Defizit-Kosmetik Griechenland zahlte 300 Millionen Dollar an Goldman Sachs

Wall-Street-Banker sind an der katastrophalen Schuldenkrise Griechenlands in großem Stil beteiligt. Vor neun Jahren schon half Goldman Sachs dem maroden Land, Milliardenschulden zu verbergen - für ein stattliches Entgelt, wie die "New York Times" berichtet.

Proteste in Griechenland: Taschenspielereien in Milliardenhöhe
AFP

Proteste in Griechenland: Taschenspielereien in Milliardenhöhe


New York/Athen - Der Service, den die Wall-Street-Banker maroden Volkswirtschaften wie der griechischen anboten, war ein ganz besonderer. Die Finanzmagier aus New York brachten Schulden einfach zum Verschwinden. Mit einem Trick, der jedem Hütchenspieler zur Ehre gereichen würde - aber völlig legal war. Ihre Dienste, die zu den Faktoren des Finanzdesasters zählen, vor dem die Europäische Union nun steht, ließ sich Goldman Sachs ordentlich bezahlen: 300 Millionen Dollar habe Griechenland bis 2009 an das Bankhaus abgeführt, berichtet die "New York Times".

Wie der Taschenspielertrick zur vermeintlichen Geldvermehrung tatsächlich ablief, berichtete DER SPIEGEL bereits vergangene Woche: Statt Griechenland einen offiziellen Kredit zu geben, nutzten die Banker ein spezielles Finanzinstrument, einen sogenannten Cross-Currency-Swap. Mit derartigen Instrumenten werden in Fremdwährungen aufgenommene Staatsschulden in Euro getauscht - und nach einer gewissen Laufzeit wieder zurück.

Solche Transaktionen sind im internationalen Finanzgeschäft Usus, die Variante, die Goldman Sachs Griechenland und auch Italien anbot, enthält aber eine spezielle Komponente: Abgerechnet wurde zu fiktiven Wechselkursen. Beim Geldtauschen wurden aus zehn Milliarden Euro elf, womöglich noch mehr. Goldman Sachs gab den Griechen einen versteckten Kredit - der aber als solcher nicht ausgewiesen werden musste. Das Staatsdefizit wurde so gedrückt - eine der Wurzeln für die gewaltigen Krise, die die katastrophalen Schulden nun verursachen.

Die Hürde der Gesamtverschuldung von maximal 60 Prozent der Gesamtwirtschaftsleistung des Landes schafften die Griechen noch nie. Die Defizitregel konnten sie meist nur dank plumper Bilanzkosmetik einhalten. Einmal fehlten gigantisch hohe Militärausgaben, ein andermal Milliardenschulden der Krankenhäuser. Beim Nachrechnen kamen die Experten von Eurostat immer zum gleichen Resultat: In Wahrheit lag das Defizit fast jedes Jahr weit über der Drei-Prozent-Grenze. 2009 explodierte es dann gar auf über 12 Prozent.

"Unabhängig vom ökonomischen Sinn der Operation"

Schon 2002 lag das griechische Defizit offiziell bei 1,4 Prozent. Als das Statistische Amt der Europäischen Union Eurostat im September 2004 nachkontrollierte, musste der Wert auf 3,7 Prozent korrigiert werden. Heute liegt er gar bei 5,2 Prozent.

Irgendwann muss Griechenland auch für die Swap-Geschäfte die Zeche zahlen, was sich im Defizit niederschlagen dürfte. Die Laufzeiten liegen schätzungsweise zwischen 10 und 15 Jahren. Goldman Sachs besitzt die Swap-Papiere schon längst nicht mehr - nach SPIEGEL-Informationen verkaufte die Bank die Papiere 2005 an eine griechische Bank weiter.

Der "New York Times" zufolge lief das Geschäft mit dem Defizit über eine Reihe eigens gegründeter Unternehmen. Eine Gesellschaft namens Aeolos habe dabei geholfen, die Schulden zum Verschwinden zu bringen. Als Gegenleistung für den Deal habe Griechenland künftige Einnahmen eingesetzt, berichtet das Blatt: Etwa Landegebühren an Flughäfen und Autobahn-Maut. Über eine weitere Gesellschaft namens Ariadne seien schon im Jahr 2000 künftige Einnahmen der staatlichen Lotterie auf diese Weise weggetauscht worden.

In beiden Fällen seien die Geschäfte als Verkäufe und nicht als Kreditaufnahmen eingestuft worden - was schon damals umstritten war. Noch im Jahr 2008 kritisierte die Aufsichtsbehörde Eurostat, die Währungsdeals seien "in einer Reihe von Fällen" möglicherweise gestaltet gewesen "um ein bestimmtes Buchhaltungs-Ergebnis zu erzielen, unabhängig vom ökonomischen Sinn der Operation".

Die "New York Times" zitiert nun einen hochrangigen Manager der Rating-Agentur Moody's mit den Worten, die Deals würden für Griechenland aufgrund der jahrelangen Verpflichtungen am Ende sicher ein Verlustgeschäft.

cis



Forum - Wie bedroht ist der Euro?
insgesamt 4754 Beiträge
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Seite 1
günter1934 10.02.2010
1.
Zitat von sysopMega-Defizite in Griechenland, Spanien und anderen Ländern bringen den Euro-Kurs unter Druck, das Krisenmanagement der Politik schwankt zwischen Aktionismus und Hilflosigkeit - steht der Euro vor dem Crash?
Der steht nicht mehr und nicht weniger vor dem Crash wie der Dollar. In den USA gibt es ja auch Bundesstaaten, die vor der Pleite stehen, Terminator lässt grüssen. Das wird dort sicher auch solange geregelt, wie es nur geht. Bis das ganze System crasht, dort wie bei uns.
Nutu 11.02.2010
2.
och nöööööööö ... nich schon wieder ne währungsumstellung. Ich weiss nich woher die griechen es langfristig nehmen wollen. Ihre Touristen haben sie jedenfalls vergrault.
tylerdurdenvolland 11.02.2010
3. Tolles Signal!
Zitat von sysopMega-Defizite in Griechenland, Spanien und anderen Ländern bringen den Euro-Kurs unter Druck, das Krisenmanagement der Politik schwankt zwischen Aktionismus und Hilflosigkeit - steht der Euro vor dem Crash?
Heissa! Da freut man sich in Irland Spanien und Portugal & Co, wenn man Griecheland mit Beram aushilft,dann kann man ja andetrswo getrost geauso weiter machen. Das "too big to fail" schreitet fort in eine andere Dimension. Steuerzahler und Wähler, wie dumm seid ihr doch...
amarildo 11.02.2010
4. Urlaub
Zitat von sysopMega-Defizite in Griechenland, Spanien und anderen Ländern bringen den Euro-Kurs unter Druck, das Krisenmanagement der Politik schwankt zwischen Aktionismus und Hilflosigkeit - steht der Euro vor dem Crash?
If hoffe das der Euro abrutscht. Ich will nach DE und andere EU Staaten in Urlaub fahren und hoffe auf eine gute Umtausch rate.
mexi42 11.02.2010
5. Der Crash ...
Zitat von sysopMega-Defizite in Griechenland, Spanien und anderen Ländern bringen den Euro-Kurs unter Druck, das Krisenmanagement der Politik schwankt zwischen Aktionismus und Hilflosigkeit - steht der Euro vor dem Crash?
war für jeden denkenden Menschen zu erkennen. Die Inhomogenität aller Mitgliedsstaaten begründet das Problem. Französischer Zeitungskommentar: Maastricht ist wie Versailles ohne Krieg. Die Deutschen müssen zahlen.
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