Deutsche Finanzhilfen: Der Preis der Euro-Rettung

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Griechenland, Portugal, Irland und nun auch noch die Banken: In der Euro-Krise müssen die deutschen Steuerzahler für alle möglichen Risiken einstehen. Bisher hat Deutschland zwar noch kein Geld verloren - doch im schlimmsten Fall stünden Hunderte Milliarden auf dem Spiel.

Luxemburgs Premier Juncker (l.), Frankreichs Präsident Sarkozy und die Kanzlerin: Euro-Rettung wird von Gipfel zu Gipfel teurer Zur Großansicht
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Luxemburgs Premier Juncker (l.), Frankreichs Präsident Sarkozy und die Kanzlerin: Euro-Rettung wird von Gipfel zu Gipfel teurer

Hamburg - Noch ist die Euphorie nach dem EU-Gipfel riesengroß. Schon bald aber könnte Ernüchterung eintreten. Denn mit jedem Gipfel seit Beginn der Euro-Krise ist die Rettung der Währungsunion teurer geworden: Erst musste Griechenland gestützt werden, dann Portugal und Irland, und jetzt sind es auch noch Finanzinstitute, für die der deutsche Steuerzahler haften muss. Unvorstellbare Summen haben sich in den vergangenen knapp zwei Jahren angehäuft.

Doch wie viel Geld hat Deutschland für die Euro-Rettung bisher bereitgestellt? Und ist davon schon etwas für immer verloren? Ein Überblick.

Von den 110 Milliarden Euro aus dem ersten Griechenland-Hilfspaket vom Mai 2010 trägt Deutschland 22,4 Milliarden Euro. 13,5 Milliarden davon sind bereits ausgezahlt. Bei dem Geld handelt es sich um Kredite, die verzinst und zurückgezahlt werden müssen. Geht alles glatt, verdient Deutschland also sogar daran.

Für den insgesamt 778 Milliarden Euro umfassenden Rettungsfonds EFSF stellt Deutschland Garantien in Höhe von 211 Milliarden Euro zur Verfügung. Dabei handelt es sich um eine Art Bürgschaft: Der EFSF leiht sich Geld an den Kapitalmärkten, das er an Krisenländer wie Portugal oder Irland weiterverleiht - und Deutschland garantiert zusammen mit anderen Staaten dafür, dass der Fonds das Geld auch zurückzahlen kann.

Fällig werden die 211 Milliarden Euro nur, wenn etwas schiefgeht: wenn also zum Beispiel ein gestütztes Krisenland seine EFSF-Kredite nicht zurückzahlt und der Fonds deshalb in Geldnot gerät. Mit der geplanten Hebelung des Fonds steigt die Gefahr, dass im Notfall nicht nur ein Teil des Geldes weg ist, sondern alles.

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Mitte 2013 soll der dauerhafte Euro-Krisenmechanismus ESM den EFSF ersetzen. Er soll mit 80 Milliarden Euro Barkapital und zusätzlich mit 620 Milliarden Euro Garantien ausgestattet werden. Deutschland muss dabei 168 Milliarden Euro Garantien stellen und knapp 22 Milliarden Euro Barkapital, das schrittweise zwischen 2013 und 2017 eingezahlt werden soll. Die Kredite und Garantien, die der EFSF bis dahin vergeben hat, sollen ebenso in den ESM übertragen werden wie die Staatsanleihen, die der Übergangsfonds kauft.

Wenn alles gutgeht, verliert der deutsche Steuerzahler also kein Geld, sondern verdient sogar noch etwas an den Zinsen für die Kredite.

Im schlimmsten Fall allerdings können die Garantien und die Kredite weg sein. Dazu müsste es aber ganz dicke kommen:

Käme es zu einer solchen Welle von Staatspleiten in Europa, wäre dies für Deutschland allerdings noch erheblich teurer. Durch die Kreditausfälle und fällig werdenden Garantien entstünden so hohe Belastungen, dass Deutschlands Top-Rating in Gefahr geriete. Die Kosten für die Aufnahme neuer Kredite würden steigen, weil die Investoren höhere Zinsen verlangen würden.

