Klimaabgabe IWF-Chefin plädiert für CO2-Steuer

Die Finanzkrise hat viele Staatskassen geleert, deshalb ist laut IWF-Chefin Lagarde jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Steuer auf CO2-Emissionen. Besser als das europäische Zertifikate-Modell sei aber eine Kohlesteuer.

Braunkohlekraftwerk Weisweiler (in NRW): CO 2 -Steuer für die Haushaltssanierung
AFP

Braunkohlekraftwerk Weisweiler (in NRW): CO2-Steuer für die Haushaltssanierung


Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat die Einführung einer CO2-Emissionssteuer gefordert. Es sei "der richtige Moment" für die Besteuerung der Klimagase, sagte Lagarde bei der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Lima. Neben dem Umweltaspekt habe eine solche Steuer den positiven Effekt, dass sie insbesondere den Staaten, deren Haushaltslage durch die Finanzkrise angespannt sei, frisches Geld in die Kassen spülen könne.

"Finanzminister suchen nach Einnahmen. Das ist das Los von Finanzministern", sagte Lagarde. "Vor allen Dingen im Moment ist dies der Fall, weil viele bereits viel von ihren finanziellen Rücklagen aufgebraucht haben." Sie benötigten aber immer einen gewissen Puffer, um auch die nächste Finanzkrise zu bewältigen. In einer solchen Lage könne eine CO2-Steuer neue Einnahmequellen schaffen.

Einer CO2-Steuer sei der Vorzug vor dem Emissionszertifikate-Handel zu geben, wie er in Europa bereits etabliert sei, sagte Lagarde weiter. Der Handel mit diesen Zertifikaten erlaubt es Unternehmen mit geringem Ausstoß von Klimagasen, ihr Verschmutzungsrechte zu verkaufen. "Ich glaube, dass eine Kohlesteuer um einiges besser wäre", sagte Lagarde. Die möglichen Einnahmen aus einer solchen Steuer würden es Industrieländern zudem erleichtern, ihre Finanzzusagen für ärmere Staaten einzuhalten, sagte die IWF-Chefin.

Die Industriestaaten haben grundsätzlich zugesagt, einen Klimafonds mit einem jährlichen Volumen von 100 Milliarden Dollar (rund 89 Milliarden Euro) vom Jahr 2020 an einzurichten. Das Geld soll Entwicklungsländern für die Bewältigung der Lasten für Klimaschutz und Klimaanpassung zur Verfügung stehen. Am 30. November beginnt der Uno-Klimagipfel in Paris, er dauert bis zum 11. Dezember.

nck/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zerr-spiegel 08.10.2015
1. Jeder Euro ist nur einmal vorhanden ...
... und kann folglich nur einmal ausgegeben werden. Die Wirtschaft wird dann erst recht abstürzen. Da nutzt es nichts, wenn der Staat im Geld schwimmt.
Donald Knapp 08.10.2015
2. Cool endlich sagst mal jemand......
...die ganze CO2 Debatte ist die Lizenz zum Geld einsammeln. Der Grüne zahlts gern.
jj2005 08.10.2015
3. Lagarde hat recht
Selbstverständlich ist eine kräftige Steuer auf den Kohlegehalt von Energieträgern (Steinkohle, Braunkohle, Rohöl, ...) ökonomisch (und ökologisch) sinnvoll. Was Lagarde nicht laut sagen darf: Sie drückt auch den Weltmarktpreis für Rohöl, was ISIS und den Saudis garnicht gefallen wird. Ausserdem trifft sie Reiche mehr als Arme, vor allem, wenn die Einnahmen zu Pro-Kopf-Entlastungen verwendet werden. Zudem kann eine CO2-Steuer im Gegensatz zu Einkommensteuern praktisch nicht vermieden werden - schon mal steuerfrei getankt in letzter Zeit? Aber gerade diese Unmöglichkeit der legalen oder illegalen Steuerhinterziehung wird den Reichen dermassen aufstossen, dass sie alle Register ziehen werden, um Lagardes Vorstoss zu blockieren.
founder 08.10.2015
4. Eine Investitionslawine lostreten
Professionelle Investoren behaupten, dass sie auf über 1000 Milliarden US$ fest sitzen, wo es keine Möglichkeit gibt sinnvoll zu investieren. Auf der anderen Seite würden wir ungefähr 200 Akkufabriken brauchen, wie Elon Musk jetzt eine baut, die entsprechende Menge an Photovoltaikfabriken und der vorgelagerte Rohstoffindustrie. Warum ändern wir nicht das Kostenoptimum des Systems, dass sich solche Investitionen wesentlich schneller lohnen, damit wir einen Wirtschaftsboom haben. in dem diese professioellen Investoren ihr ganzes festliegendes Geld, über 1000 Milliarden US$ in die Wirtschaft hinein stecken, sie wieder Gewinne erwirtschaften können und das Ganze auch bei dem kleinen Mann ankommt. Das war meine Pulbikumsfrage bei "Wirtschaft der Zukunft" mit Elon Musk am 24. September in Berlin (http://paradigma.pege.org/2015/elon-musk.htm) So würde in Deutschland so eine Verschiebung des Kostenoptimums aussehen, um eine Investitionslawine loszutreten: 180 EUR weniger Arbeitgeberbeitrag Sozialversicherung pro Monat - Arbeit wird leistbarer 180 EUR weniger Arbeitnehmerbeitrag Sozialversicherung - mehr Netto, mehr Kaufkraft Gegenfinanzierung, Motivation für Zukunftsinvestitionen 200 EUR pro Tonne CO2
kayakclc 08.10.2015
5. Die Staatskasse ist immer leer
Egal welche Lebenslage, egal wie hoch das Steueraufkommen ist, die Staatskasse ist immer leer, weil die Politik immer gerne mehr ausgibt als sie einnimmt. Wir haben in Europa schon eine CO2 Steuer, in Deutschland heißt die Mineralöl und Ökosteuer. Insgesamt macht die Steuern (!) schon jetzt 70% des Benzinpreises aus. Nennen wir einfach die Mineralölsteuer in CO2 Steuer um, weil pro Liter unabhängig von Verbrenner immer die gleiche feste Menge CO2 erzeugt wird, also keine Politiker irgendeine absurde Berechnungsformel sich ausdenken muss.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.