Von Stefan Schultz
Es ist nur ein Punkt, der im Entwurf für das Energiekonzept auf Seite 23 steht - doch dieser unscheinbare Satz birgt enorme Sprengkraft. Die Regierung schreibt, sie wolle "Zugangsschwellen für die Teilnahme der erneuerbaren Energien an den Regel- und Ausgleichsenergiemärkten abbauen".
Unter Regelenergie versteht man jenen Strom, den die Versorger bereitstellen, um Schwankungen in den Netzen bis in den Millisekundenbereich hinein auszugleichen. Die Bereitstellung der Regelenergie ist ein Milliardenmarkt - und dieser wird bisher fast komplett von den vier großen Energiekonzernen abgedeckt.
Das liegt vor allem an den Vorgaben, die Regelenergie-Versorger beachten müssen. Bislang müssen sie meist vier Wochen im Voraus ankündigen, wie viel Regelenergie sie bereitstellen. Und sie müssen, je nach Reaktionszeit zur Bereitstellung der Regelenergie, eine Mindestleistung von 5 bis 15 Megawatt erbringen.
Mehr Verantwortung im Energiesystem
Wind- und Solarenergie können diese Vorgaben nicht erfüllen. Die Betreiber können nicht vier Wochen im Voraus sagen, wie viel Wind weht oder wie viel Sonne scheint. So gut sind die Wetterprognosen nicht. Kaum ein Ökoanbieter kommt außerdem auf eine Leistung von 5 bis 15 Megawatt.
Künftig sollen sich die Vorgaben daher ändern. So könnte die Regierung die Bietfrist für Regelanbieter von einer Woche auf einen Tag verkürzen. Sieht ein Windbetreiber dann in seiner Wetterprognose, dass in der Nähe eines Offshore-Parks ein Sturm auffrischt, kann er sich als Regelanbieter zur Verfügung stellen. Kann er die Vorgaben nicht erfüllen, kann er den nötigen Regelstrom notfalls an der Strombörse kaufen.
Dass die Regierung die erneuerbaren Energien als Regelenergie nutzen will, hält Sterner für bahnbrechend. "Die erneuerbaren Energien könnten dadurch mehr Verantwortung im Energiesystem übernehmen." Imstande dazu seien viele schon jetzt.
Gleichzeitig wird die Bedeutung konventioneller Energien zurückgedrängt. Übernehmen Wind und Sonne zentrale Funktionen im Energiesystem, haben es Atom- und Kohleriesen schwerer, damit zu drohen, dass ohne sie das Licht ausgeht.
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