Erzbischof Chrysostomos: Zyprisches Kirchenoberhaupt fordert Euro-Austritt
Die Orthodoxe Kirche in Zypern steckt mittendrin in der Bankenkrise. Nun empfiehlt das Oberhaupt, Erzbischof Chrysostomos, seinem Land einen Austritt aus der Euro-Zone. Die Begründung: Mit "diesen Genies in Brüssel" werde die Währungsunion ohnehin auseinanderfliegen.
Athen - Das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche in Zypern hat sich für einen Ausstieg des Landes aus der Euro-Zone ausgesprochen. "Es ist nicht einfach, aber wir müssen darauf so viel Zeit verwenden wie auf den Beitritt zum Euro", sagte Erzbischof Chrysostomos II. der griechischen Zeitung "Realnews".
Die Begründung des Kirchenmanns ist simpel: Die Währungsunion werde ohnehin bald auseinanderfallen. Er sage ja nicht, dass der Euro morgen zusammenbreche, zitiert die Zeitung den Bischof. "Aber mit diesen Genies in Brüssel ist sicher, dass er nicht lange halten wird."
Zypern kämpft derzeit gegen den drohenden Staatsbankrott. Die Euro-Staaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) fordern von dem Inselstaat eine Eigenbeteiligung als Voraussetzung für einen Hilfskredit über zehn Milliarden Euro.
Es sei in der aktuellen Lage geboten, darüber nachzudenken, wie Zypern einem Zusammenbruch des Euro entkommen könne, sagte Chrysostomos.
Die Kirche hat in der Krise durchaus eigene Interessen. Ihr gehört rund ein Viertel der Aktien der Hellenic Bank. Die drittgrößte Bank des Landes ist das einzige der großen Institute, das nach aktuellem Stand der Verhandlungen von Zwangsabgaben und Abwicklung verschont bleiben soll. Es steht allerdings auch besser da als die Konkurrenten Bank of Cyprus und Laiki.
Die zyprische Kirche ist größter Grundbesitzer des Landes und einer der wichtigsten Akteure in der Wirtschaft. Sie hatte deshalb angeboten, ihr Vermögen in einen nationalen Solidaritätsfonds einzubringen, wo es als Pfand für die Ausgabe von Notanleihen dienen soll. Am Freitagabend hatte das Parlament in Nikosia ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, das dies möglich machen soll.
stk/AFP
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