Zweitwährung für Griechenland Geuro, mir graut vor dir!

Jetzt soll der Geuro Griechenland retten: Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank hat eine solche Parallelwährung zum Euro ins Gespräch gebracht. Doch in Wahrheit wäre diese Alternative für die Griechen noch schlimmer als ein kompletter Ausstieg aus der Währungsunion.

Ein Debattenbeitrag von Peter Bofinger

Europaflagge über der Akropolis: Wie lange weht sie noch?
DPA

Europaflagge über der Akropolis: Wie lange weht sie noch?


In Krisenphasen haben Wunderheiler Hochkonjunktur. In dieser Disziplin hat sich Thomas Mayer jetzt versucht. Der scheidende Chefvolkswirt der Deutschen Bank hat Griechenland als Lösung seiner Probleme die Ausgabe einer Parallelwährung empfohlen. Der griechische Staat solle seine Rechnungen nicht mehr in Euro bezahlen, sondern in der Form von Schuldscheinen, die auf eine neue Währung namens Geuro lauten. Es sei zu erwarten, dass der Geuro recht schnell um rund 50 Prozent gegenüber dem Euro an Wert verlieren werde. Auf diese Weise sollen griechische Exporte billiger werden und die griechische Wirtschaft soll an Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen - ohne die Schockwirkung eines plötzlichen Euro-Austritts.

Faktisch bedeutet das also, dass alle in Geuro vorgenommenen Zahlungen des griechischen Staates gegenüber ihrem ursprünglichen Euro-Betrag um 50 Prozent an Wert verlieren würden. Wenn der Geuro nicht nur für Rechnungen an Unternehmen eingesetzt wird, sondern auch für die Gehaltszahlungen im öffentlichen Dienst sowie für Renten, kann man mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass es in Griechenland zu einem Volksaufstand kommt: Während sich die Einkommen der von Geuro-Zahlungen Betroffenen faktisch halbieren, müssten sie Mieten, Pachten und Zinszahlungen weiterhin in unveränderter Höhe in Euro zahlen. Da auch die privaten Verbindlichkeiten weiterhin auf den Euro lauten würden, wären die Bezieher von Geuro-Einkommen über Nacht völlig überschuldet.

Natürlich käme es mittelfristig dazu, dass dann auch die auf Euro lautenden Zahlungen in der einen oder anderen Form angepasst würden, aber ein solcher unkoordinierter Übergangsprozess wäre mit hohen politischen und ökonomischen Risiken verbunden. Und natürlich würde die Einführung des Geuro auch in anderen Problemländern die Befürchtung wecken, dass sie bei auf Euro lautenden Verträgen mit der öffentlichen Hand am Ende nur 50 Prozent ihres Geldes zurückbekommen.

Ein griechischer Teilaustritt aus der Währungsunion ist somit nicht besser, sondern schlechter als eine vollständige Umstellung, bei der auf einen Schlag eine neue Währung für das gesamte Wirtschaftsleben eingeführt würde. Dies würde über ein Währungsgesetz erreicht werden, das alle auf Euro lautenden Geldbestände und Geldforderungen, alle Preise sowie alle laufenden Zahlungsverpflichtungen gleichzeitig zu einem vorgegebenen Umstellungssatz in die neue Währung überführt. Da dann der größte Teil der Einnahmen und Ausgaben gleichzeitig auf die neue Währung lauten würde, wären die Anpassungsschwierigkeiten für die Menschen in Griechenland erheblich geringer als beim Geuro. Zudem wäre von Anfang an klar, dass die griechische Notenbank für die neue Währung verantwortlich ist.

Es gibt nur die Wahl zwischen Austritt oder Verbleib im Euro

Aber das heißt nicht, dass ein Euro-Austritt besser ist als ein Verbleiben Griechenlands in der Währungsunion. Während die vollständige Umstellung auf eine nationale Währung rechtlich noch vergleichsweise einfach zu realisieren wäre, muss man bei der technischen Durchführung einer solchen Währungsreform mit massiven Schwierigkeiten rechnen. Ein unkontrollierter Austritt aus einer Währungsunion ist etwas fundamental anderes als der Austritt aus einem System fester Wechselkurse.

