Demo in New York Mit Hollywood-Power gegen die Macht der Banken

Zu Tausenden zogen sie durch die Straßen, legten das Herz des Finanzdistrikts lahm: In New York haben Demonstranten vor der Wall Street gegen den Einfluss der Banken protestiert. Auch die Gewerkschaften schlossen sich an - ebenso wie Star-Regisseur Michael Moore.

AFP

New York - Es war ein friedlicher Protest gegen die Macht der Geldhäuser und die wachsende Ungleichheit in den USA: Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot sind am Mittwoch Tausende Demonstranten durch den Finanzdistrikt in Manhattan marschiert. Die Teilnehmer trugen Plakate mit Aufschriften wie "Rettet unsere Republik" und "Gleichheit, Demokratie, Revolution".

Die zumeist jungen Protestteilnehmer skandierten "Wir sind 99 Prozent" und spielten damit auf das reichste Prozent der US-Bevölkerung an, von dem sie sich hintergangen fühlen. Nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen beteiligten sich bis zu 12.000 Menschen an der Demonstration, die Polizei sprach von 5000 Teilnehmern.

Die Protestbewegung hatte in den vergangenen Tagen immer mehr Zulauf erhalten, nachdem Mitte September erste Aktivisten im Zuccotti-Park unweit der Wall Street ein Protestcamp aufgeschlagen hatten. Mittlerweile hat die Bewegung die Rückendeckung von führenden Gewerkschaften, etwa dem Dachverband AFL-CIO, der Automobilgewerkschaft UAW und der Transportarbeitergewerkschaft TWU.

Auch in Los Angeles, Boston, Chicago und anderen Städten haben sich kleine Ableger der Wall-Street-Kritiker formiert. Eine ähnliche Demonstration war für Donnerstag in Washington geplant.

Bereits Stunden vor der Kundgebung in New York versammelten sich am Mittwoch rund 2000 Menschen im Zuccotti-Park im Stadtteil Manhattan. Am vergangenen Wochenende waren bei einem ähnlichen Protestmarsch auf der New Yorker Brooklyn Bridge mehr als 700 Menschen vorübergehend festgenommen worden. Die Brücke musste wegen der Kundgebung am Samstagnachmittag für mehrere Stunden gesperrt werden.

Die genauen Ziele der heterogenen Gruppe mit dem Motto "Occupy Wall Street" ("Besetzt die Wall Street") sind unklar. Die Liste der Beschwerden reicht von teuren Studiengebühren über die hohe Arbeitslosigkeit bis zu sinkenden Renten. Zusammengehalten wird die Bewegung von der Wut darüber, dass vor allem die Mittelschicht und die ärmere Bevölkerung unter den Folgen der Finanzkrise zu leiden hätten.

Auch Hollywood-Regisseur Michael Moore hatte sich den Demonstranten angeschlossen. "Egal, wohin man in diesem Land geht, man sieht überall Proteste", sagte Moore. Zuerst hätten viele Amerikaner die Bewegung noch belächelt, "doch nun kann sich auch der Durchschnittsamerikaner mit ihr identifizieren", so der Filmemacher weiter. Als Verstärkung hatte er Schauspieler Tim Robbins mitgebracht.

"Jeder hier fühlt sich ausgeraubt"

Viele Demonstranten machten ihrem Ärger über die Folgen der weltweiten Finanzkrise Luft: "Ich glaube, dass sich jeder hier ausgeraubt fühlt", sagte die 29-jährige Lindsey Personette. "Die Leute haben es schwer, über die Runden zu kommen." Die 26-jährige Kelly Wells, die eigens aus dem Bundesstaat Oregon an der Westküste für die Proteste nach New York gekommen war, hofft auf weiteren Schwung durch die wachsende Unterstützung: "Mehr Teilnehmer, mehr Macht, mehr Öffentlichkeit."

