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Gemeinde in Sachsen-Anhalt: Lützen fürchtet Millionen-Überweisung der Deutschen Bank

Lützen steht ein Geldsegen ins Haus: Die Deutsche Bank muss dem 9000-Einwohner-Ort in Sachsen-Anhalt wohl 129 Millionen Euro Steuern nachzahlen. Doch die Gemeinde will das Geld lieber nicht annehmen.

Schloss Lützen (Archivbild): Geldsegen könnte den Ruin bringen Zur Großansicht
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Schloss Lützen (Archivbild): Geldsegen könnte den Ruin bringen

Es klingt paradox: Da erwartet die Gemeinde Lützen eine Steuernachzahlung in Höhe von 129 Millionen Euro von der Deutschen Bank - und die Gemeinde sucht händeringend nach einem Weg, das Geld bloß nicht zu bekommen.

Die Kommune nahe Naumburg fürchtet sich davor, das Geld nicht behalten zu dürfen, da die Deutsche Bank rechtlich gegen den Steuerbescheid vorgehen will. Im Lützener Ortsteil Sössen sitzt eine Tochterfirma der Deutschen Bank, die die Altersvorsorge der Mitarbeiter verwaltet.

Ein Deutsche-Bank-Sprecher bestätigte der "Mitteldeutschen Zeitung", dass das Institut Bescheide über die Nachzahlung von Gewerbesteuern für mehrere Jahre erhalten habe. Die Beträge seien strittig. Man sei bereit, die Summe zu zahlen - wolle das Geld dann aber bei einem Sieg vor Gericht zurückhaben.

Genau davor hat man in Lützen Angst: "Wenn sie sich in einem Rechtsstreit durchsetzt, müssen wir die 129 Millionen Euro plus Zinsen zurückzahlen", sagt Bürgermeister Dirk Könnecke gegenüber n-tv.de.

Zu der Rückzahlung kämen demnach acht Millionen Euro Zinsen pro Jahr. "Das wäre der wirtschaftliche Bankrott", sagt Könnecke. Nach MDR-Angaben hat die Gemeinde schon derzeit keinen ausgeglichenen Haushalt.

Zudem müsste Lützen 20 Millionen Euro Gewerbesteuerumlage an den Bund abführen - und würde diese auch nicht zurückbekommen, wenn die Deutsche Bank mit ihrem Protest erfolgreich ist.

Deshalb hofft Bürgermeister Könnecke, dass die Deutsche Bank die Steuern gar nicht erst überweist. Dazu müsste das Geldhaus bei der Gemeinde beantragen, dass der Vollzug des Bescheids ausgesetzt wird. Ein Antrag, der wohl in Windeseile genehmigt wäre.

ade/sep

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