Geschäftsmodell Deutsche Post will auch künftig Daten an Parteien vermieten

CDU und FDP haben im Wahlkampf Adressdaten genutzt, die von einer Post-Tochter kamen. Der Konzern sieht darin nach SPIEGEL-Informationen kein Problem. Die Praxis existiere schließlich auf Wunsch der Politik.

FDP-Wahlplakat für die Bundestagswahl 2017
DPA

FDP-Wahlplakat für die Bundestagswahl 2017


Die Deutsche Post will großen Parteien auch weiterhin anonymisierte Daten über politische Präferenzen von Bewohnern bestimmter Stadtteile oder Wohngebiete zur Verfügung stellen. Man bewege sich mit dem Angebot auf dem Boden aller gesetzlichen Vorschriften, heißt es in der Bonner Zentrale. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 15/2018
Wie die Zucker-Lobby uns belügt und verführt

Ob es politisch legitim sei, dass Parteien versuchten, ihren Wahlkampf mithilfe solcher Datenpakete zu optimieren, müsse die Politik klären. FDP und CDU hatten im vergangenen Bundestagswahlkampf entsprechende Datenpakete von einer auf Direktmarketing spezialisierten Tochter der Deutschen Post gemietet und dafür fünfstellige Beträge bezahlt.

Anders als teilweise dargestellt, stammen die Daten nach internen Recherchen der Post nicht aus den großen Adressbeständen der hauseigenen Brief- und Paketsparte. Dies sei nach allen einschlägigen Datenschutzbestimmungen verboten, heißt es in Bonn. Vielmehr kommen alle den Parteien zur Verfügung gestellten Adressen aus frei zugänglichen Quellen, wie etwa vom Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg oder von Einwohnermeldeämtern.

Die Dienstleistung der Post bestehe darin, die Daten mithilfe spezieller Algorithmen so aufzuarbeiten, dass mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden kann, welche politischen Präferenzen oder Grundeinstellungen Menschen in einem bestimmten Wohngebiet haben. Diese kostenpflichtige Dienstleistung hat die Post auf Wunsch einer Partei bereits im Jahr 2005 eingeführt. Der Dienst wird seitdem regelmäßig vor Wahlen von einzelnen Parteien in Anspruch genommen.

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insgesamt 30 Beiträge
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haarer.15 06.04.2018
1. Wir werden nicht mehr gefragt
Es liegt aber schon an der Post, ob sie diese Dienstleistung anbietet oder nicht. Sie muss doch nicht jedem Wunsch der Politik nachkommen oder ? Solchem Ansinnen sollte die Post im Grunde darüberstehen. Aber klar, wenn sie dafür kassiert, ist das natürlich was anderes:-)
bammbamm 06.04.2018
2. Ich wundere mich......
warum dies im Gegensatz zu Facebook kaum einen Aufschrei erzeugt. Im Gegensatz zu facebook kann ich im Internetbestellzeitalter die Nutzung dieses Service kaum umgehen noch basiert das Geschäftsprinzip auf das Sammeln und Bereitstellen von Daten sondern das Zustellen wird ja bezahlt. Und während Zuckerberg Gott weiss wo Rede und Antwort stehen muss und Gesetze verschärft werden steht die Deutsche Post da und sagt, "interessiert mich nicht ich verkaufe weiter Infos über Leute an Leute die das nichts angeht"
mina2010 06.04.2018
3. Ich hoffe die Post hat dafür auch bezahlt ...
eine Auskunft über eine Einzelperson beim Einwohnermeldeamt kostet den Bürger 5,00 €. Bei nur 300.000 Adressen wären wir dann mal schon bei 1,5 Mio. Dazu noch Bearbeitung der Daten .... ! Wieviel haben den unsere lieben Parteien für den Service bezahlen dürfen? Und wenn, sicher nicht aus den Beiträgen ihrer Mitglieder. Beim Kraftverkehrsamt, kann ich gegen Gebühr meinen Punktestand einsehen. Mir wäre aber nicht bekannt, dass ich so ohne Weiteres an den Halter eines Fahrzeuges heran käme und kostenfrei schon gar nicht. Okay nehmen wir das mal zusammen, dann wissen wir, dass Theo Tester und Maria Muster mit eine unehelichen Kind in der Blabla-Str. 999 wohhaft ist und Herr Tester einen Polo fährt. Woher kommen dann die Daten über Einkommen, Verbraucherverhalten, Kreditwürdigkeit etc.? Kann es sein, dass wir hier etwas vera.... werden?
chrismuc2011 06.04.2018
4. Wieso mieten?
Die Post vermietet die Daten doch nicht, sondern verkauft sie. Ist das auch so ein moderner Verniedlichungssprech wie Schummelsoftware?
demiurg666 06.04.2018
5.
Weil habe ich unterschrieben das meine Daten genutzt werden? Darf ich auch die Daten von Postmanagern sammeln, aussetzen und "vermieten"? Ich sehe das als viel größere Problem als was Facebook macht, Facebook sagt mir zumindest dass sie meine Daten anderweitig nutzen.
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