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Alte Währung: Deutsche horten noch 12,9 Milliarden D-Mark

Münze mit sentimentalem Wert: 55 Prozent bis heute nicht umgetauscht Zur Großansicht
DPA

Münze mit sentimentalem Wert: 55 Prozent bis heute nicht umgetauscht

Viel Geld, für das sich keiner etwas kaufen kann: Die Deutschen tun sich schwer, endgültig Abschied von der D-Mark zu nehmen. Laut Bundesbank horten sie noch Milliarden Münzen und Banknoten - aus Nostalgie, wie eine Umfrage zeigt.

Frankfurt am Main - Seit knapp 13 Jahren hat die D-Mark als gesetzliches Zahlungsmittel ausgedient - dennoch horten die Deutschen noch immer Scheine und Münzen im Wert von mehreren Milliarden Euro. Nach Zahlen der Deutschen Bundesbank waren Ende November 2014 noch rund 169 Millionen D-Mark-Scheine und gut 24 Milliarden D-Mark-Münzen im Umlauf. Die Bundesbank betont jedoch: "Die Zahlen zeigen, dass eine große Menge an D-Mark bereits zurückgeflossen ist."

Allerdings hat das nach wie vor nicht zurückgegebene Bargeld einen durchaus beachtlichen Gesamtwert von 12,9 Milliarden D-Mark (davon 6,1 Milliarden DM in Banknoten) oder umgerechnet 6,6 Milliarden Euro. Damit hortet rein rechnerisch jeder der fast 81 Millionen Menschen in Deutschland alte Scheine und Münzen im Wert von 160 D-Mark.

Vor allem von den Münzen wollen sich die Menschen nicht trennen: Bezogen auf den Wert des D-Mark-Bargelds zur Euro-Bargeldumstellung Ende 2001 befanden sich im November 2013 zwar nur noch rund vier Prozent der Banknoten im Umlauf - dagegen wurden 55 Prozent der Münzen bis heute nicht umgetauscht.

Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank möchten sich die meisten Menschen aus sentimentalen Gründen nicht von den alten Münzen und Banknoten trennen:

  • 74 Prozent der Befragten halten das ausgediente Bargeld demnach als Erinnerungsstück in Ehre,
  • 24 Prozent sammeln es als Wertanlage.
  • Und 22 Prozent der Deutschen haben schlicht vergessen, die alte Währung umzutauschen.

Größere Mengen Bargeld im Ausland verschollen

Die Deutsche Bundesbank kann das nicht definitiv bestätigen: "Wir können nur Vermutungen anstellen. Sicherlich spielt auch das Sammlermotiv oder das schlichte Vergessen beziehungsweise der Verlust des deponierten D-Mark-Bargeldes eine große Rolle."

Denn immer wieder tauchen DM-Banknoten per Zufall auf, wie die Bundesbank berichtet. So konnten Erben ihr Glück kaum fassen, als sie im Kohlenkeller der geerbten Immobilie auf D-Mark-Bargeld stießen. Ebenfalls lange Zeit gut versteckt waren die Scheine, die bei einer Sanierung des Badezimmers auftauchten, als die Badewanne entfernt wurde.

Für Sammlerleidenschaft oder Nostalgie spricht, dass bei den Banknoten insbesondere die kleinen Stückelungen noch im Umlauf sind: Gut 17 Prozent der Zehn-Mark-Scheine und mehr als die Hälfte der Fünfer (51 Prozent). Und für Münzen gilt: Gerade jene mit einem Nennwert von zehn Pfennig und darunter würden wahrscheinlich wegen ihres geringen Wertes nicht umgetauscht oder seien unwiederbringlich verloren gegangen. Zudem vermutet die Notenbank Gedenkmünzen in Sammlerhänden.

Größere Mengen Bares dürften nach Schätzung der Bundesbank aber auch im Ausland verschollen sein. Vor allem im damaligen Jugoslawien sowie seinen Nachfolgestaaten und in anderen Teilen Osteuropas sei die deutsche Währung zum Teil als Zweitwährung verwendet worden. Zudem sei die D-Mark weltweit als Transaktions- und Wertaufbewahrungsmittel genutzt worden.

Kostenloser Umtausch bei der Bundesbank garantiert

Die Bundesbank wechselt das alte Geld weiterhin und unbefristet kostenlos in Euro - entweder direkt in einer ihrer Filialen oder - in Ausnahmefällen - postalisch über die Filiale Mainz. Der Versand geschieht allerdings auf Risiko des Kunden.

Von Januar bis November 2014 wurde vom Umtausch-Angebot gut 188.000-mal Gebrauch gemacht - 818-mal pro Geschäftstag. Dabei wurden Scheine und Münzen im Wert von 101,9 Millionen D-Mark (52,1 Millionen Euro) aus dem Verkehr gezogen - pro Geschäft gingen bei der Bundesbank im Schnitt etwa 542 D-Mark ein.

oka/dpa

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insgesamt 226 Beiträge
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1. Glaub ich nicht
Untertainer 25.12.2014
Ich glaube nicht, dass diese "Analyse" annähernd richtig ist. Warum sollte man D-Mark aus Nostalgiegründen horten? Viel Kleingeld lagert zum Beispiel noch in anderen Ländern (wo es Urlauber hinterlassen haben), bis deren Sammler Gelegenheit haben, es umzutauschen. Ich finde auch gelegentlich noch Münzen in Jackentaschen etc. Es lohnt sich aber nicht, für ein paar Cent die Bundesbank aufzusuchen. Wenn mal wieder irgendwo ein D-Mark(t) ist, tausche ich das um. Würden die Sparkassen und Volksbanken tauschen, ginge das sicherlich schneller.
2.
bill_dauterive 25.12.2014
Ist ja schon alleine psychologisch wichtig, ein paar D-Mark, Dollar und Franken-noten zu Hause rumliegen zu haben. Um sich immer wieder mal vor Augen zu führen, wie sich echtes Geld anfühlt. Euros sind einfach schäbig, hässlich, "billig". Schrottwährung halt. Sogar bulgarische Lewa fühlen sich wertiger an.
3. Herr Schäuble, übernehmen Sie !
Knackeule 25.12.2014
So so, die Deutschen horten also immer noch ca. 13 Milliarden D-Mark ! Und das bisher steuerfrei ! Das geht natürlich nicht so weiter. Das sind ja auch Vermögenswerte. Hier muß der Staat doch wohl seinen Anteil bekommen, z.B. durch Einführung einer neuen "Nostalgie"-Steuer. Herr Schäuble, übernehmen Sie !
4. Hartgeld
pimpflegionaer 25.12.2014
Ich horte lediglich ein paar hundert Mark als Erinnerung an ehrlichere Zeiten.
5. Das horten ist voll verständlich, denn der EURO
na,na,na 25.12.2014
ist doch nur ein TEURO und taugt überhaupt nichts, eine fiktive Währung ohne Rückhalt, nur von der EZB in Massen je nach Bedarf gedruckt und in den Markt geworfen, nicht mal das Papier wert auf dem er gedruckt ist. Es hoffen sehr sehr viele Bürger, dass die stabile D-Mark wieder kommt.
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