Zu einem möglichen Euro-Austritt Griechenlands gibt es in neuerer Zeit keinen Präzedenzfall. Die damit verbundenen Risiken sind daher für alle Beteiligten nicht zu überblicken. Für die Weltwirtschaft könnte sich ein unkontrollierter Ausstieg Griechenlands als Schock erweisen, der mit der Lehman-Pleite vergleichbar ist - wenn er nicht noch schlimmer ausfällt. Deshalb sollte man alles tun, um Griechenland einen Verbleib im Euro zu ermöglichen.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs wären gut beraten, wenn sie Griechenland mehr Zeit zum Sparen einräumen und zugleich eine echte Wachstums- und Beschäftigungsinitiative in Aussicht stellen würden. Das würde bei der anstehenden Wahl die moderaten Kräfte in Griechenland stärken und die Gefahr eines hoch riskanten unkontrollierten Euro-Ausstiegs bannen.

Für die Zukunft Griechenlands wie auch die Zukunft des Euro gibt es somit nur die klare Entscheidung zwischen dem Austritt und dem Verbleiben in der Währungsunion. Der Versuch, sich mit dem Geuro vor dieser Entscheidung zu drücken, würde nicht die Vorteile, sondern Nachteile beider Alternativen kombinieren.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 154 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
testthewest 24.05.2012
1.
Zitat von sysopDPAJetzt soll der Geuro Griechenland retten: Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank hat eine solche Parallelwährung zum Euro ins Gespräch gebracht. Doch in Wahrheit wäre diese Alternative für die Griechen noch schlimmer als ein kompletter Ausstieg aus der Währungsunion. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,834572,00.html
"Die europäischen Staats- und Regierungschefs wären gut beraten, wenn sie Griechenland mehr Zeit zum Sparen einräumen und zugleich eine echte Wachstums- und Beschäftigungsinitiative in Aussicht stellen würden. Das würde bei der anstehenden Wahl die moderaten Kräfte in Griechenland stärken und die Gefahr eines hoch riskanten unkontrollierten Euro-Ausstiegs bannen." Es ist aber nicht so einfach. Wie wollen sie denn eine "echte Wachstum- und Beschäftigungsinitiative" hinbekommen, die nicht zu mind. 95% Staatsangestellte umfasst? Griechenland braucht Jobs aus der Privatwirtschaft. Die öffentliche Hand ist für den griechischen Steuerzahler schon lange zu groß, auch wenn aller Missbrauch abgestellt werden könnte. Auch bringt mehr Zeit nichts. Es wurde bereits mehr Zeit gekauft. Griechenland ist schon seit 2 Jahren finanziell tot. Es ändert sich nichts. Die Griechen haben über Steuerhinterziehung, Massenproteste und Misswirtschaft dem Staat Griechenland das Vertrauen entzogen. Auch ist ein Griechenlandaustritt nicht so riskant wie immer angemahnt wird, da die Banken 2 Jahre Schonfrist hatten, ihre Papiere an die EU zu verkaufen und Griechenland eben nicht das wirtschaftliche Gewicht der USA hat. Und letzteres war durch Lehmann bedroht worden. Dies Gewicht hat Griechenland noch nichtmal in der EU.
TheFrog 24.05.2012
2. ehem...
Zitat von sysopDPAJetzt soll der Geuro Griechenland retten: Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank hat eine solche Parallelwährung zum Euro ins Gespräch gebracht. Doch in Wahrheit wäre diese Alternative für die Griechen noch schlimmer als ein kompletter Ausstieg aus der Währungsunion. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,834572,00.html
