Handel mit Daten Empörung über Einnahme-Idee der Kommunen

"Das Öl des 21. Jahrhunderts": Die Kommunen sollten ihre Datensätze künftig verkaufen, fordert der deutsche Städte- und Gemeindebund. Kritiker sind entsetzt.

DPA


"Die Städte und Gemeinden müssen sich noch mehr klarmachen, dass Daten das Öl des 21. Jahrhunderts sind und sich damit wichtige Einnahmen erzielen lassen", so hat es Gerd Landsberg formuliert, Chef des Deutschen Städte- und Gemeindebunds.

Landsberg schlägt ein "Konzessionsmodell" vor, wonach private Unternehmen mit den Daten der Kommunen arbeiten könnten, aber künftig dafür bezahlen müssten. Die Einnahmen sollten dann wiederum den Bürgern zugute kommen.

Grüne, Linke und der Deutsche Städtetag kritisierten den Vorstoß umgehend. Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff warnte: "Die allein ökonomische Betrachtung personenbezogener Daten als 'Öl des 21. Jahrhunderts' degradiert den Menschen zur Ware."

Ein Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebunds betonte indes, es würde sich nicht um personenbezogene und schutzwürdige Daten handeln. Die Daten würden stets nur in anonymisierter Form weitergegeben. Denkbar sei es etwa, Informationen über Lärmbelastung zu verkaufen.

Voßhoff sagte indes, die Bevölkerung sei stark sensibilisiert. "Auch wenn eine Nutzung von anonymen Daten aus datenschutzrechtlicher Sicht unproblematisch ist, warne ich davor, entsprechende Maßnahmen pauschal als unbedenklich abzustempeln. In heutigen Zeiten von Digitalisierung und Big Data existieren Möglichkeiten, auch vermeintlich anonyme und damit harmlose Daten so zu verknüpfen, dass plötzlich doch wieder Rückschlüsse auf einzelne Personen erfolgen können."

Angesichts des Facebook-Skandals um millionenfache unerlaubte Datennutzung war zuletzt die Deutsche Post wegen der Weitergabe von Kundendaten an Parteien im Wahlkampf 2017 in die Kritik geraten. Facebook will seine Nutzer weltweit von diesem Montag an über die mögliche Weitergabe von Daten an Dritte informieren.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, der Deutsche Städte- und Gemeindebund mache sich auch für den Verkauf personenbezogener Daten stark. Das trifft nicht zu. Die Daten sollen anonymisiert weitergegeben werden. Wir haben die Meldung entsprechend angepasst.

beb/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.