Vergleich mit Südeuropa: Deutsche müssen länger für ihre Rente arbeiten 

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Rentner in Deutschland: Ärmer als andere Europäer

Welche Europäer sind am wohlhabendsten? Für diese Frage spielt die Altersversorgung eine wichtige Rolle. Eine OECD-Studie zeigt, dass deutsche Ruheständler länger für ihre Bezüge arbeiten - und dann gemessen am Einkommen weniger bekommen.

Hamburg - Diese Statistik dürfte Europakritiker erfreuen. "Pensions at a Glance" heißt sie, Renten im Überblick. Die Industrieländerorganisation OECD hat die Vergleichsstudie schon im Jahr 2011 veröffentlicht, die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" griff sie in der aktuellen Diskussion über die Vermögensverteilung in Europa auf. Die Befunde relativieren die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an einer Vermögensstatistik der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese hatte die Deutschen als vergleichsweise arm dargestellt, die Rentenansprüche aber nicht berücksichtigt.

Der OECD-Studie zufolge, die lange vor der aktuellen Debatte veröffentlicht wurde und auf Daten von 2010 beruht, liegt jedoch auch der Wert der Rentenansprüche in Deutschland unter dem Durchschnitt aller OECD-Länder - und zwar in allen Punkten: Vom höheren Renteneintrittsalter über die Bezugsdauer bis zur Rentenhöhe.

Die Rentenhöhe lässt sich in einer sogenannten Ersatzquote bemessen, das ist der Anteil, den die Altersrente im Verhältnis zum Einkommen erreicht. In Deutschland beeinflusst das Einkommen im gesamten Arbeitsleben die Rentenhöhe, in anderen Ländern sind es nur die Einkünfte der letzten fünfzehn oder gar der letzten fünf Jahre vor dem Ruhestand, die in der Regel deutlich höher liegen.

Ein deutscher Rentner erreicht laut OECD-Statistik eine Netto-Ersatzquote von fast 58 Prozent und liegt damit vor Schweden, Großbritannien und Irland, aber deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 69 Prozent. Italiener dagegen erreichen 76 Prozent des letzten Einkommens, Spanier gut 84 Prozent und griechische Rentner liegen sogar bei 110 Prozent.

Dazu kommt: Deutsche Arbeitnehmer müssen 45 Jahre arbeiten, um eine Rente ohne Abschläge zu beziehen - länger als viele andere Europäer. In Frankreich sind es nur 41 Arbeitsjahre, in Italien 40, in Spanien und Griechenland reichten bisher sogar 35 Jahre. Weil viele Rentensysteme deutlich unterfinanziert sind, haben die meisten Länder das gesetzliche Rentenalter schon heraufgesetzt - außer Frankreich, dort bleibt es bislang bei 62 Jahren.

In Wirklichkeit allerdings gehen die meisten Menschen früher in den Ruhestand: Während in Deutschland noch fast 60 Prozent der Menschen zwischen 55 und 64 Jahren arbeiten, sind es in Frankreich nur 41,5 Prozent. In Griechenland und Italien liegt der Anteil der Älteren auf dem Arbeitsmarkt mit unter 40 Prozent noch niedriger.

Diese Ungleichheit wird nach Einschätzung der OECD nicht lange anhalten. Das liegt aber weniger daran, dass deutsche Rentner sich über Zuwächse freuen dürfen. Weil in einigen Ländern wie Frankreich oder Italien schon heute 15 Prozent des BIP in die Renten fließen, stünden dort vielmehr drastische Reformen an, so die Wirtschaftsorganisation.

nck

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insgesamt 90 Beiträge
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1. (°_*)
floydpink 26.04.2013
Zitat von sysopWelche Europäer sind am wohlhabendsten? Für diese Frage spielt die Altersversorgung eine wichtige Rolle. Eine OECD-Studie zeigt, dass deutsche Ruheständler länger für ihre Bezüge arbeiten - und dann gemessen am Einkommen weniger bekommen. Deutsche Rentner sind ärmer als andere Europäer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutsche-rentner-sind-aermer-als-andere-europaeer-a-896756.html)
Wer in Deutschland arbeiten geht, ist der Dussel, der alle anderen bezahlt. Wenn ich nicht verheiratet wäre, hätte ich wohl schon aufgehört.
2. und das soll eine neue Erkenntnis sein?
Powerfee60 26.04.2013
Wir wissens doch schon lange - nur Michel geht nicht auf die Straße und macht den Politikern die an den Marionettenfäden der Konzerne hängen und nebenbei die Mittelschicht abzocken, Feuer unterm Hintern. Dazu ist Michel einfach zu feige.
3. AfD
bombus67 26.04.2013
Zitat von Powerfee60Wir wissens doch schon lange - nur Michel geht nicht auf die Straße und macht den Politikern die an den Marionettenfäden der Konzerne hängen und nebenbei die Mittelschicht abzocken, Feuer unterm Hintern. Dazu ist Michel einfach zu feige.
Ein Grund mehr die AfD zu wählen! Griechenland mit einer Quote von 110%, nach 35 Jahre arbeiten, finanziert vom deutschen Michel! Ja ne is klar......
4. Rente
wind_stopper 26.04.2013
Man muss in DLand halt länger für weniger Rente arbeiten, wenn man den Griechen ihr kurzes Arbeitsleben und fürstliche Rente ja auch mitfinanzieren will.
5. Was soll die Aufregung?
unixv 26.04.2013
Wir hungern und frieren doch gern mit unserer Mickerrente, dafür bekommt doch z.B. das Frau Schröder für nicht ganz vier Jahre Untätigkeit über 4000€ Pensionsanspruch! Gleicht endlich unsere Rente den Pensionen an, Rentner auf die Straße und zeigt diesem Selbstbedienungsladen wo der Hammer hängt und wählt nicht mehr SPDFDPCDUGRÜNE!
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