Zufriedenheit der Deutschen Mensch, geht's uns gut!

Wer kann am besten beurteilen, wie sich die Deutschen fühlen? Die Bürger selbst. Eine umfassende Studie zeigt einen eindeutigen Trend.

Sonne in Berlin
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Sonne in Berlin


Dank der robusten Konjunktur sind die Deutschen einer Studie zufolge so zufrieden wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Das liege vor allem daran, dass die Menschen in Ostdeutschland deutlich zufriedener sind, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit.

Auf einer Skala von null bis zehn gaben die Deutschen nach den aktuellsten Daten im Schnitt einen Wert von 7,5 für ihre Lebenszufriedenheit an - auf dem Tiefpunkt im Jahr 2004 waren es nur 6,9.

Der Studie zufolge sind die Menschen im Osten auch mehr als 25 Jahren nach der Wiedervereinigung nicht ganz so zufrieden wie im Westen - konkret geben die Ostdeutschen ihre Zufriedenheit mit 7,4 Punkten an, die Westdeutschen mit 7,6. Es sei zwar ernüchternd, dass es immer noch Unterschiede gebe, sagte DIW-Experte Jürgen Schupp. "Der Abstand zwischen Ost und West hat sich aber über die Jahre maßgeblich verringert und ist so niedrig wie noch nie."

Den Grund für die relativ große Zufriedenheit sieht DIW-Experte Schupp darin, dass Deutschland zuletzt viele Krisen erfolgreich bewältigt habe. So habe etwa die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht zu mehr Arbeitslosigkeit geführt und die Wirtschaft nicht aus dem Takt gebracht. Tatsächlich ist das ein großer Unterschied zu anderen Ländern, gerade auch in der Eurozone, in denen die Krise für breite Bevölkerungsschichten schmerzhaft spürbar war - Spanien, Portugal, Griechenland, aber auch Frankreich oder Italien.

In der Langzeitstudie SOEP (Sozio-oekonomisches Panel) befragt das DIW seit 1984 jährlich grundsätzlich rund 30.000 Personen in etwa 15.000 Haushalten - und zwar, soweit möglich, immer die gleichen. Das Spektrum der Fragen ist groß und umfasst unter anderem Persönlichkeitsmerkmale, Bildung, Gesundheit, Einkommen und die Erwerbssituation. Dadurch gilt das SOEP als sehr zuverlässig und aussagekräftig.

Zum Thema Lebenszufriedenheit werden für das SOEP regelmäßig rund 10.000 Personen befragt. Auf einer Skala von null ("ganz und gar unzufrieden") bis zehn ("ganz und gar zufrieden") geben diese an, wie zufrieden sie derzeit alles in allem mit ihrem Leben sind. Nach den aktuellsten, verfügbaren Daten von 2015 liegt die Zufriedenheit im Schnitt bei rund 7,5 Punkten.

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Flüchtlingskrise dämpft Zufriedenheit nicht

Laut einer DIW-Sprecherin ist auch die im Jahr 2015 aufgekommene Flüchtlingskrise in den Umfrageergebnissen berücksichtigt - das ist deshalb interessant, weil in der Vergangenheit Krisen immer wieder zu Rückschlägen in der Zufriedenheit geführt hatten. So führten zuletzt die Atomkatastrophe von Fukushima und der Beginn der Finanzkrise zu abnehmender Zufriedenheit der Deutschen. Auch der Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahr 1986 senkte die Zufriedenheit der Westdeutschen deutlich.

Als die Zufriedenheit im Jahr 2004 mit 6,9 Punkten auf dem tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung lag, befand sich Deutschland in einer grundsätzlich anderen Situation. Das Wort vom "kranken Mann Europas" war geläufig, die damalige rot-grüne Regierung hatte sich 2002 zu harten Einschnitten in die soziale Sicherung entschieden. Die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 wurden gerade umgesetzt, freilich noch ohne Wirkung zu zeigen - Anfang 2005 erreichte die offizielle Arbeitslosigkeit mit mehr als fünf Millionen Menschen ihren Höhepunkt, tatsächlich waren es noch weit mehr.

Dass die Deutschen das Gefühl haben, es gehe ihnen - im Schnitt - gut, wird auch durch weitere Umfragen gestützt. So kam etwa das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Versicherungsverbands GDV vor Kurzem bei einer Befragung von 30- bis 59-Jährigen zu dem Ergebnis, dass 75 Prozent ihre Lebensqualität als gut oder sogar sehr gut einschätzten. Zudem gaben mehr Menschen als zuvor an, ihnen persönlich ginge es wirtschaftlich besser vor fünf Jahren.

