreits die Zahlung von 285 Millionen Euro an den Geschäftsmann Tapie für zulässig erklärt zu haben. Hintergrund ist folgender: Tapie hatte seine Anteile am deutschen Sportartikelhersteller Adidas an die französische Bank Crédit Lyonnais verkauft. Diese verkaufte sie kurze Zeit später für das Doppelte weiter. Lagarde befasste gegen den Rat von Experten ein privates Schiedsgericht mit dem Fall, das Tapie die Entschädigung von 285 Millionen Euro aus Staatsgeldern zusprach. Tapie erhielt allein 45 Millionen Euro Schmerzensgeld.

Lagarde hat die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen und sieht sich durch bevorstehende Ermittlungen der französischen Justiz nicht in ihrer Funktion beeinträchtigt. Die angekündigten Ermittlungen wegen mutmaßlichen Amtsmissbrauchs zu ihrer Zeit als französische Finanzministerin seien "keineswegs unvereinbar" mit Lagardes jetziger Funktion, erklärte ihr Anwalt Yves Repiquet. "Es wird nicht das erste Ermittlungsverfahren sein, das eingestellt wird." Vielmehr habe das vom Gerichtshof der Republik befürwortete Verfahren den Vorteil, dass es Lagarde endgültig von dem Verdacht reinwaschen werde, den "eine Handvoll Abgeordnete" gegen sie aufgebracht hätten, betonte der Rechtsanwalt.

Der Gerichtshof der Republik ist das einzige französische Gericht, das Mitglieder der Regierung für Straftaten belangen kann, die sie in ihrer Amtszeit begehen.

Lagarde, 55, ist erst seit gut einem Monat Chefin des IWF. Sie folgt auf Dominique Strauss-Kahn, der wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurücktreten musste.

kgp/AFP/Reuters/dpa

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