Hamburg - Die Fusion sollte der größte Aktienhandelsplatz der Welt schaffen - jetzt müssen die Deutsche Börse und die New Yorker Stock Exchange ihre Pläne offenbar endgültig begraben. Laut "Financial Times Deutschland" will die EU-Kommission den Zusammenschluss der beiden Börsen verbieten.
Formal wird erst am 1. Februar abgestimmt. In einem Vortreffen am Dienstag hätten sich aber bereits 25 der insgesamt 27 Kommissare gegen den Zusammenschluss zur weltgrößten Börse ausgesprochen, berichtet die Zeitung. Die Abstimmung könnte die Vorentscheidung sein, den Zusammenschluss endgültig zu blockieren.
Die Fusion hätte die größte, stärkste Börse der Welt geschaffen - einen Giganten mit einem Kapitalwert von fast 26 Milliarden Dollar, mehr als 6400 Angestellten und Handelsplätzen in 16 Ländern. Doch in der EU war der Deal zuletzt immer stärker in die Kritik geraten.
Laut "Financial Times" hatte Joaquín Almunia den Zusammenschluss Mitte Januar heftig kritisiert. Die neue Megabörse hätte ein Monopol auf dem europäischen Derivatemarkt, argumentiert der EU-Wettbewerbskommissar. Beide würden nach einem Zusammenschluss mehr als 90 Prozent der börslich gehandelten Derivate in Europa auf sich vereinen.
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Börse kritisiert diese Argumentation. Dass mehr als 90 Prozent aller weltweit gehandelten Derivate außerbörslich - also direkt zwischen Käufer und Verkäufer - gehandelt werden, blende Almunia einfach aus, sagte Manfred Gentz.
Der Vorstandschef der New Yorker Börse NYSE Euronext hat kaum noch Hoffnung für das Gelingen der Fusion. "Man muss realistisch sein. Die Chancen sind ziemlich klein. Nicht null, aber klein", sagte Duncan Niederauer der niederländischen Zeitung "Het Financieele Dagblad".
Die Aktien der Deutschen Börse gewannen am Donnerstag trotz der neuen Negativnachrichten kräftig an Wert, teils stiegen sie um mehr als vier Prozent. Am Markt setze sich die Meinung durch, dass die Deutsche Börse eigenständig erfolgreicher sein werde als in einem Verbund mit dem US-Wettbewerber, sagte ein Händler.
ssu/dpa-AFX/dapd
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