Finanzen Deutsche Industrie fordert GroKo zu mehr Investitionen auf

Die Wirtschaft macht Druck auf die Bundesregierung. Schwarz-Rot müsse mehr Geld in die Hand nehmen, fordert der Industrieverband BDI. Es gebe derzeit einen "historisch einmaligen Spielraum für Zukunftsinvestitionen".

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Er werde die schwarze Null halten und dennoch Geld für Zukunftsinvestitionen locker machen, hat Finanzminister Olaf Scholz bei seinem ersten Haushaltsentwurf versprochen. Doch aus Sicht der großen Unternehmen in Deutschland setzt der SPD-Minister zu sehr aufs Sparen. "Es ist kontraproduktiv, den historisch einmaligen Spielraum für Zukunftsinvestitionen ungenutzt verstreichen zu lassen", kritisierte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang. Die derzeit gute Konjunktur werde nicht automatisch so weiterlaufen.

"Deutschland muss Wachstum und Innovation fördern, statt sich auf sozialpolitische Umverteilung zu konzentrieren", sagte Lang. Für die Kritiker von Finanzminister Scholz dürfte der kommende Mittwoch wieder Argumente liefern. Dann werden die Ergebnisse der neuen Steuerschätzung vorgestellt. Erwartet werden steigende Einnahmen im Vergleich zur Herbst-Schätzung.

BDI-Vertreter Lang sagte, die Regierung solle die erwarteten Rekordeinnahmen der öffentlichen Haushalte weitaus stärker für Investitionen nutzen. Auch die Steuerbelastung der Firmen müsse sinken. "Bislang lässt die Bundesregierung die Unternehmen links liegen", sagte Lang. "Das muss sich ändern. Die Koalition muss noch in diesem Jahr den Einstieg in die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung schaffen."

Auch Ökonomen warnen, die schwarz-rote Bundesregierung müsse eine Balance zwischen Sparen und Investitionen finden. Auch in Brüssel sieht man den Kurs von Scholz kritisch. EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici sagte, Deutschland habe durchaus Spielräume, um zu investieren.

mmq/dpa

insgesamt 73 Beiträge
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marthaimschnee 06.05.2018
1. au ja, bitte!
Die Unternehmen brauchen natürlich noch sehr viel mehr von UNSEREN(!!!) Steuergelder (die selber zahlen ja kaum welche), damit sie noch viel mehr ins Ausland exportieren können und UNS nichts davon abgeben müssen.
dekorte 06.05.2018
2. Unglaublich
Die deutsche Industrie: Seit Jahren schon wird auf Seiten der Industrie viel zu wenig in Deutschland investiert. Die Produktivitätszuwächse stagnieren. Statt in neue Anlagen und Maschinen zu investieren, werden lieber Billiglöhner eingestellt, die die Arbeitsschritte durchführen. Das gefährdet mittel bis langfristig die Wirtschaft und die Arbeitsplätze. Und genau die fordern von Staat was sie selbst nicht tun. Erbärmlich.
Profdoc1 06.05.2018
3. Herr Scholz....
setzt hier die falschen Prioritäten. Zugegeben etwas provokativ, aber er muss jetzt die Investitionen in Infrastruktur, Technologie, Bildung, etc. forcieren. Die schwarze Null ist wichtig, aber ein Staat muss anders reagieren als ein Privathaushalt. Deshalb ist eine Sparphase auch im EU-Kontext als kritisch im volkswirtschaftlichen Sinne zu betrachten. Vielleicht ist das Amt sowohl für einen Badener wie jetzt für einen ehemaligen Bürgermeister zu groß.
Sixpack, Joe 06.05.2018
4. "steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung schaffen."
Das bitte nicht Herr Scholz! Was heute in der Industrie ´Qualitätsmanager´ sind, sind morgen ´Forschung und Entwicklungsmanager´ und können ihr Gehalt steuerlich absetzen. Derartige Subventionen braucht die Industrie nun wirklich nicht.
mori1982 06.05.2018
5. Wo ist das Problem?
Für mich ist sparen an sich eine Investition in die Zukunft, so wie gefordert. Wir zahlen jedes Jahr 37 MRD an Zinsen, diese Investitionsumme lässt sich doch sehr gewiss besser nutzen. Auf der einen Seite wird vor Umverteilung gewarnt und zwei Sätze später wird Umverteilung zugunsten anderer Nutznießer gefordert. Klasse Argumentation.
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