Studie zu Deutschlands Banken Es geht noch schlechter

Commerzbank, Deutsche Bank und Co. sind die Problemfälle des Wirtschaftsbooms. Und 2019 verheißt nichts Gutes.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt
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Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt

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Es ist so verblüffend wie trist: Obwohl die deutsche Wirtschaft seit acht Jahren brummt, der Kredithunger der Unternehmen groß ist und dramatische Firmenpleiten ziemlich lange her sind, quälen sich die Banken hierzulande.

Eigenkapitalrendite, Kostenquote, Börsenbewertung: Wohin man auch schaut, Deutschlands Kreditinstitute rangieren am Tabellenende. Laut Bundesbank erreichen Sparkassen, Volksbanken und private Institute eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite von gerade einmal zwei Prozent. Die Gesamtzahl der Banken sowie der Filialen sank seit 2007 landesweit um 25 Prozent, die der Arbeitsplätze um 13,5 Prozent auf noch 573.000. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Besonders düster wird es beim Blick auf die Aktienkurse der Geldhäuser, allen voran Deutsche Bank und Commerzbank. Von einer "Katastrophe" spricht Walter Sinn, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Bain, die auch in diesem Jahr ihre große Bankenstudie veröffentlicht hat. Ihn schreckt vor allem das sogenannte Kurs-Buch-Verhältnis (KBV). Das setzt die Börsenbewertung der Institute (Kurs) ins Verhältnis zu deren Eigenkapital (Buch). Diese Quote beträgt für börsennotierte deutsche Banken gerade einmal 0,3 - das heißt, sie sind nicht einmal ein Drittel ihres Eigenkapitals mehr wert.

"Wer Aktien deutscher Banken kauft, kann kaum noch etwas falsch machen"

Diese deutliche Unterbewertung ist es auch, die Sinn immerhin etwas mutig in die Zukunft blicken lässt: "Wer Aktien deutscher Banken kauft, kann eigentlich kaum noch etwas falsch machen. Der Boden ist praktisch erreicht", sagt Sinn. Das sei auch der Grund dafür, dass sich etwa der amerikanische Finanzinvestor Cerberus sowohl bei der Commerzbank als auch der Deutschen Bank eingekauft hat und die HSH Nordbank ganz erworben hat - wenngleich letztere nicht börsennotiert war. Die ehemalige Landesbank verfügt über ein Portfolio fauler Schiffskredite , die der Finanzjongleur Cerberus meistbietend verkaufen will.

Etwas besser, allerdings erst auf den zweiten Blick, sieht es bei den anderen beiden großen Institutsgruppen aus, den Sparkassen und den Volksbanken. Offiziell betragen ihre Eigenkapitalrenditen ebenfalls schlappe 1,7 beziehungsweise 2,8 Prozent. Tatsächlich aber weisen sie den Großteil ihrer Gewinne gar nicht aus, sondern führen ihn der Rücklage für schlechte Zeiten zu. Allein 2017 flossen rund acht Milliarden Euro in den "Sonderposten für allgemeine Bankrisiken". Unter Berücksichtigung dieser Rücklagen sieht das Bild freundlicher aus: Sparkassen kommen so aktuell auf 6,5 Prozent Rendite, Volksbanken auf sieben Prozent. Deutlich mehr als die privaten Institute.

Allerdings: Die Zeiten werden absehbar schlechter. Denn schon im Herbstquartal 2018 war das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent gegenüber dem Sommerquartal gesunken. 2019 kommen der Brexit, der ein harter werden könnte, sowie vermutlich die nächsten Runden im globalen Handelsstreit mit den USA hinzu.

