Chronik: Wie Griechenland in die Krise rutschte
Die Euro-Krise steht kurz vor einem neuen Höhepunkt: Am Sonntag wählen die Griechen ein neues Parlament - gewinnen die Linken, droht ein Zerwürfnis mit den Geldgebern. Doch wie konnte es so weit kommen? Chronologie eines Desasters.
Hamburg - Die Euro-Retter rüsten sich für den Ernstfall: Bei der Wahl in Griechenland steht am Sonntag die Einheit der Euro-Zone auf dem Spiel. Sollte das Linksbündnis um den 37-jährigen Alexis Tsipras gewinnen, droht ein massiver Konflikt mit den Partnern der Währungsgemeinschaft. Denn Tsipras verspricht den Wählern, die Sparvereinbarungen aufzukündigen.
Das wiederum würde zu einem Stopp der internationalen Hilfskredite führen, warnt Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Er bezeichnete eine Lockerung der Auflagen in der spanischen Zeitung "El País" als "nicht möglich". Ein Ausstieg aus der Euro-Zone sei daher nicht ausgeschlossen. Der Grund: Wenn die Geldgeber ihre Hilfszahlungen einstellen, wäre Griechenland praktisch sofort bankrott. Um wieder zahlungsfähig zu sein, könnte das Land sich gezwungen sehen, den Euro aufzugeben - und die Drachme wieder einzuführen.
Das hätte dramatische Folgen. Angesichts einer zwangsläufig folgenden Abwertung der neuen Währung dürfte es zu Chaos bei Konsumenten und Unternehmen kommen. Inflation und Arbeitslosigkeit würden massiv steigen, es drohen soziale Unruhen.
Mehr Arbeitslose als Erwerbstätige
Mittlerweile steckt Griechenland im fünften Jahr in Folge in der Rezession, die Wirtschaftsleistung schrumpfte seit 2008 um ein Viertel. Die Zahl der Griechen ohne Job stieg so stark, dass es heute mehr Arbeitslose als Erwerbstätige gibt.
Wie konnte es dazu kommen? Klar ist, dass sich die politische Elite mit Tricks und Manipulationen der Statistik die Aufnahme in die Euro-Zone erschlichen hat. Das Ziel: Die Regierung in Athen wollte von den niedrigen Zinsen profitieren, die Anleger Euro-Ländern für neue Schulden gewährten. Im Gegenzug verlor das Land aber die Möglichkeit, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, indem es die eigene Währung abwertete. Wie sehr das Land seit 2001 über seine Verhältnisse gelebt hat, wurde der Öffentlichkeit erst im Herbst 2009 offenbart. Damals musste die Regierung ein Defizit von 12,5 Prozent eingestehen - im Haushalt fehlte doppelt so viel Geld wie bis dahin angenommen.
Seitdem steckt das Land in der Dauerkrise. Hilfspakete, Schuldenschnitt und Regierungswechsel haben bislang nur das totale Desaster verhindern können. Ein Überblick der wichtigsten Ereignisse zeigt, wie Griechenland von einer Katastrophe in die nächste schlitterte - klicken Sie auf die Grafik:
Mit Material von AFP und dpa
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