In der gleichen Umfrage schätzten fast zwei Drittel der Befragten die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland als ungerecht ein. "Mir geht es gut, aber Deutschland ist ungerecht" - diese Stimmung könnte auch erklären, weshalb Martin Schulz als SPD-Kandidat trotz der hohen Zufriedenheit der Deutschen laut Umfragen eine realistische Chance auf die Kanzlerschaft hat.

fdi/Reuters



insgesamt 195 Beiträge
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Seite 1
Mach999 17.03.2017
1.
Herrliches Freitagsthema. Gleich kommen wieder einige, die das alles anzweifeln, von Auftragsarbeiten reden und davon, dass es in ihrem selbstverständlich voll repräsentativen Umfeld niemanden gibt, dem es gut geht. Ich freu mich. Popcorn!
skeptikerjörg 17.03.2017
2. Gut und zufrieden ist nicht dasselbe
Die Linken und die Rechten werden trotzdem weiterhin alles daran setzen, den Deutschen einzureden, dass es ihnen schlecht geht. Klar, nur wenn es den Deutschen schlecht geht und man in manchen Schichten durchaus vorhandene Abstiegsängste überdramatisieren kann, haben sie bei Wahlen Chancen.
ruhrpottprolet 17.03.2017
3. Entscheidend ist der Blick in die Zukunft
Natürlich geht es Deutschland nicht schlecht. Aber gerade, wenn es einem gut geht, macht man die meisten Fehler. Deshalb ist nicht die Betrachtung der Gegenwart wichtig, sondern, dass man in die Zukunft blickt und Konzepte entwickelt, dass es uns auch in Zukunft gut geht. Wir profitieren im Moment von der Agenda 2010, jahrelanger Lohnzurückhaltung, dem für uns zu schwachen Euro und für uns zu niedrigen Zinsen. Das geht teilwiese zu Lasten der Südländer und unserer Altersversorgung. Hier müssen Konzepte entwickelt werden, damit es auch so bleibt. Dazu gehören auch Konzepte gegen die Flüchtlings- und Armutskrise, die Altersarmut, den Klimawandel, die Eurokrise etc. Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir uns etwas zu sehr auf dem Istzustand ausruhen.
gruenertee 17.03.2017
4.
Wenn ich von meinem Bruttogehalt nur 55% behalten darf und ich jetzt schon weiß, dass ich eine Rente von 1000,- im optimal Fall haben werde, dann geht es mir mit Sicherheit nicht gut.
Freidenker10 17.03.2017
5. Schweden
Ist halt neuerdings so ne Sache mit den Umfragen und Prognosen... Frage ich Menschen in Dortmund oder Berlin-Neuköln kommt das eine dabei raus. Frage ich Menschen in München-Bogenhausen das andere. Wäre mir auch nicht sicher, ob Menschen denen es schlecht geht, dies auch zugeben aus Scham. Das gleiche mit den richtig Reichen, die untertreiben dann auch immer gerne! Unser Land ist gut , keine Frage, aber aus meiner Sicht muss die Spreizung reich/arm dringenst angegangen werden! Vorbild hier wäre Schweden. Da kommt kein Topmanager über 2 Millionen/Jahr und die Reichen werden Steuertechnisch auch zur Kasse gebeten und gehts dem Land deshalb schlecht? Mir sind unsere Regierungen viel zu wirtschaftshörig und dementsprechend fallen dann die Regeln auch aus. Das Topmanagement sahnt richtig ab und die Angestellten darben mit höchstens dem Inflationsausgleich! Auch unsere Gewerkschaften sind mir in den letzten 30 Jahren viel zu handzahm geworden! Die Kuscheln lieber mit dem Topmanagement ( siehe VW ) als sich um ihre Aufgabe der Reallohnsteigerungen bei bester Wirtschaftslage zu kümmern! Auch Österreich hat geschafft deutlich sozialer als Deutschland zu werden ( siehe sozialer Wohnungsbau und den Gesetz das ALLE in die Rentenkasse einzahlen) ! Und unsere wahren Probleme kommen ja auch erst noch mit der Altersarmut die vorprogrammiert ist...
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