Halbjahresbilanz Deutsche Exporte trotzen dem Handelsstreit

Deutschlands Wirtschaft schwächelt am Ende des ersten Halbjahres: Die Exporte stagnieren, die Produktion schrumpfte. Angesichts des Handelsstreits mit den USA ist die Bilanz aber recht gut.

Container-Terminal in Bremerhaven (Archivbild)
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Container-Terminal in Bremerhaven (Archivbild)


Die deutsche Wirtschaft hat am Ende des ersten Halbjahres etwas geschwächelt: Die Exporte stagnierten im Juni, während die Produktion sogar schrumpfte. Die Importe legten um 1,2 Prozent zu.

"Im Juni geht es bei der Produktion - nach der erfreulichen Entwicklung im Vormonat - wieder etwas bergab. Dies dürfte allerdings auch eine Gegenreaktion auf die starke Entwicklung im Vormonat darstellen", sagte der Ökonom Marco Wegner von der Commerzbank.

Alexander Krüger, Ökonom beim Bankhaus Lampe, nannte die Werte mit Blick auf den Handelsstreit mit den USA "kein schönes Ergebnis, aber es hätte schlimmer kommen können".

Die Gesamtbilanz für das erste Halbjahr fiel indes deutlich besser aus. Vor allem die vielen Aufträge aus Europa kurbeln die Geschäfte der deutschen Exportwirtschaft an. Im ersten Halbjahr gingen Waren "Made in Germany" im Wert von 662,8 Milliarden Euro in alle Welt.

Das waren 3,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Besonders deutlich stiegen die Ausfuhren in die Länder der Europäischen Union - mit plus 5,4 Prozent. Im Handel außerhalb der EU gab es ein Plus von 1,9 Prozent.

Noch stärker als die Exporte legten nach einem Rekordwert im Juni die Importe zu. Sie stiegen in den ersten sechs Monaten um 4,8 Prozent auf 541,3 Milliarden Euro. Im Juni erreichten die Einfuhren mit 93,7 Milliarden Euro den Angaben zufolge den höchsten nachgewiesenen Monatswert. Die Ausfuhren stiegen im Juni um 7,8 Prozent auf 115,5 Milliarden Euro.

Trotz einer Annäherung ist der Handelskonflikt zwischen der Europäischen Union (EU) und den USA noch nicht ausgestanden. Zugleich spitzt sich der Streit zwischen Washington und Peking zu. Das könnte auch deutsche Firmen treffen, die in China produzierte Waren in die Vereinigten Staaten ausführen.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

"Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert."

ssu/dpa/Reuters



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Bibs1980 07.08.2018
1. Grundproblem weiter massiv
So, die Exporte übersteigen allein im Juni 2018 um 120 Mrd. Euro. Das heisst, im Ausland existieren Defizite in gleicher Höhe neu. NEU! 120Mrd! Nur im Juni 2018! Der auf dem Rücken der Beschäftigten (Stichworte Lohnverzicht, zu niedrige Tarifabschlüsse zur Arbeitsplatzsicherung) und der europäischen Nachbarn (Stichwort Lohnstückkostenentwicklung) erkaufte wirtschaftliche Boom geht ungebremst weiter - Vollgas in den großen Knall. Diese gigantischen Werte existieren nur als Forderungen im Ausland. Unter'm Strich haben die Menschen in anderen Ländern unsere Waren konsumiert aber noch nicht bezahlt. Jeder kann nachschauen, auf wieviel sich das seit 2002 summiert hat. Die Menschen in Deutschland haben nichts davon außer dass sie dafür gearbeitet haben für gut 20% zu niedrige Löhne. Aber wieso parken wir im Monat 120 Mrd. Forderungen im Ausland in der Hoffnung auf Rendite? Wenn Defizite (=Schulden) notwendig sind, um ein Ungleichgewicht auszugleichen, wieso nicht die Schulden im Inland entstehen lassen? Was könnten wir mit 1400 Mrd im Jahr so alles anfangen...zur Erinnerung, der komplette Bundeshaushalt 2018 beträgt weniger als 350 Mrd. Also mir würde da sehr viel einfallen. Und bevor jemand heult: Die absolute Zahl des Schuldenstands ist dabei irrelevant, da dem eben auch Vermögen in gleicher Höhe gegenüber. Schulden kann man nur reduzieren, wenn man Vermögen reduziert. Das ist alles einfache Buchrechnung.
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