Debatte über Schuldenkrise Sollen wir den Euro aufgeben?

"Der Euro muss sich gegen Gold und Silber behaupten"


  Thorsten Polleit , Chefvolkswirt von Barclays Capital
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Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Barclays Capital

Mit sogenannten Rettungspaketen oder einer Fiskalunion kann man die Euro-Krise nicht lösen. Denn sie ist im Kern eine Krise des Papiergeldes: Der Euro - wie übrigens jede wichtige Währung der Welt - ist staatliches Monopolgeld, das aus dem Nichts per Kreditvergabe in Umlauf gebracht wird. Eine solche Währungskonstruktion ist in der Vergangenheit immer wieder versucht worden - und hat immer ein enttäuschendes Ende genommen. Denn sie führt nicht nur zu Wirtschafts- und Finanzkrisen, sondern läuft vor allem auch Gefahr, in eine Überschuldung zu münden, aus der sich Staaten und Notenbanken dann mit Inflation zu befreien versuchen.

Es wäre deshalb besser, einen Währungswettbewerb zu ermöglichen, wie ihn der Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek schon vor Jahrzehnten vorgeschlagen hat: Der Euro muss sich dann im Wettbewerb mit anderem Geld, das die Marktakteure frei wählen können, behaupten. Dazu müssten die Staaten zunächst die Gesetze aufheben, die bislang den freien Währungswettbewerb unterdrücken. Die Marktakteure hätten dann freie Wahl, dasjenige Geld zu verwenden, das ihren Bedürfnissen am ehesten entspricht. Im Zuge eines freien Währungswettbewerbs könnten Gold und Silber, aber natürlich auch alle anderen Währungen als Alternativen zum Euro aufsteigen.

Digitalisierter Edelmetallstandard

Gold könnte dabei als Rechnungseinheit dienen - was nicht zu verwechseln ist mit der Forderung, dass alles Geld mit Gold gedeckt sein muss. Mittels moderner Technologie könnte ein "digitalisierter Edelmetallstandard" entstehen. Um den Währungswettbewerb zu starten, bedürfte es nicht einmal eines Einheitsbeschlusses aller Regierungen im Euro-Raum. Es würde vermutlich schon ausreichen, wenn die Bundesrepublik Deutschland ihn in Gang setzte.

Am Ende würde der Währungswettbewerb gutes Geld hervorbringen. Er würde den disziplinierenden Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhen, die Kaufkraft des Euro stabil zu halten. Denn eine inflationstreibende Politik würde den Euro für alle sichtbar gegenüber anderen Währungen im Wettbewerb abwerten. Die Staaten, die in Euro verschuldet sind, würden in Bedrängnis geraten. Ein Wettbewerb der Währungen würde den Anreiz erhöhen, bei Überschuldung zu einem Schuldenerlass und nicht zu einer Inflationspolitik zu greifen, die absehbar mit hohen volkswirtschaftlichen Kosten verbunden wäre.

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