Delmenhorst Stadtwerke sperren 350 Mieter von Wasserzufuhr ab

Seit knapp drei Wochen sind 350 Mieter einer Siedlung im niedersächsischen Delmenhorst ohne Gas. Nun bleiben auch ihre Wasserhähne trocken. Grund: nicht bezahlte Rechnungen der Eigentümergesellschaft.

Wasserhahn
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Wasserhahn


Im niedersächsischen Delmenhorst haben die Stadtwerke rund 350 Mietern von zwei Wohnblocks die Zufuhr zum Wasser abgeklemmt. Das Unternehmen verwies zur Begründung auf nicht bezahlte Rechnungen der Eigentümer von rund 200.000 Euro für Wasser und Gas.

Für eine Notversorgung mit Trinkwasser wurde auf der Straße vor den heruntergekommenen Hochhäusern ein Standrohr mit sechs Wasserhähnen errichtet. Nach Angaben der Diakonie gibt es zudem mobile Toiletten.

Mit der Wassersperre hat sich die Lage der Bewohner verschärft, denn wegen der Schulden der Eigentümer sind die Menschen in den beiden Häusern schon seit dem 27. April ohne Gas. "Mir ist bewusst, dass die Lage für die Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Häuser schwierig ist. Die Situation insgesamt ist auch für die Stadt Delmenhorst alles andere als einfach", sagte Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD). Einem Stadtsprecher zufolge ist Delmenhorst "grundsätzlich" bereit, die beiden von der Wasser- und Gassperre betroffenen Häuser zu kaufen. Dafür müssten aber möglichst alle Eigentümer einem Verkauf zum Verkehrswert zustimmen.

Der Sprecher des Diakonischen Werks in Oldenburg, Frerk Hinrichs, verwies darauf, dass Wohnungen ohne Heizung und Wasser unbewohnbar sind. "Kurzfristig bekommt man das hin, auf Dauer nicht", sagte er nach einem Besuch in Delmenhorst. Ihm zufolge sind viele Bewohner verärgert. "Sie fühlen sich bestraft, weil man ihnen Wasser und Gas abgedreht hat, obwohl sie ihre Miete bezahlt haben."

Hinrichs zufolge haben sich bislang keine Mieter gemeldet, die in eine Notunterkunft ziehen wollen. Viele hätten Angst, ihr gesamtes Hab und Gut zu verlieren, berichtete er. Sie fürchteten auch, dass die Vermieter freie Wohnungen sofort räumen und neu vermieten. Familien mit kleinen Kindern könnten aus seiner Sicht aber nicht lange in Wohnungen ohne Wasser bleiben.

Die betroffenen Häuser gehören zu einem rund 23 Hektar großen Gebiet mit vielen veralteten Gebäuden und teils verwahrlosten Wohnungen. Die Stadt will das Viertel sanieren und hat jüngst mit dem Abriss leerstehender Wohnblocks begonnen. Warum die Eigentümergesellschaft die offenen Rechnungen nicht beglichen hat, ist unklar. Anfragen nach einer Stellungnahme blieben unbeantwortet.

man/dpa



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spmc-12355639674612 15.05.2017
1. Insolvenz?
Die Stadtwerke Delmenhorst sollten über die Beantragung eines Insolvenzverfahrens über die WEG nachdenken. Im Notfall sollte die Stadt hier versuchen, eine Enteignung durchzusetzen, da ein besonderer Fall des Missbrauchs des Eigentumsrechtes vorliegt. In einem solchen Extremfall steht die Würde der Bewohner mit Sicherheit über dem Eigentumsrecht der Eigentümer, so dass ein solcher Schritt auf jeden Fall gerechtfertigt ist. Was sagen die Profijuristen?
Sponti@abwesend.de 15.05.2017
2.
Zitat von spmc-12355639674612Die Stadtwerke Delmenhorst sollten über die Beantragung eines Insolvenzverfahrens über die WEG nachdenken. Im Notfall sollte die Stadt hier versuchen, eine Enteignung durchzusetzen, da ein besonderer Fall des Missbrauchs des Eigentumsrechtes vorliegt. In einem solchen Extremfall steht die Würde der Bewohner mit Sicherheit über dem Eigentumsrecht der Eigentümer, so dass ein solcher Schritt auf jeden Fall gerechtfertigt ist. Was sagen die Profijuristen?
Ist wohl nicht so einfach, ich las vor kurzem das die Stadt 2015 schon mal nicht gezahlte Energiekosten übernommen hat, und seitdem versucht das Geld einzutreiben...zwecklos https://www.noz.de/lokales-dk/delmenhorst/artikel/891616/kein-wechsel-der-hausverwaltung-fuer-wollepark
janne2109 15.05.2017
3. dauert alles zu lange
eine Zwangsverwaltung geht bei Gericht innerhalb von 24 Std. bei Notfällen durch, in Berlin bei meiner Mutter in der Wohnanlage so geschehen
Hamberliner 15.05.2017
4. Eigentümergesellschaft?
Wenn mit "Eigentümergesellschaft" ein Unternehmen gemeint ist, dann ist das falsch. Die Wohnungen gehören Einzeleigentümern, weil man immer mal wieder diese Adresse (Wollepark) unter den Zwangsversteigerungen findet, derzeit z.B. die hier (http://einzelhandelsobjekte.com/zwangsversteigerungen/anzeige/zvg_id.123605). Wenn es lauter verschiedene Eigengtümer gibt und dennoch ein so großer Anteil der Wohnungen betroffen sind ist das für mich ein Indiz dafür, dass nicht die vielen unterschiedlichen Eigentümer das Geld unterschlagen haben, sondern die Verwaltung. Dann sind auch die Eigentümer die Gelackmeierten, weil inzwischen das Sozialamt sich wegert, dortige Mieten zu übernehmen. Kann man denn nicht mal beim Grundbuchamt einige Eigentümer recherchieren und die direkt fragen was los ist? Oder vielleicht weiß der Rechtspfleger der o.g. Zwangsversteigerung genaueres? Übrigens sind Wohnungsvermieter nicht grundsätzlich skrupellose zigarrerauchende Geldsäcke, sondern teilweise auch Menschen in prekären Verhältnissen deren Rente nicht reicht und die zu sowas gezwungen sind. Gerade die können nur für eine prekäre Schrottwohnung Geld zusammenkratzen, müssen die selber renovieren, und brauchen die Miete zum Überleben. Nicht nur wegen prekärer Mieter, sondern auch wegen prekärer Vermieter sind solche Gegenden wie Wollepark notwendig und nicht abzureißen, solange die Renten ein schlechter Witz und nicht kostendeckend sind.
schocolongne 15.05.2017
5. organisatorisches Versagen der Behörden?
Eigentum verpflichtet und die Mieter haben, wie es scheint, ihr Wasser bezahlt, Schuldner ist folglich der Eigentümer. Mir ist nicht recht klar, weshalb die Stadt die Gas&Wasserversorgung nicht zunächst auf eigene Kappe sicherstellt und die Mieten sowie sonstige Unterhaltskosten treu*hän*de*risch verwaltet und davon laufende und geschuldete Wasser, Strom und Gas-Rechnungen begleicht.
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