Deal mit Tschechien Nordkorea will Schulden mit Ginseng bezahlen

Es ist ein skurriles Geschäft: Nordkoreas Diktator Kim Jong Il möchte die Kredite seines Landes in Naturalien bezahlen - statt 500.000 Dollar soll Tschechien bis zu 20 Tonnen der Heilpflanze Ginseng erhalten. Die Regierung in Prag ist nicht abgeneigt, verlangt aber zusätzlich noch etwas Zink.

Ginsengwurzeln: Die Pflanze verspricht Gesundheit und ein langes Leben
dpa

Ginsengwurzeln: Die Pflanze verspricht Gesundheit und ein langes Leben


Hamburg - Ginseng gilt als Wunderpflanze: Die Knolle soll fit, stark und gesund machen. Nordkorea, einer der größten Ginseng-Anbauer, möchte die wilde Wurzel laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" ("FTD") jetzt auch zur Begleichung seiner Schulden beim einstigen Bruderstaat Tschechien einsetzen.

Die Regierung in Pjöngjang steht bei anderen Ländern mit insgesamt zwölf Milliarden Dollar in der Kreide - das Atomprogramm ist teuer, das Land ist international isoliert und vom Kapitalmarkt abgeschnitten. So kam Kim Jong Il laut "FTD" auf die Idee, Ginseng zum Zahlungsmittel zu machen. Schließlich wurde die Knolle früher in Gold aufgewogen.

Das Angebot aus Nordkorea: Pjöngjang schickt 12 bis 20 Tonnen Ginseng nach Prag, dafür erlässt das osteuropäische Land dem Regime fünf Prozent seiner Schulden - umgerechnet rund 500.000 Dollar. Dem Zeitungsbericht zufolge zieht die Regierung von Ministerpräsident Petr Necas diesen ungewöhnlichen Deal tatsächlich in Erwägung. Zu Sowjetzeiten waren die Länder eng verbunden und versorgten sich mit Lastwagen und Maschinen.

Tschechien bereitet das Geschäft allerdings noch etwas Bauchschmerzen - der Ginsengverbrauch des Landes liegt nämlich bei gerade mal 1,4 Tonnen pro Jahr. Auf der anderen Seite sind 20 Tonnen Wunderwurzel immer noch besser als nichts. Laut "FTD" versucht die Prager Regierung daher noch, Kim Jong Il zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen. "Wir haben versucht, ihn davon zu überzeugen, beispielsweise eine Schiffsladung Zink zu schicken. Die könnten wir immerhin zu Geld machen", zitiert die Zeitung den tschechischen Vizefinanzminister Tomas Zidek.

lgr

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insgesamt 42 Beiträge
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schwarzer Schmetterling, 11.08.2010
1. Ja und?
Zitat von sysopEs ist ein skurriles Geschäft: Nordkoreas Diktator Kim Jong Il möchte die Kredite seines Landes in Naturalien bezahlen - statt 500.000 Dollar soll Tschechien bis zu 20 Tonnen der Heilpflanze Ginseng erhalten. Die Regierung in Prag ist nicht abgeneigt, verlangt aber zusätzlich noch etwas Zink. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,711278,00.html
Die Möglichkeiten hätten wir auch - welche wichtigen Pflanzen gibt es in AFG? Ginseng ist aber allemal besser und richtet nicht solch einen Schaden an.
Deutscher__Michel 11.08.2010
2. Fragwürdige Politik
Bei der nun schon zig Jahre dauernden Blockade bestraft man vor allem eins: die völlig verarmte und hungernde Bevölkerung. Das dadurch Kim abtritt oder gestürzt wird glaub doch wirklich niemand oder? Ich bin dafür zumindest LEbensmittel ins Land zu schaffen.. ähnlich wie in Palästina leidet vor allem die Zivilbevölkerung wegen der Internationalen Bestrafung einzelner.
fgranna 11.08.2010
3. Erinnert mich irgendwie an
Das erinnert mich irgend wie an das Brettspiel "Die Siedler" ;-) "Gebe dir 3 Stein für 1 Holz und 2 Schaf"...
Nitara 11.08.2010
4. nicht schlecht..
Vielleicht bezahlen uns die griechen ja demnächst in Feta und Olivenöl.
realredfox, 11.08.2010
5. Geil...
Als gebürtiger Prager werd ich natürlich sofort anfangen statt Bier Ginsengtee zu konsumieren! Deutschland könnte ja jetzt auch mal anfangen die EU-Beiträge in Kartoffeln zu bezahlen.
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