DAK-Auswertung Neuer Hochstand bei Krankschreibungen

Im ersten Halbjahr 2016 waren in Deutschland so viele Menschen krankgemeldet wie selten zuvor, meldet die DAK. Die tatsächliche Zahl der Fehltage dürfte aber noch höher liegen als offiziell erfasst.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
DPA

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung


Die Zahl der Krankschreibungen in Deutschland hat nach Angaben der Krankenkasse DAK Gesundheit im ersten Halbjahr 2016 einen neuen Hochstand erreicht.

In diesem Zeitraum betrug der Krankenstand demnach 4,4 Prozent. Er lag damit um 0,3 Prozentpunkte höher als im ersten Halbjahr 2015. Die DAK spricht von einem neuen Rekordstand. Nach offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes war zuletzt Mitte der Neunzigerjahre ein so großer Anteil der Arbeitnehmer krankgeschrieben.

Mehr als jeder dritte Berufstätige (37 Prozent) wurde demnach mindestens einmal krankgeschrieben. Im Schnitt dauerte eine Erkrankung 12,3 Tage. Im Vorjahreszeitraum waren es 11,7 Tage, so die Analyse, für die die DAK die Daten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten hat auswerten lassen.

In den östlichen Bundesländern waren Berufstätige mit einem Krankenstand von 5,5 Prozent länger und häufiger krankgeschrieben als im Vorjahreszeitraum - und auch im Vergleich zu den westlichen Bundesländern war der Krankenstand höher. Hier betrug er in den ersten sechs Monaten des Jahres 4,2 Prozent.

Das wirkte sich nach Angaben der DAK auf die Anzahl der Fehltage aus: Im Osten seien 32 Prozent mehr Ausfalltage dokumentiert worden als im Westen. Auf 100 Versicherte kamen demnach im Osten 1000 Fehltage, im Westen 758 Fehltage.

Mehr Rückenschmerzen und psychische Leiden dokumentiert

Die Daten der gesetzlichen Krankenkassen berücksichtigen in der Regel nur die Fehlzeiten, die auch in Form von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen bei den Kassen gemeldet werden. Da diese Krankschreibungen erst ab einer Fehldauer von drei Tagen abgegeben werden müssen, dürfte die tatsächliche Zahl der Fehltage noch höher liegen.

Der vergleichsweise hohe Krankenstand geht vor allem auf den Anstieg bei den Fehltagen aufgrund von psychischen Leiden und Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen zurück. Bei diesen Diagnosen stieg die Zahl der Fehltage den Angaben zufolge um jeweils 13 Prozent.

Generell kann ein hoher Krankenstand aber auch ein Zeichen für eine gute Konjunktur sein. Historisch betrachtet sinkt in wirtschaftlich schwachen Phasen, in denen viele Menschen Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes haben, die Zahl der Krankmeldungen.

In Deutschland ist die Angst vor Arbeitslosigkeit derzeit eher gering. Die Zahl der Erwerbslosen liegt mit gut 2,6 Millionen in der Nähe des historischen Tiefststands.

stk/dpa



insgesamt 89 Beiträge
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unixv 03.08.2016
1. viele haben keinen Bock mehr!
viel zu wenig Geld, für viel zu viel Stress! Wenn man dann am ende des Monats sieht, das man kaum noch Geld übrig hat, dafür aber knüppelt bis zum erbrechen, was soll man machen? Einer Malocht für die Miete, der andere für das Überleben, was für ein tolles Leben!
Prinzen Paule 03.08.2016
2. Leistungsgesellschaft...
Es wundert mich nicht das es immer mehr Krankstände gibt. Im Zeichen unserer Leistungsgesellschaft arbeiten wir alle bis an unsere Grenzen. Um unsere Ausgaben weiter erhalten zu können muss die Gesellschaft immer mehr leisten und das geht auf die Gesundheit. Eine größere Steigerung der Wirtschaft beinhaltet damit auch immer mehr Krankheitsfälle. Daher sollte man sich ernsthaft die Frage stellen die Ausgaben zu reduzieren und die Leistung zu senken. Wenn natürlich eine Bundeskanzlerin sagt wir schaffen das dann müssen wir das leisten und nicht sie!
lupenreinerdemokrat 03.08.2016
3.
"In Deutschland ist die Angst vor Arbeitslosigkeit derzeit eher gering. Die Zahl der Erwerbslosen liegt mit gut 2,6 Millionen in der Nähe des historischen Tiefststands." Wenn man keine Angst vor Mindestlohn-Jobs hat und diese in die eh schon gefälschte Erwerbslosenstatistik miteinbezieht, ist in Deutschland in der Tat alles bestens und wir haben eine "gute Konjunktur" ;-) Der Anstieg der Krankheitstage hat jedenfalls andere Gründe, als fehlende Angst vor Arbeitslosigkeit.
Ezechiel 03.08.2016
4. Kein Wunder.
Auf dem Rücken der deutschen Arbeitnehmer lastet das Wohl der gesamten EU. Die Deutschen haben verlernt es langsam angehen zu lassen wenn es anfängt weh zu tun. Sie geben Vollgas bis gar nichts mehr geht. Da können wir uns bei unseren Nachbarn (EU-Nettoempfänger) etwas abschauen.
wschomb 03.08.2016
5. Na ja,
im Osten und in guten Zeiten kann man sich ja mal auf der sozialen Haengematte ausruhen. "Ich bin zur Zeit so gestressed, Doc" (psycho Schiene) "Mein Ruecken bringt mich um" (somatische Schiene). Ich arbeite als selbststaendiger Arzt und haeufig war der Patient gesuender als ich, der sich mit kleineren & groesseren "Wehwehchen" zur Arbeit geschleppt hat. Langfristige Gesundheitsschaeden habe ich davon nicht davongetragen.
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