Steuertricks Deutsche Konzerne schleusen Milliarden am Fiskus vorbei

Mit allerlei Tricks drücken deutsche Firmen ihre Steuerlast. Laut einer Studie haben sie von 2001 bis 2008 ihre Profite um rund 92 Milliarden Euro kleingerechnet.

BASF Antwerpen: Steuersatz von lediglich 2,6 Prozent im Jahr 2011
DPA

BASF Antwerpen: Steuersatz von lediglich 2,6 Prozent im Jahr 2011


Berlin - In letzter Zeit ist viel darüber berichtet worden, mit welchen Tricks große Konzerne ihre Steuerlast drücken. Der iPhone-Bauer Apple tut dies mit einem verschachtelten Firmenkonstrukt in Irland, Dax-Konzerne wie VW und BASF nutzen nach SPIEGEL-Informationen ein Steuerschlupfloch in Belgien aus. Legal sind diese Maßnahmen zwar, aber sozial bedenklich.

Wie groß das Problem der Steuervermeidung inzwischen ist, zeigt nun eine neue Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), über die die "Welt" am Dienstag berichtet. Ihr zufolge schleusen deutsche Firmen Gewinne in Milliardenhöhe am Fiskus vorbei. Das DIW will die Studie in seinem kommenden Wochenbericht veröffentlichen.

Das DIW habe eine Lücke von etwa 92 Milliarden Euro zwischen den nachgewiesenen Gewinnen der Unternehmen und den steuerlich erfassten Profiten errechnet, schreibt die Tageszeitung. Die Berechnungen beziehen sich auf den Zeitraum von 2001 bis 2008; aktuellere Daten sind nicht verfügbar.

"Sollte unsere Schätzung stimmen, zahlten die deutschen Unternehmen zwischen 2001 und 2008 nur etwa 21 Prozent Steuern auf ihre Gewinne - und damit deutlich weniger als vom Gesetzgeber vorgesehen", sagte DIW-Steuerexperte Stefan Bach der "Welt". Der eigentliche Steuersatz für die Konzerne lag zwischen 2001 und 2008 bei 38 Prozent, seit 2008 müssen Konzerne rund 30 Prozent zahlen.

Der Trend geht zu mehr Steuervermeidung

Die einschränkenden Worte des Forschers kommen nicht von ungefähr. Die Datenlage für die Schätzung von Steuervermeidungen ist diffus. Entsprechend ist die Erhebung des DIW nur als grobe Schätzung zu werten. Sie ermöglicht jedoch eine Vorstellung davon, welches Ausmaß die Steuervermeidung mittlerweile erreicht hat.

Auffällig sei das hohe Niveau an steuerlichen Verlusten und Verlustvorträgen, das die Unternehmen vor sich herschleppen, sagte Bach. Inzwischen sind es 568 Milliarden Euro. "Dies deutet auf Steuerbefreiungen, Steuervergünstigungen oder Gestaltungsmöglichkeiten hin, die systematisch zu deutlich reduzierten Besteuerungsgrundlagen führen", sagt der Experte. Die Nutzung von Bilanzierungsspielräumen und Steuergestaltungen scheine zuzunehmen.

Dazu komme ein generelles Problem: "Durch das komplizierte Steuerrecht und die magere Personalausstattung sind die Finanzbehörden nur bedingt in der Lage, einen effektiven Vollzug der Gesetze zu garantieren."

ssu

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insgesamt 182 Beiträge
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Seite 1
c.PAF 28.05.2013
1.
Zitat von sysopDPAMit allerlei Tricks drücken deutsche Firmen ihre Steuerlast. Laut einer Studie haben sie von 2001 bis 2008 ihre Profite um rund 92 Milliarden Euro kleingerechnet - meist mit ganz legalen Mitteln. Die Zahl ist nur eine Schätzung, doch sie verdeutlicht die gewaltige Dimension des Problems. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutsche-konzerne-rechnen-sich-um-92-milliarden-euro-aermer-a-902238.html
Ja und? (Meist) Mit legalen Mitteln. Und wenn es legal ist, ist es nicht das Problem der Konzerne. Je komplizierter das Steuerrecht, desto zahlreicher die (legalen) Schlupflöcher...
flüchtig 28.05.2013
2. Da bleibt doch nur noch.....
Sofortige Vereinfachung der Steuergesetze ohne (!) Schlupflöcher und Ausnahmeregelungen! Ausbildung und Einstellung von Steuerfachkräften im Angestelltenverhältnis! Wie war das mit der Steuererklärung auf dem Bierdeckel?!?!
tomrobert 28.05.2013
3. Den Politikern ist das schon lange bekannt!
Politik und Wirtschaft kungeln. Das dünne Netz der Steuerbeamten ist pure Absicht. Nie wurde gegen die Steuervermeider etwas getan, sondern im Gegenteil die Steuerschlupflöcher noch befördert. Wir ,die kleinen Leute zahlen die Zeche, müssen unter immer größerem Druck mehr arbeiten , erhalten weniger Sozialleistungen und Renten. Das in einer Zeit, in welcher durch bessere Technik und Automatisation eine höhere Produktivität das Leben der Menschen eigentlich erleichtern sollte!
maxibutz 28.05.2013
4. Na Gottseidank ...
uns Angestellten kann man die Steuern ja ohne großen Aufwand abknöpfen. Da reicht auch die magere Personaldecke in den Ämtern für. Und wo man leicht dran kommt, da geht man auch als erstes dran. Danke Vater Staat, danke Mutti Merkel!
fotowilly 28.05.2013
5. Scheindemokratie
Und genau das ist eines der Hauptprobleme. Von der Politik toleriert und gefördert. Demokratie halt. Für Grossindustrielle, Grossbanker und deren Erfüllungsgehilfen.
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