Die New Yorker Abgeordnete Louise Slaughter, die für die Demokraten im Repräsentantenhaus sitzt, äußerte ihre Sympathie für die Bewegung. Slaughter sagte, sie sei "so stolz", dass die Wall-Street-Kritiker sich gegen die "ungezügelte Gier" bei Banken und Konzernen erheben würden und "friedlich an unserer Demokratie teilhaben".

jok/AFP



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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
Hupert 06.10.2011
1. Michael Moore hin oder her...
...aber was da in den Staaten gerade läuft, könnte der Anfang etwas ziemlich Großen sein und steht hier unter "Ferner liefen"... stattdessen wandelt sich SPON zum interaktiven Kondolenzbuch eines "WeltVERBESSERERS".
yarx 06.10.2011
2. Naja, immerhin
Zitat von Hupert...aber was da in den Staaten gerade läuft, könnte der Anfang etwas ziemlich Großen sein und steht hier unter "Ferner liefen"... stattdessen wandelt sich SPON zum interaktiven Kondolenzbuch eines "WeltVERBESSERERS".
wird jetzt überhaupt berichtet. Z.B. auch in der ZEIT. Dafür daß vermutlich unter vielen anderen ich mich schon letzte Woche per Mail an die Redaktionen, über die Nicht-Berichterstattung beschwerte, aber ziemlich spät.... Ist jetzt anscheinend nicht mehr totzuschweigen.
h0l0fernes 06.10.2011
3. Aber viiiieeel wichtiger ist selbstverständlich immer noch ...
Zitat von yarxwird jetzt überhaupt berichtet. Z.B. auch in der ZEIT. Dafür daß vermutlich unter vielen anderen ich mich schon letzte Woche per Mail an die Redaktionen, über die Nicht-Berichterstattung beschwerte, aber ziemlich spät.... Ist jetzt anscheinend nicht mehr totzuschweigen.
... der "Tod eines Weltverbesserers"!
maemo 06.10.2011
4. Es wurde doch schon berichtet
Zitat von yarxwird jetzt überhaupt berichtet. Z.B. auch in der ZEIT. Dafür daß vermutlich unter vielen anderen ich mich schon letzte Woche per Mail an die Redaktionen, über die Nicht-Berichterstattung beschwerte, aber ziemlich spät.... Ist jetzt anscheinend nicht mehr totzuschweigen.
Spon berichtete bereits am WE darüber, zwar nicht so ausführlich wie z.B. die Süddeutsche, aber immerhin. Und das Wachsen der Bewegung innerhalb der letzten paar Tage ist wider Erwarten schon recht groß. Warten wir die nächsten Tage ab, ich denke, da ist noch viel Potential drin, was sicherlich auch Auswirkungen auf die weltweit geplanten Aktionen am 15. Oktober und über dieses Datum hinaus haben wird. Ich verfolge die Entwicklung sehr genau und ich gehe jede Wette ein, dass es Ende des Monats gar nicht mehr totzuschweigen sein wird, selbst wenn die Medien die Berichterstattungen komplett einstellen würden.
toskana2 06.10.2011
5. ernsthafter Glaube
Zitat von sysopZu Tausenden zogen sie durch die Straßen, legten das Herz des Finanzdistrikts lahm: In New York haben Demonstranten vor der Wall Street gegen den Einfluss der Banken protestiert. Auch die Gewerkschaften schlossen sich an - ebenso wie Star-Regisseur Michael Moore. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,790191,00.html
Noch ein Zeichen des sprichwörtlichen, amerikanischen Optimismus. Die Menschen scheinen ernsthaft daran zu glauben, sie könnten das System angreifen oder gar verändern. Seit Obamas "Machtübernahme" hat sich diese Spezies exponentiell vermehrt. Es war ja diese Hoffnung, die Obama zur Macht verhalf. Er selbst nährte diese Hoffnung nach Kräften. Um so größer wird die Desillusionierung sein, wenn zum Schluss auch diese Proteste an der Systemfestung scheitern werden. Und Obama wird die Rechnung dafür präsentiert bekommen, dass er sich den Menschen als Messias verkaufte. Im Mutterland des kalten Kapitalismus haben Messias im günstigen Fall eine Ventil-Funktion. Wenn danach die Luft raus ist, läuft die Maschine wieder wie eh und je - wie geschmiert. Die Amerikaner MÜSSEN optimistisch bleiben!
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