Handelsstreit IWF-Chefin warnt vor Gefahren für die Weltwirtschaft

Der Handelsstreit zwischen den USA und China schaukelt sich immer weiter hoch. IWF-Chefin Christine Lagarde sieht deshalb Gefahren für die globale Konjunktur. Es würden sich "dunkle Wolken" zusammenbrauen.

Christine Lagarde
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Christine Lagarde


Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), hat bei einer Veranstaltung in Hongkong mit drastischen Worten vor einem Konjunkturabschwung gewarnt. Es würden sich "dunkle Wolken" über der Weltwirtschaft zusammenbrauen, etwa durch den von US-Präsident Donald Trump befeuerten Handelsstreit. "Die Länder müssten die momentan guten Zeiten nutzen, um sich widerstandsfähiger gegen Krisen zu machen", sagte Lagarde.

Was das Wachstum in diesem und im nächsten Jahr angeht, bleibe sie zwar noch optimistisch. Die Dynamik werde dann aber voraussichtlich abnehmen, auch wegen absehbar steigender Zinsen in vielen Teilen der Welt.

Seine neuen Konjunkturprognosen will der Fonds kommende Woche vorlegen im Rahmen seiner Frühjahrstagung, zu der Jahr für Jahr die wichtigsten Finanzpolitiker aus aller Welt nach Washington kommen. Im Januar hatte der IWF einen Zuwachs der Weltwirtschaftsleistung in diesem und im nächsten Jahr von jeweils 3,9 Prozent vorausgesagt.

Als vordringlichste Aufgabe sieht Lagarde, die aktuellen Protektionismustendenzen zurückzudrängen. Nach neuen Zolldrohungen Trumps hatte sich zuletzt der Handelsstreit der USA mit wichtigen Partnern wie der EU und insbesondere China deutlich verschärft. Lagarde warnte, dass das Welthandelssystem mit seinen Regeln und Verpflichtungen zerrissen werden könnte. Handelshemmnisse nützten niemandem und schadeten vor allem den Armen.

Ursache für Handelsungleichgewichte seien weniger unfaire Handelspraktiken, sondern unterschiedliche Ansätze in der Finanz- und Wirtschaftspolitik der Staaten, sagte die IWF-Chefin. Den USA empfahl sie, die öffentlichen Ausgaben besser unter Kontrolle zu bringen und die Staatseinnahmen zu erhöhen. Zugleich riet sie Deutschland, mit mehr Investitionen das Wachstumspotenzial dauerhaft zu verbessern.

hej/Reuters



insgesamt 6 Beiträge
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ph.latundan 11.04.2018
1.
die handelsbilanzueberschuesse sind das wirkliche problem.
stadtmusikant123 11.04.2018
2. so so
Madam schwurbelt Drumherum. Sie ist offenbar die einzige, die exzessive Handelsungleichgewichte für harmlos hält, ihre Einstellung zur Problematik könnte allerdings auch an ihren französischen Wurzeln liegen.
alfredo24 11.04.2018
3. Die Realität sieht anders aus.
Den Worten von Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), muss ich in vielerlei Hinsicht widersprechen. Fangen wir doch schon damit an, ein grundsätzliches Wachstum als wirtschaftliche Voraussetzung für selbstverständlich anzusehen. Da die Automatisierung immer weniger Arbeitsplätze benötigt, würde schon ein Null-Wachstum ausreichen, um mehr Menschen mit mehr Produkte zu versorgen. Denn wenn jemand einmal ein Auto gekauft hat, braucht er im nächsten Monat nicht wieder ein neues Auto, auch wenn bei vielen Produkten sogenannte Sollbruchstellen eingebaut werden, um das Produkt vorzeitig ersetzen zu müssen. Dann zum Thema Zölle/Freihandel: Wenn in jedem Land die gleichen Lebensbedingungen vorhanden wären, könnte man einen Freihandel betreiben. Doch in jedem Land sind die Lebensbedingungen total anders. So beispielsweise, die Kosten für Miete, Lebensmittel, Dienstleistungen (Taxi, Friseur, Pflege im Alter, etc.), Steuern, Krankenversicherung, Medikamente uvm. Auch Umweltschutzauflagen, Arbeitsplatzsicherheit, Arbeitsbedingungen, etc., alles ist anders. Wenn somit in jedem Land die gleichen Bedingungen wären, wäre ein absoluter Freihandel sinnvoll. Die ganze Welt sollte nur eine Währung haben. Da es unterschiedliche Währungen gibt, so ist auch die Währungsrelation ein immer wieder genutztes Mittel Gleichheit oder eher Ungleichheit zu schaffen. Und wenn man sich dann die Aktionen von Donald Trump gegen China ansieht: Trump ist der einzige Politiker, der sich gegen China wehrt. Leider traut sich die EU dies nicht zu. Und Trump hat m. E. auch schon einen kleinen Erfolg zu verzeichnen. China hat nun auch schon erkannt, dass die Zölle von Autos von USA nach China viermal so hoch sind, wie die bisherigen Zölle von China in die USA. Und: China hat erkannt, dass dies offenbar nicht ganz fair ist.
joG 11.04.2018
4. @alfredo24
Es ist gerade der Unterschied der Produktionsfaktoren in den unterschiedlichen Ländern, der bedeutet, dass der Satz Komparative Kostenvorteile führten dazu, dass freier Handel effizient zu einem höheren Wohlfahrtsoptimum führt. In der 1950er waren die Lebensumstände in bspw Deutschland und den USA sehr unterschiedlich. Gerade der historisch recht freie Handel amerikanischer Gestaltung erlaubte es Deutschland Wohlstand zu erreichen.
eugler 11.04.2018
5. schöne Ablenkung
Der Handelskrieg wird sicher Trumps Fallstrick und die anschließende Krise ihm zugerechnet. Fakt ist jedoch, das die relevanten Staaten derart viel Geld gedruckt haben, um bloß nicht die Probleme aus 2008 lösen zu müssen, dass nun alle um ein vielfaches höher verschuldet sind und nun nicht einmal mehr die Zentralbanken eine Rettung stemmen könnte. Also - Trump wird zum Täter gekührt, der Bürger bürgt und die Vermögen werden noch stärker bei den „echten Tätern“ gebündelt. Durchwurschteln der Extraklasse
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