Arbeitsmarkt Deutsche Firmen wollen mehr Flüchtlinge einstellen

Rund 350.000 Flüchtlinge in Deutschland suchen Jobs. Die Wirtschaft hat vor dem Gespräch mit der Kanzlerin nun zugesagt, sich stärker für die Integration in den Arbeitsmarkt zu engagieren - das ist auch nötig.

Syrischer Flüchtling im Praktikum bei Daimler
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Syrischer Flüchtling im Praktikum bei Daimler


Die deutsche Wirtschaft hat weiteres Engagement für die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt zugesagt. "Bei der Ausbildung und der Beschäftigung von Geflüchteten engagieren sich nicht zuletzt viele kleine und mittelständische Betriebe", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, in Berlin. Am Mittwoch spricht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Unternehmensvertretern darüber, wie sich die Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt verbessern lässt.

Dem DIHK zufolge gab es im Frühjahr fast 140.000 Beschäftigte aus Asylherkunftsländern, rund 30.000 mehr als ein Jahr zuvor. Zudem seien hochgerechnet rund 10.000 junge Flüchtlinge in Ausbildung.

"Allerdings handelt es sich hierbei in den wenigsten Fällen bereits um Flüchtlinge, die 2015 zu uns kamen", sagte Schweitzer. "Denn der Weg in die Ausbildung braucht Zeit - nach Erfahrungen der Betriebe etwa zwei Jahre." Das liege vor allem an den fehlenden Deutschkenntnissen und dem Asylverfahren.

Mittelstand engagiert sich mehr als Dax-Konzerne

Ende August waren bei den Jobcentern und Arbeitsagenturen 153.000 geflüchtete Männer und Frauen als arbeitslos registriert. Zusammen mit den etwa 193.000 Menschen, die noch in Integrations- und beruflichen Eingliederungskursen stecken, betrug die Zahl der Arbeit suchenden Flüchtlinge demnach 346.000.

Die Bundesregierung setzt bei der Integration von Asylbewerbern auf ein stärkeres Engagement der Wirtschaft. "Die erfolgreiche Integration der Flüchtlinge in Deutschland hängt entscheidend davon ab, ob deren Einstieg in den Arbeitsmarkt gelingt", heißt es im Bundeswirtschaftsministerium.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Die erfolgreiche Integration von Flüchtlingen ist eine große Gemeinschaftsaufgabe, die zügig und konsequent angepackt werden muss." Eine Sprecherin seines Ministeriums fügte hinzu, vor allem der Mittelstand sei hier "sehr aktiv". Daher habe sich Gabriel zusätzlich in einem Schreiben an die Vorstände der großen Dax-Unternehmen gewandt. Die Rückmeldungen würden in die Gespräche der Kanzlerin mit den Unternehmen einfließen.

Merkel trifft sich im Kanzleramt mit Vertretern von Unternehmen, die an der Initiative "Wir zusammen" beteiligt sind. Dazu gehören unter anderem Siemens, Opel, Airbus, Adidas und Volkswagen.

Schweitzer verwies auf das Aktionsprogramm "Ankommen in Deutschland", mit dem die Kammern Beiträge zur Integration leisteten. Allein in diesem Jahr stellten sie rund 20 Millionen Euro zur Verfügung und beschäftigten 170 Mitarbeiter. Ein DIHK-Netzwerk "Unternehmen integrieren Flüchtlinge" biete mit Unterstützung der Regierung derzeit über 800 Betrieben Erfahrungsaustausch und Unterstützung. Laut DIHK haben zwei von drei dieser meist kleinen und mittleren Unternehmen Geflüchtete als Praktikanten, Azubis oder regulär Beschäftigte.

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nck/dpa

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