Sparkassen und Volksbanken, die nicht dem Druck des Kapitalmarktes ausgesetzt sind, werden eine mögliche Rezession besser abfedern können, als die beiden Frankfurter Großbanken, deren Aktien an der Börse notieren. Sie könnten trotz aller bereits eingepreisten Risiken weiter an Boden verlieren, weshalb eine Fusion von Commerzbank und Deutsche Bank weiterhin denkbar, wenn auch betriebswirtschaftlich eher unsinnig ist.



insgesamt 10 Beiträge
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gersois 18.12.2018
1. Wer Aktien deutscher Banken kauft, kann kaum noch etwas falsch machen
Also liebe Landsleute kauft die Aktien und macht aus der Deutschen Bank wieder eine deutsche Bank, bevor sie in die Hände von Katar gerät und an den Persischen Golf abwandert! [/ironie] Eine Bank, die so tief im internationalen Dreck gewühlt hat und die ihre Privatkunden so schlecht behandelt, gehört am besten aufgelöst und in die letzten noch brauchbaren Bereiche zerlegt, bevor irgendein Steuerzahler sie retten muss.
Marvin__ 18.12.2018
2. Aktien unterbewertet?
Die Bewertung von Aktien spiegelt die Erwartung der Investoren an die Zukunft von Unternehmen wieder, insbesondere das Vertrauen in die Vorhersagen der Firmenleitung in die Zukunft. Die katastrophalen Aktienkurse geben eine Einschätzung von Experten - der Experten, die ihr eigenes Kapital in ihre Prognosen investieren wieder. Nicht die PR der Banken oder ihrer bezahlten Jubeltruppen.
ctrader62 18.12.2018
3. Unterbewertete Deutsche Bank ?
Wann verkauft man ein Auto für 30.000 Eur, obwohl andere für 100.000 verkauft werden ? Nur dann, wenn wegen katastrophalen Zustand mit Reparaturen in Höhe von 70.000 Eur zu rechnen ist. Und das kann bei der Deutschen Bank noch viel zu optimistisch sein, wenn das Risiko von Fehlspekulationen in Billionenhöhe im Raum steht. Sie ist die gefährlichste Bank der Welt, das sagt nicht nur die amerikanische Bankensicht.
suedseefrachter 18.12.2018
4.
Spätestens seit OECD-CRS und dem Zugriff der deutschen Beamten auf deutsche Konten sind deutsche Banken zu meiden. Meine Konten laufen längst über meine Frau im Ausland. Deutschland wird Totalitär. Wenn Deutschland zuvor so ein Land mit absolutem Wohlstand gewesen wäre dann hätte man ja überhaupt keine Systemänderung bzw. Reformen benötigt, jedoch ächzt und krächzt das Land unter der Verwaltung und in Wirklichkeit sieht es wirtschaftlich überhaupt nicht so gut aus in Deutschland. Einige Wirtschaftszweite laufen noch akzeptabel, und diese sind verdonnert andere zu subventionieren. Die Landwirtschaftsförderungen sind im Grunde nur Maulkörbe für die landwirtschaftlichen Betriebe. Die Bauern wären schon längst gemeinsam auf der Straße und würden für gerechte Lebensmittelpreise kämpfen wenn sie keine Förderungen bekommen würden. Die Schweizer Banken sehen wohl ihre Felle davonschwimmen wenn die Engländer nicht mehr im Wirtschaftsraum sind (die Schweizer werden wohl dementsprechende Verbindungen mit dem Rest von Europa eingegangen sein, durch die Abnabelung von den Engländern werden erst mal die Würfel neu geworfen). England wird sich finanztechnisch dann wohl erst mal an Singapur, Hong-Kong, usw. orientieren. Das neu mischen der Karten wird die ersten Jahre über sicherlich einige Leute reich machen, und anderen die Existenz vernichten (jede Aktion hat Vor und Nachteile).
giostamm11 18.12.2018
5. was im Artikel fehlt
sind Vergleiche mit anderen Staaten und die Information zum Derivatensumpf der DeBa, der nach wie vor NICHT gelöst ist. Die deutschen Grossbanken haben nicht nur massivst an Marktwert verloren, sondern haben im letzten Stresstest wesentlich schlechter abgeschnitten als die italienischen Grossbanken. Deutschland hat heute von allen G7 Staaten bei weitem das schlechteste Bankwesen. Das ist erstaunlich zumal kein anderer kontinentaleuropäischer Staat die Banken mehr gestützt hat als Deutschland und Deutschland eine lange Boomphase hinter sich hat. Das ist ein Armutszeugnis für die Banken und für die deutsche Finanzpolitik. Wie schlecht wird es erst sehen wenn bald die Rezession kommt? Man darf von der DeBa getrost vom kranken Mann Europas sprechen. Dagegen sind Unicredit und Intesa erstklassig
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