..ein Geuro für die Griechen, ein Peuro für die Portugiesen....also für jeden eine "Schattenwährung". Die Ideesn werden immer kruder. Warum führt man nicht gleich die gute alte Zigarettenwährung ein oder zahlt Importe mit Nylons ? Alles schon mal dagewesen. Das war erst nach einer "echten" Reform vorbei, und bei allem Gejammere wird es früher oder später "echte Reformen oder Lösungen" geben müssen. Das Rumgeeiere geht mir langsam gehörig auf den Nerv. Jeder weiß im Grunde, das das Kind im Brunnen liegt aber alle laufen darum herum und krakelen, während das Kind ersäuft....und damit meine ich nicht Griechenland sondern den Euro. Mal sehen, wann einer mit dem Vorschlag kommt, Monopolygeld zu verwenden.
tobiash 24.05.2012
3. Ob Geuro...
Greuro oder Drachme, die neue Währung in GR wird immer eine Zweitwährung werden. So wie der Dollar in vielen ländern mit grassierender Inflation eine Zweitwährung ist, wird es in GR auch dem € ergehen. Diejenigen, die entweder massenhaft € auf dem Konto in der Schweiz oder aber langfistige Investitionsgüter wie Immobilien oder aber satte Aktienpakete haben, wird die Abwertung nicht weiter stören. Mit fallender Nationalwährung steigt einfach der Wechselkurs. Die wirklich Betroffenen sind die einfachen Bürger, die auf die monatlichen Zahlungen in GR€ angewiesen sind. Die Exporte werden einfacher, die Importe jedoch deutlich teurer. Und da GR fast alles (außer Sonne, Meer und Ouzo) importiert wird das Leben dann doppelt teuer. Die Abwertung kommt dann letztendlich einer Renten- und Lohnkürzung gleich. Die könnten die Greichen einfacher haben!
RioTokio 24.05.2012
4.
Griechenland benötigt mehr Zeit zum sparen? Hat das Land denn schon mit sparen richtig angefangen? Doch wohl eher nicht. Die Bevölkerung will es nicht. Der Staat kann es nicht. Griechenland hat nichts begriffen sonder will auf Kosten der anderen Europäer weiter vor sich hin dilettieren.. Mehr Zeit bringt da nur mehr Risiken - für den Rest Europas und vor allem für Deutschland... Die Griechen können sich nun entscheiden - hopp oder top!
byzopsycho 24.05.2012
5. es ist immer nocht nicht angekommen
Bei jeder Euro-Austritts These verschwindet aus Griechenland Kapital und taucht -welch Wunder- in Deutschland wieder auf, dies erfreut Herrn Schäuble sehr.. Die griechische Banken verlieren, sind gezwungen keine Kredite mehr zu bewilligen, weitere von Deutschland aufgezwungene Regeln erlauben keinen Spielraum. Deutschland ruiniert Griechenland ganz bewusst. Immer wenn der Euro-Austritt thematisiert und angedroht wird, wird die Lage für Griechenland immer prekärer. Die Drohungen kommen aus Berlin und werden von den Profiteuren aus Brüssel die Einheit mit Berlin vorgaukeln mitgetragen. Ein von vielen Resultate: Ein 60jähriger der seit 20 Jahren seine kranke Mutter pflegte, bat in Foren um Lösungen für seine schwierige Lage. Er war nicht Arm, er hatte viele Sachwerte aber er ist Krank und könnte nicht an Bares kommen und trotz den 22% Zinsbelastungen seiner Kreditkartenrechnungen wollte die Bank keine weitere Zahlungen mehr zulassen. Er konnte für sich und seine Mutter kein Essen und keine Medikamente kaufen. Er pflegte seine 90 Jahre alte Mutter 20 Jahre lang um Dank deutscher Europapolitik gestern aus der 5. Etage mit ihr in den Tod zu springen. Deutsche Europolitik ist sehr effizient, der griechische Staat kann nun über die Schachwerte verfügen und es an Deutschen Investoren für Lau veräussern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.