Hamburg - Der oberste Währungshüter der Euro-Zone ist bei den Deutschen nicht sonderlich beliebt. Laut einer "Stern"-Umfrage haben 42 Prozent der Bürger kein oder nur geringes Vertrauen in Mario Draghi, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB). Nur 18 Prozent der Deutschen schätzen ihn. 31 Prozent kennen Draghi demnach nicht, weitere neun Prozent haben keine Meinung zu ihm. Damit lehnt eine relative Mehrheit der Befragten den EZB-Chef ab. Insgesamt wurden rund tausend repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger befragt.
Besonders kritisch wird der EZB-Präsident von den Wählern der Linken gesehen: Laut der Umfrage sagen 62 Prozent, sie hätten kein Vertrauen in ihn. Am besten schneidet Draghi bei den Wählern der Grünen ab: 32 Prozent stehen hinter ihm, 39 Prozent haben kein Vertrauen.
Am Donnerstag wird der EZB-Chef voraussichtlich Regeln für einen Ankauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder bekanntgeben. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann lehnt den Kurs strikt ab. Seine Haltung wird von weiten Teilen der Bevölkerung geteilt. Einer ARD-Umfrage zufolge sehen 39 Prozent die Aufgabe der Notenbank allein in der Bewahrung der Preisstabilität.
Der EZB-Rat entscheidet auch über den Leitzins. Eine Zinssenkung auf 0,5 Prozent ist nach Informationen von Notenbank-Insidern aber eher unwahrscheinlich. Draghi wird die Gründe für den Beschluss und Details des neuen Anleiheprogramms um 14.30 Uhr erläutern. Vor allem die Akteure an den Finanzmärkten werden genau auf jedes Wort achten. Sollte die EZB die hohen Erwartungen der Investoren enttäuschen, könnte es an den Börsen zu Kursverlusten kommen.
Draghi hatte vergangenen Monat angekündigt, dass er mit Anleihenkäufen sicherstellen will, dass die Geldpolitik der EZB nicht durch die Krise und ihre Auswirkungen an den Märkten konterkariert wird. Nach Ansicht der EZB preisen die Finanzmärkte bei Problemländern wie Spanien und Italien nämlich nicht nur deren schlechtere Bonität im Vergleich zu Deutschland ein, sondern auch ein Wechselkursrisiko, das es in einer Währungsunion eigentlich nicht geben sollte. Da somit an den Börsen auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone gewettet werde, müsse die Zentralbank sich dem entgegenstellen, warnte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen.
Rajoy: Zinsen für Spanien wegen Zweifeln am Euro hoch
Die sehr kleine Fraktion um Weidmann hält nichts von dieser Logik. Der Bundesbank-Chef verweist auf die Gefahren, die bei einer extrem laxen Geldpolitik drohen. Zudem kritisiert er, dass die EZB durch die Anleihenkäufe den Druck von der Politik nehmen würde, echte Reformen umzusetzen.
Kanzlerin Angela Merkel reist am Donnerstag nach Madrid zu einem Treffen mit Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy. Der konservative Premier kündigte an, Merkel auf den EZB-Kurs einschwören zu wollen. "Es ist jetzt besonders wichtig, dass sich die ganzen Unsicherheiten um den Euro auflösen und wir uns wieder zu vernünftigeren Zinsen finanzieren können", sagte Rajoy der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Die Zinsen für spanische Anleihen seien mit etwa 6,8 Prozent um zwei Prozentpunkte zu hoch. Das spiegelt Rajoy zufolge nicht den Zustand der spanischen Wirtschaft wider. Grund sei vielmehr "der Zweifel am Euro". Deshalb beharre er auf einer raschen Lösung.
cte/Reuters/dpa
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