CO2-Ausstoß Deutsche Forscher fordern Steuer auf Kohlendioxid

Wie lassen sich Klimaschutz und Ökonomie vereinbaren? Zwei renommierte Forscher sprechen sich im SPIEGEL für eine Steuer auf CO2 aus, mit der sich das Einsparen des Klimagases für Industrie und Verbraucher rechnet.

Kohlekraftwerk in Hessen
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Kohlekraftwerk in Hessen

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Wenn am Montag die Uno-Weltklimakonferenz beginnt, reist Bundesumweltministerin Svenja Schulze mit leeren Händen ins polnische Katowice. Nicht nur, dass Deutschland seine selbst gesetzten Ziele bei der Einsparung von Treibhausgasen verfehlt. Auch kann die Ministerin nicht, wie ursprünglich geplant, das Ergebnis der Kommission präsentieren, die den Ausstieg aus der Kohle vorbereiten soll. Denn die hat sich wegen eines offenen Streits auf nächstes Jahr vertagt. So wird der Bundesregierung vermutlich nichts anderes übrig bleiben, als den Klimaschutz in ferner Zukunft zu versprechen.

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Heft 49/2018
Der Plan gegen die Klimakatastrophe

Damit dieses für den einstigen Klimavorreiter peinliche Spiel nicht ewig weitergeht, haben sich nun der Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, und der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer, zusammengeschlossen. Sie sprechen sich im SPIEGEL für die Einführung einer CO2-Steuer aus. (Lesen Sie hier das vollständige Interview bei SPIEGEL+.)

In einem gemeinsamen Papier fordern sie die Bundesregierung auf, eine Initiative für einen schrittweise steigenden CO2-Mindestpreis im europäischen Stromhandel zu starten und zugleich die Steuern auf fossile Energieträger wie Benzin, Diesel oder Heizöl anzuheben. Im Gegenzug soll die Stromsteuer "auf ein Minimum" gesenkt werden.

Mit dem Plan sollen die Ziele des Pariser Abkommens zum Kampf gegen die Erderwärmung "mit dem kosteneffektivsten Instrument zum Klimaschutz" erreicht werden, heißt es in ihrem dreiseitigen Papier mit dem Titel "Eckpunkte einer CO2-Preisreform", das dem SPIEGEL vorliegt.

Im Einzelnen sieht der Plan der beiden Professoren vor, den CO2-Preis im Jahr 2020 bei 20 Euro je Tonne festzuschreiben. Danach soll er stufenweise auf 35 Euro im Jahr 2030 steigen. Die Steuer auf Benzin soll im Jahr 2020 um 4,7 Cent je Liter und die Steuer auf Diesel um 5,3 Cent je Liter steigen. Zugleich würde durch die Senkung der Stromsteuer ein Drei-Personen-Haushalt um mehr als 90 Euro pro Jahr entlastet, zeigen Berechnungen des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung, das Schmidt leitet.

"Wir setzen auf die Erfindungsgabe des Einzelnen statt auf planwirtschaftliche Vorgaben", sagt Schmidt im SPIEGEL. "Es muss künftig deutlich teurer werden, Treibhausgase auszustoßen." Gleichzeitig müssten die Bürger aber an anderer Stelle entlastet werden.

Edenhofer forderte die Bundesregierung auf, den geplanten Ausstieg aus der Braunkohle durch einen CO2-Mindestpreis zu ergänzen. "Sonst würde es sich rechnen, bislang nicht ausgelastete Steinkohlekraftwerke hochzufahren", sagte Edenhofer. Mittelfristig werde der Kohleausstieg nur mit einem Mindestpreis funktionieren.

Beide Professoren sehen gute Chancen, ein solches Konzept in einem Verbund europäischer Staaten durchzusetzen. "Es gibt derzeit viele Länder, die für einen CO2-Mindestpreis eintreten", sagte Edenhofer. Sein Kollege Schmidt verwies in diesem Zusammenhang auf eine entsprechende Initiative des französischen Präsidenten Emmanuel Macron: "Klimaschutz ist das richtige Thema für die deutsch-französische Zusammenarbeit."

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insgesamt 44 Beiträge
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charly05061945 30.11.2018
1. Noch mehr Steuern?
Die von Verbrauchern in Anspruch genommenen Energieträger werden bereits (teilweise mehr als üppig) besteuert. Was wollen die Experten denn jetzt noch - vielleicht die berühmte Atemluftsteuer da der Mensch ja auch über die Atemluft CO2 in erheblichem Maße ausstösst?
p-touch 30.11.2018
2. Eine Co2-Steuer
kommt bestimmt. Mit denn üblichen Ausnahmen und Abschlägen für die Industrie, bezahlen darf mal wieder der kleine Mann. Ich glaube es wird Zeit mir eine gelbe Warnweste zu kaufen.....
Peter Schmidt -fsb 30.11.2018
3. C02-Steuer, C02-Zertifikate
Wichtig ist, dass die Steuer nicht wieder ein Rohkrepierer wird, wie schon die Ausgabe der CO2-Zertifikate, die von der Industrie solange geschleift wurde, bis zu einem profitablem Geschäft für die größten CO2 Verursacher wurde. Es reicht nicht gute Ideen zu haben man muss auch bei der Umsetzung darauf achten, dass die Idee noch ihren Sinn behält.
TheBear 30.11.2018
4. Ausgleich
Zitat von charly05061945Die von Verbrauchern in Anspruch genommenen Energieträger werden bereits (teilweise mehr als üppig) besteuert. Was wollen die Experten denn jetzt noch - vielleicht die berühmte Atemluftsteuer da der Mensch ja auch über die Atemluft CO2 in erheblichem Maße ausstösst?
Ja, noch mehr Steuern auf CO2, wer noch nicht begriffen hat, dass das das einzig sinnvolle ist ... ABER, und das hat Macron schon mal nicht begriffen, aber vielleicht unsere Regierung: Es muss ein Ausgleich her, indem andere Steuern so gesekt werden, dass die Gesamtbelastung in etwa gleich bleibt. Bei diesem Ausgleich wird sich dann zeigen, wie sozial die Regierung ist, denn der Ausgleich sollte dem "normalen" Teil der Bevölkerung zu gute kommen, und nicht unbedingt den Milliardären. Dann muss auch langsam klar werden, dass CO2-Steuern auch das Flugbezin usw. treffen muss, und nicht allein die Autofahrer und Oelheizungsbetreiber.
bwk 30.11.2018
5. Steuern auf CO2
Wozu haben diese beiden "Forscher" studiert. Um neue Steuern vorzuschlagen braucht man kein Forscher zu sein. Jetzt schon sieht Merkels Energiewende wie folgt aus: der Strompreis in D ist fast doppelt so hoch wie im europäischen Durchschnitt, der Ausstoß von sog. klimaschädlichen Gasen ist nicht zurückgegangen und die Subventionskassierer die sich Photovoltaik- oder Windkraftanlagen auf Kosten der Allgemeinheit "angeschafft" haben sind die Gewinner dieser Energiewende. Oder war das alles so geplant?
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