Auch über die Europäische Zentralbank (EZB) könnten in einem solchen Horrorszenario zusätzliche Kosten auf Deutschland zukommen. Die EZB hat in der Krise bisher Staatsanleihen von Euro-Krisenländern im Volumen von knapp 170 Milliarden Euro am Markt aufgekauft. Fielen diese Anleihen ganz oder teilweise aus, müsste die Zentralbank von ihren Eignern, den Euro-Ländern, möglicherweise rekapitalisiert werden. Und Deutschland müsste dabei den größten Anteil tragen.

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insgesamt 184 Beiträge
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1. Ja aber dafür
inqui 27.10.2011
Zitat von sysopGriechenland, Portugal, Irland*und nun auch noch die Banken: In der Euro-Krise müssen die deutschen Steuerzahler für alle möglichen Risiken einstehen. Bisher hat Deutschland zwar noch kein Geld verloren - doch*im schlimmsten Fall stünden Hunderte Milliarden auf dem Spiel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,794449,00.html
wird doch die alternativlos mächtigste Frau der Welt so frenetisch als Sprengmeisterin bejubelt wie seinerzeit Stalin
2. Endlich!
pragmat 27.10.2011
Zitat von sysopGriechenland, Portugal, Irland*und nun auch noch die Banken: In der Euro-Krise müssen die deutschen Steuerzahler für alle möglichen Risiken einstehen. Bisher hat Deutschland zwar noch kein Geld verloren - doch*im schlimmsten Fall stünden Hunderte Milliarden auf dem Spiel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,794449,00.html
Endlich hat auch SPON realisiert, dass der EFSF, "Rettungsschirm", eine Tauschbörse für faule Anleihen ist. Das hat gemeinsam mit Frau Merkel einiege Monate gedauert. Man gratuliert!
3. Ich habe nicht das Gefühl,
Igelnatz 27.10.2011
Zitat von inquiwird doch die alternativlos mächtigste Frau der Welt so frenetisch als Sprengmeisterin bejubelt wie seinerzeit Stalin
dass Frau Merkel da nun besonders stolz darauf ist. Welche der Alternativen inklusive gar nichts tun = Staatspleite GR nun die günstigste ist, kann doch ehrlicherweise keiner wissen. Stalin hat damit und auch mit Frau Merkel rein gar nichts zu tun. Sonst bitte ich Sie um Argumente! Danke
4. Natuerlich wird Deutschland massiv Milliarden verlieren
mark anton 27.10.2011
Zitat von sysopGriechenland, Portugal, Irland*und nun auch noch die Banken: In der Euro-Krise müssen die deutschen Steuerzahler für alle möglichen Risiken einstehen. Bisher hat Deutschland zwar noch kein Geld verloren - doch*im schlimmsten Fall stünden Hunderte Milliarden auf dem Spiel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,794449,00.html
dazu hat es sich mit der Merkel/Schaeuble Regierung zu tief in den Schuldensumpf verhakt, die Garantien sind gigantisch und wuerden fuer Generationen auf dem Steuerzahler lasten. Es wird Zusammenbrueche und noch mehr "Ueberraschungen" geben, auch unvorhergesehene. Der Grund ist, zu viele Menschen, zu hoehe Anspruechen zu hohe Sozialleistungen, zu wenig Rueckgrat von Politikern angesichts der naechsten Wahlen einmal deutlich NEIN sagen zu koennen.
5. Genau lesen
Meckermann 27.10.2011
---Zitat--- Fällig werden die 211 Milliarden Euro nur, wenn etwas schiefgeht: Wenn also zum Beispiel ein gestütztes Krisenland seine EFSF-Kredite nicht zurückzahlt und der Fonds deshalb in Geldnot gerät. ---Zitatende--- Bezeichnend, dass hier das Wort "wenn" und nicht "falls" verwendet wird.
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Ist der Euro jetzt gerettet?


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Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung
Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fakten zur Euro-Zone

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