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08. Juni 2012, 08:40 Uhr

Sinkende Ausfuhren

Euro-Krise würgt deutsche Exporte ab

Deutschlands Wirtschaft verliert an Fahrt: Die Exporte sind im April deutlich gesunken. Besonders stark gingen die Ausfuhren in andere europäische Länder zurück. Die Aussichten für die kommenden Monate sind schlecht - denn auch in wichtigen Absatzmärkten wie Indien und China schwächelt die Konjunktur.

Berlin - Die deutschen Exporte sind zum ersten Mal in diesem Jahr gesunken. Im April verkauften die Unternehmen 1,7 Prozent weniger ins Ausland als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Der exportabhängigen Industrie brachen die Auslandsaufträge im April um 3,6 Prozent weg. Insgesamt setzten die Unternehmen im April 87,1 Milliarden Euro um. Im Vergleich zum Vorjahr immerhin verbuchte die deutsche Exportwirtschaft ein leichtes Plus von 3,4 Prozent.

Hauptgrund für die Wachstumsdelle war die Schuldenkrise und Rezession in zahlreichen europäischen Ländern. Während die Ausfuhren in die Euro-Länder um 3,6 Prozent sanken, legten sie in die Länder außerhalb der Europäischen Union um 10,3 Prozent zu.

In den kommenden Monaten könnten die Ausfuhren nach Übersee indes ebenfalls sinken. Denn zuletzt lief es auch in den boomenden Schwellenländern deutlich schlechter: China dürfte in diesem Jahr so langsam wachsen wie seit 1999 nicht mehr, Indiens Bruttoinlandsprodukt legte zuletzt so schwach zu wie seit neun Jahren nicht .

Das deutsche Wirtschaftswachstum dürfte dadurch insgesamt abflauen. Es ist stark von den Exporten abhängig. Im vierten Quartal 2011 lag der Anteil der Ausfuhren an der gesamten Wirtschaftsleistung bei 50,6 Prozent.

Importe fallen ebenfalls stark

Auch die deutschen Importe fielen im April überraschend stark - um insgesamt 4,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Das war der stärkste Rückgang seit zwei Jahren. Insgesamt wurden Waren im Wert von 72,7 Milliarden Euro eingeführt, ein Prozent weniger als ein Jahr zuvor. "Der starke Importrückgang hängt mit dem schwächeren Ölpreis zusammen", sagte Jürgen Michels, Analyst bei Citigroup. "Das ist kein Signal für eine schwächere Binnennachfrage."

Die deutsche Handelsbilanz - die Differenz zwischen Exporten und Importen - wies einen bereinigten Überschuss von 16,1 Milliarden Euro aus.

Das Verarbeitende Gewerbe setzte im April deutlich weniger um als im Vormonat. Von März auf April sank der Gesamtumsatz um 1,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Besonders stark gingen die Umsätze im Ausland zurück, hier sanken sie um 1,9 Prozent. Trotz Schuldenkrise legte der Umsatz mit Abnehmern aus den Euro-Ländern um 1,6 Prozent zu, im restlichen Ausland sank er jedoch deutlich um 4,2 Prozent. Der Inlandsumsatz sank unterdessen leicht um 0,8 Prozent.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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