Konjunktur in Deutschland Produktion flop, Export topp

Die deutsche Konjunktur gibt Rätsel auf: Die Unternehmen verkauften im September so viel ins Ausland wie nie zuvor in einem Monat. Schwach fielen dagegen die Produktionszahlen des verarbeitenden Gewerbes aus.

Container-Terminal in Hamburg: Volkswirte vom Exporterfolg überrascht
DPA

Container-Terminal in Hamburg: Volkswirte vom Exporterfolg überrascht


Wiesbaden - Die Welt verlangt wieder nach deutschen Waren - trotz Ukraine-Krise, Russland-Sanktionen und der kriegerischen Konflikte in Syrien und Irak. Und trotz der Wachstumsschwäche in China. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts vom Freitag lagen die Ausfuhren im September 5,5 Prozent höher als einen Monat zuvor. Deutsche Unternehmen exportierten damit Waren im Wert von 102,5 Milliarden Euro - so viel wie noch nie in einem Monat.

Noch im August war der Export eingebrochen und reihte sich damit in eine Reihe überraschend schwacher Konjunkturzahlen aus der größten Volkswirtschaft der Eurozone ein, die zu einigen Turbulenzen an den Märkten führten. Am Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank wegen des mickrigen Wachstums und der niedrigen Inflation in der Eurozone bereits eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht gestellt.

Dem Exporterfolg stehen allerdings schwache Zahlen bei der Industrieproduktion gegenüber. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts lag die Herstellung des Verarbeitenden Gewerbes im September 1,4 Prozent höher als im Vormonat. Bankvolkswirte hatten dagegen einen Zuwachs um 2,0 Prozent erwartet.

Zudem blieb der jüngste Anstieg hinter dem Minus vom August zurück, das allerdings deutlich schwächer als zunächst ermittelt ausfiel. Das Bundesamt korrigierte den Rückgang um 0,9 Punkte auf nunmehr 3,1 Prozent.

Ermutigende Signale

"Die Daten aus Deutschland zeigen, dass in der größten Wirtschaft der Eurozone nicht alle Zeichen auf Untergang stehen. Die Erholung der Herstellung reicht aber wahrscheinlich nicht aus, alle Rezessionsängste loszuwerden", kommentierte Carsten Brzeski von der Ing-Diba die Zahlen.

Die widersprüchlichen Konjunkturdaten der vergangenen Wochen und Monate sind für den Experten ein Mysterium. Letztlich liege die Erklärung wohl in einer Mischung aus ungewöhnlichen Schwankungen durch Wetter- und Kalendereffekte und grundlegenderen Problemen wie die schwache wirtschaftliche Entwicklung mehrerer Handelspartner und dem Abklingen eines zehnjährigen, reformbedingten Wachstumszyklus.

Die Details der Daten vom Freitag enthalten jedoch auch Hinweise auf eine positive Konjunkturlage. So stieg die Produktion von Investitionsgütern im September um 4,5 Prozent, was auf steigende Investitionen und damit optimistische Stimmung der Unternehmen hindeutet. Auch die Einfuhren nach Deutschland legten im September um 5,4 Prozent zu. Steigende Importe können auf eine stärkere Binnennachfrage hinweisen. Ökonomen hatten mit einem Plus von 1,1 Prozent gerechnet. Verglichen mit einem Jahr zuvor wuchsen die Exporte aus Deutschland um 8,5 Prozent, die Einfuhren legten um 8,4 Prozent zu.

mik/dpa-AFX



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