Luftfahrt Fluglotsen verteidigen ihre Frührente

Die Lotsen der staatseigenen Deutschen Flugsicherung haben nach SPIEGEL-Informationen gut verhandelt - und dürfen weiter zu üppigen Bezügen mit 55 Jahren den Dienst quittieren.

Tower des Flughafens Frankfurt
picture alliance / dpa

Tower des Flughafens Frankfurt


Es war einer der größten Streitpunkte im bislang härtesten Tarifstreit der Lufthansa-Geschichte: Der Konzern hatte Ende 2013 den Tarifvertrag für die Frühverrentung seiner Piloten einseitig gekündigt, um das Durchschnittalter der Flugzeugführer, die einen Antrag auf die sogenannte Übergangsversorgung stellen, von 55 auf rund 60 Jahre zu erhöhen. Bei der Lufthansa ist die Neuregelung seit einem vor gut einem Jahr erzielten Kompromiss mit den Flugzeugführern inzwischen in Kraft.

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Und was machen die Lotsen der staatseigenen Deutschen Flugsicherung (DFS), die sich überwiegend aus Gebühren ihrer Kunden, der Airlines, finanziert? Weiter wie bisher. Auch ihre Hausgewerkschaft hat kürzlich einen Tarifabschluss mit der Geschäftsleitung erzielt. Der fiel allerdings deutlich besser aus als bei der Lufthansa, und das ohne Streik. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Die Luftraumüberwacher können ihren Dienst weiterhin mit 55 Jahren quittieren und acht Jahre lang rund 70 Prozent ihres letzten Bruttogehalts kassieren. Wer will, kann sogar noch früher aufhören, muss allerdings Abschläge in Kauf nehmen.

Der Markt für die hochqualifizierten, in dreidimensionalem Denken geschulten Schichtdienstkräfte ist offenbar so eng, dass der DFS-Geschäftsführung unter dem ehemaligen Berliner Verkehrsstaatssekretär Klaus-Dieter Scheurle nichts Anderes übrigblieb, als zuzustimmen.

Immerhin profitiert auch das Unternehmen von der Neufassung. Während frühere Aspiranten auf die Übergangsversorgung ihren Arbeitgeber gerade mal sechs Monate vorher über ihre Pläne informieren mussten, gilt für künftige Generationen nun eine Vorlaufzeit von drei Jahren.

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
heiner_bachmann 05.05.2018
1.
Sehr geehrte Frau Deckstein, mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel über unsere Berufsgruppe gelesen. Inhaltlich ist er im Großen und Ganzen korrekt dargestellt, aber leider nicht vollständig: Richtig ist, daß wir mit 55 in die Übergangsversorgung gehen können, richtig ist, daß sie nach 8 Jahren endet. Was in Ihrem Artikel allerdings fehlt ist folgender Umstand: Wir müssen, ja müssen mit 63 die Altersrente beantragen, obwohl unser Regeleintrittsalter zur BfA Rente bei z.B. 65 und 9 Monaten oder später liegt. Das bedeutet einen Abzug pro Monat von 0,3% von der Rente und dies dauerhaft bis zum Lebensende.Dies wären in dem o.g. Beispiel 31x0,3% = 9,3%. Ich hoffe, mit meinen Ausführungen geholfen zu haben. Mit freundlichen Grüßen Heiner Bachmann Von meinem iPad gesendet
yvowald@freenet.de 05.05.2018
2. Sonderreglung für Flugsicherungsbeschäftigte vertretbar
Zitat von heiner_bachmannSehr geehrte Frau Deckstein, mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel über unsere Berufsgruppe gelesen. Inhaltlich ist er im Großen und Ganzen korrekt dargestellt, aber leider nicht vollständig: Richtig ist, daß wir mit 55 in die Übergangsversorgung gehen können, richtig ist, daß sie nach 8 Jahren endet. Was in Ihrem Artikel allerdings fehlt ist folgender Umstand: Wir müssen, ja müssen mit 63 die Altersrente beantragen, obwohl unser Regeleintrittsalter zur BfA Rente bei z.B. 65 und 9 Monaten oder später liegt. Das bedeutet einen Abzug pro Monat von 0,3% von der Rente und dies dauerhaft bis zum Lebensende.Dies wären in dem o.g. Beispiel 31x0,3% = 9,3%. Ich hoffe, mit meinen Ausführungen geholfen zu haben. Mit freundlichen Grüßen Heiner Bachmann Von meinem iPad gesendet
Ihre Ausführungen sind korrekt. Es wird - wie fast immer - sehr oberflächlich berichtet. Es werden Fakten verwechselt oder unterschlagen. Flugsicherung-Beschäftigte haben einen sehr verantwortungsvollen Job, der mit den meisten sonstigen beruflichen Funktionen kaum vergleichbar ist. Also ist eine Sonderregelung bei der Altersrente richtig und vertretbar.
sail118 06.05.2018
3. Die Flugsicherung kann sich das leisten
Ein formal privates, de facto staatliches Monopolunternehmen, dass zwanglos die Gebühren anheben kann, wenn man mit den Kosten mal nicht hinkommt.
mucin77 07.05.2018
4. Neiddebatte?
Ich verstehe diesen leicht süffisanten Unterton nicht der sich durch den ganzen Artikel zieht. Will etwa jetzt auch der Spiegel eine Neiddebatte anzetteln?! Die Autorin sollte sich vielleicht fragen, ob sie sich wohl fühlt, wenn das Flugzeug in dem sie sich gerade befindet von Greisen geflogen wird, die wiederum von Greisen am Boden, die nicht wirklich mehr wissen was sie machen gesteuert und überwacht werden.
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