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21. Januar 2013, 12:49 Uhr

Firmenbeteiligung

Auch der DGB verdient an Leiharbeit

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Zeitarbeit ist in deutschen Unternehmen allgegenwärtig - und wird von den Gewerkschaften zum Teil scharf kritisiert. Der Deutsche Gewerkschaftsbund mischt in dem Geschäft mit einer eigenen Firma mit und zahlt Löhne, die unter dem von DGB-Chef Sommer geforderten Mindestlohn liegen.

Hamburg - Das Angebot ist ganz nach dem Geschmack von Arbeitgebern: "Wir bringen die benötigten MitarbeiterInnen zu Ihnen: Kurzfristig, auf Zeit oder auf Dauer und ohne Risiko!" So wirbt die Weitblick-Personalpartner GmbH auf ihrer Website für ihre Dienste, wie Hunderte andere Firmen auch. Ungewöhnlich ist hier allerdings: Weitblick ist eine Tochterfirma des Berufsfortbildungswerks des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB).

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Erkrath und Filialen in Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main und Essen bietet Beratung, Personalbeschaffung und auch Arbeitnehmerüberlassung, kurz Zeitarbeit.

Die DGB-Gewerkschaften, allen voran die IG Metall, kritisieren die Zeitarbeit zum Teil heftig. Sie sprechen von Leiharbeit und prekärer Beschäftigung, weil Arbeitnehmer auf Zeit weniger Sicherheiten haben als Festangestellte und häufig auch schlechter bezahlt werden. Erstaunlich also, dass der DGB mit der Vermittlung von Leiharbeitern Geld verdient. Im Jahr 2011 hat Weitblick immerhin einen Gewinn von 850.000 Euro gemacht - mit dem Übertrag aus dem Vorjahr lag der Überschuss sogar bei 3,2 Millionen Euro.

Besonders pikant aber ist die Tatsache, dass die Firma zwar den Gewerkschaften gehört, aber seit dem 1. Mai 2006 unter der Mitgliedsnummer 15608 auch im Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) registriert ist - dem Arbeitgeberverband der Branche. Für den Tarifvertrag in der Zeitarbeitsbranche hat der DGB also quasi mit sich selbst verhandelt.

Die unabhängige Hafenarbeitergewerkschaft Contterm hat auf die DGB-Geschäfte aufmerksam gemacht, Gewerkschaftssekretär Sascha Schomacker spricht von einem Skandal. "Wie können die Einzelgewerkschaften im DGB glaubhaft Tarifverträge mit dem Arbeitgeberverband IGZ aushandeln, wenn der eigene Dachverband mit einer eigenen Firma in ihm vertreten ist", fragt Schomacker.

"Vermeidung von Fehlbesetzung und unnötigen Überstunden"

Der DGB sieht keinen Widerspruch zwischen den gewerkschaftlichen Positionen und der Beteiligung an einer Firma, die Zeitarbeiter vermittelt. Weitblick gründe vor allem Transfergesellschaften für von Arbeitslosigkeit bedrohte Beschäftigte, heißt es auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Nach der Entlassungswelle beim Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen beispielsweise habe die Firma Hunderten Beschäftigten neue Arbeit verschafft. Einzig am Standort Neunkirchen/Saarland würden heute noch Zeitarbeiter vermittelt.

Tatsächlich bietet die Firma in Neunkirchen noch viel mehr als einfache Arbeitnehmerüberlassung: Für Unternehmen, die "noch mehr Entlastung" wünschen, wirbt Weitblick auf seiner Website, übernehme man "die komplette Steuerung der Arbeitnehmerüberlassung in Ihrem Haus". On-Site-Management heißt das und ist eine Möglichkeit, Arbeit auf Leiharbeiter zu verlagern. Die Weitblick-Saar stellt die Vorteile klar heraus: "Flexible Personalbeschaffung exakt auf die jeweiligen Anforderungen der Abteilung abgestimmt" und "Einsatzplanung und -steuerung der Leiharbeitnehmer zur Vermeidung von Fehlbesetzungen, Überbesetzungen und unnötigen Überstunden".

Der DGB versichert: Ziel sei es, die Zeitarbeit in Neunkirchen "sanft auslaufen zu lassen". Der Gewerkschaftsverband sagt allerdings auch, dass das Ziel derzeit nicht absehbar sei, die 268 Beschäftigten am Standort Neunkirchen "in ein dauerhaftes und gerecht bezahltes Arbeitsverhältnis zu vermitteln". Die wirtschaftliche Situation in der Region ist schwierig, reguläre Arbeitsplätze sind rar.

Trotzdem rekrutiert die Neunkirchener Weitblick-Filiale laut Jobcenter weiterhin Bewerber vom Ingenieur bis zum Kassierer - einige zum derzeit gültigen Tarif der Zeitarbeitsbranche von 8,19 Euro, andere für einen Stundenlohn von 7,89 Euro. Dabei hatte DGB-Chef Michael Sommer erst in der vergangenen Woche auf seiner Neujahrspressekonferenz die Gewerkschaftsforderung nach einem "gesetzlichen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro" bekräftigt.

Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE heißt es beim DGB, Weitblick zahle einen Zuschlag "in Höhe der Differenz zum Branchentarifvertrag, der für den Entleihbetrieb gilt". Diejenigen, die in Neunkirchen betreut werden, aber zeitweilig keinen Einsatzbetrieb haben, bekommen in dieser Zeit ebenfalls 8,50 Euro - allerdings erst seit diesem Jahr. Vorher waren es - trotz der lautstarken DGB-Forderungen nach einem Mindestlohn - nur 8,19 Euro.

Die Hafengewerkschaft Contterm fordert den DGB auf, den betroffenen Arbeitnehmern den Ausgleich für die vergangenen Jahre nachzuzahlen, so Schomacker. In den aktuellen Stellenausschreibungen ist von dem Zuschlag keine Rede. Aber neue Bewerber sollen ja auch nicht mehr aufgenommen werden.

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