Depression und Burnout Arbeitnehmer verheimlichen psychische Erkrankungen

Ob Depression oder Burnout: Psychische Krankheiten sind laut einer neuen Studie der dritthäufigste Grund für Fehlzeiten im Job. Doch viele Betroffene kommen trotz des Leidens zur Arbeit - aus Angst.

Frau am Arbeitsplatz: Viele versuchen, ihre Probleme zu verheimlichen
DPA

Frau am Arbeitsplatz: Viele versuchen, ihre Probleme zu verheimlichen


Hamburg - Krank sein und trotzdem arbeiten gehen - für viele Deutsche ist das normal. Kürzlich ergab eine Umfrage, dass mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen in Deutschland auch krank zur Arbeit kommt. Nun zeigt eine Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit, dass sich auch Berufstätige mit psychischen Problemen häufig nicht krankschreiben lassen. Demnach ignoriert aus Angst vor Nachteilen im Job mehr als jeder Dritte seine seelische Erkrankung.

Die Befragung von 3000 Männern und Frauen durch das Forsa-Institut zeigt laut DAK zudem, dass psychische Erkrankungen in Deutschland trotz der öffentlichen Debatte um Depressionen und Burnout nach wie vor ein Tabu sind. 65 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen ein Arbeitsausfall durch ein Seelenleiden unangenehmer sei als eine Krankschreibung wegen körperlicher Symptome. Vielen falle es schwer, sich zu ihrer Depression oder Angststörung zu bekennen.

Jeder dritte Erkrankte glaubt der Umfrage zufolge außerdem, dass es im Job nur wenig Verständnis dafür geben würde, wenn ein Mitarbeiter wegen seelischer Probleme ausfällt. Viele versuchen deshalb, ihre Probleme zu verheimlichen.

Depressionen, Angststörungen und andere Seelenleiden sind laut dem DAK-Gesundheitsreport, in dessen Rahmen die Befragung stattfand, der dritthäufigste Grund für Fehlzeiten im Job. 13 Prozent aller Fehltage gingen im ersten Halbjahr 2013 auf diese Diagnosen zurück. Häufigste Ursachen für Krankschreibungen sind Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen sowie Atemwegserkrankungen wie zum Beispiel Erkältungen.

Für den Gesundheitsreport wurden die Daten von 2,7 Millionen erwerbstätigen Versicherten der Krankenkasse DAK ausgewertet. Parallel befragte das Forsa-Institut 3000 Männer und Frauen zum Thema psychische Erkrankungen.

Allerdings dürften Arbeitnehmer nicht nur die Reaktionen ihrer Vorgesetzten fürchten. Angesichts des wachsenden Sparzwangs bedrängen auch manche Krankenkassen psychisch kranke Mitglieder und verweigern ihnen zum Teil sogar den Versicherungsschutz.

dab/AFP



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