Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Euro-Krise: Deutsche zahlen pro Kopf weniger in Rettungsschirm ein als Nachbarn

Europa- und Deutschlandflaggen in Berlin: Iren zahlen pro Kopf mehr Zur Großansicht
DPA

Europa- und Deutschlandflaggen in Berlin: Iren zahlen pro Kopf mehr

Die Deutschen sind die Haupt-Zahlmeister in der Euro-Krise? Dieses Klischee hat mit den Fakten wenig zu tun. Pro Bürger zahlt die Bundesrepublik nach SPIEGEL-Informationen zum Teil deutlich weniger in den Rettungsschirm ESM ein als andere Mitgliedstaaten.

Hamburg - Selbst die krisengeschüttelten Iren zahlen nach dieser Rechnung mehr für den dauerhaften Euro-Rettungsschirm: Deutschland überweist nach Informationen des SPIEGEL pro Bürger weniger in den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) als andere Euro-Länder. Der ESM ist der zweite Rettungsschirm, den die Euro-Partner eingerichtet haben. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger EFSF soll er permanent existieren, zudem ist er mit Kapital hinterlegt, während zuvor lediglich Garantien abgegeben wurden.

Mit 27 Prozent trägt die Bundesrepublik zwar den größten Anteil des ESM-Kapitals, sie ist aber auch das Land mit der größten Bevölkerung und der stärksten Wirtschaft in der EU. Rechnet man die Beiträge der ESM-Mitgliedsländer auf die jeweilige Einwohnerzahl um, liegt Deutschland nur auf Platz fünf. Das geht aus einer Übersicht der Luxemburger Euro-Behörde für den Europaabgeordneten Elmar Brok (CDU) hervor.

Demnach zahlte jeder Deutsche im vergangenen Jahr 264,80 Euro an den ESM. Die Luxemburger entrichteten pro Kopf 373 Euro, auch Iren, Niederländer und Finnen trugen mehr bei als die Bundesbürger. Den geringsten Rettungsbeitrag pro Kopf lieferte Estland, das jüngste Euro-Mitglied.

Bislang stellten die Mitgliedsländer der Luxemburger Rettungsbehörde rund 48 Milliarden Euro bereit. Bis Mitte 2014 soll die Bareinlage des ESM auf insgesamt 80 Milliarden Euro steigen. Die nächste Tranche wird im Oktober fällig.

Der ESM soll Kredite von bis zu 500 Milliarden Euro vergeben können. Dazu wird er mit Bareinlagen und Garantien von 700 Milliarden Euro ausgestattet. Bislang hat Spanien eine Hilfszusage über 100 Milliarden Euro aus dem ESM erhalten, 41,4 Milliarden Euro davon wurden bereits ausgezahlt. Zypern wurden neun Milliarden Euro aus dem ESM versprochen.

Themen im neuen SPIEGEL
Was steht im neuen SPIEGEL? Das erfahren Sie im SPIEGEL-Brief - dem kostenlosen Newsletter der Redaktion.

fdi

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 55 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Spiegelsche Verblödungsstrategie
java22123 20.09.2013
Den gleichen Unsinn hat bereits Viviane Reding in der Sendung Maybrit Illner vor 2 Wochen verbreitet. Zitat: „Jetzt muss ich etwas sagen, weil niemand das weiß. Wenn wir sehen, wer in diese Kredite investiert, pro Kopf der Bevölkerung, absolut gesehen selbstverständlich zahlt Deutschland, Deutschland ist groß, am meisten. Pro Kopf der Bevölkerung zahlen die Luxemburger sehr viel mehr, als die Deutschen, aber in Luxemburg wird das Ganze nicht zerredet, sondern es wird konstruktiv mitgearbeitet und das wünsche ich mir auch von den Deutschen. Das brauchen wir nämlich in Europa.“ Eine kleine Überprüfung: Offiziell beträgt das Haftungsrisiko pro Kopf für Deutschland (durch EFSF und ESM) 2.317 Euro, für Luxemburg 3.506 €. Gemäß der EZB betrug das durchschnittliche Vermögen je Haushalt im Jahr 2010 in Deutschland 195.000€, in Luxemburg aber 710.000€. Das Durchschnittseinkommen in Luxemburg betrug 84.000€ je Haushalt, in Deutschland aber nur 44.000€.
2. na toll!
neu_ab 20.09.2013
---Zitat--- Demnach zahlte jeder Deutsche im vergangenen Jahr 264,80 Euro an den ESM. Die Luxemburger entrichteten pro Kopf 373 Euro ---Zitatende--- Der "pro Kopf" Trick mal wieder. rechnen wir doch mal eben: 264,8 * 80 Millionen = 21,1 *Milliarden* (Deutschland) 373 * 0,5 Millionen = *186 Millionen* (Luxemburg) Also zahlt Deutschland ebenmal das 113-fache! Toll, das wir verglichen haben! ---Zitat--- auch Iren, Niederländer und Finnen trugen ---Zitatende--- Hier sieht es ganz ähnlich aus.
3.
dig 20.09.2013
das ist seit Jahren bekannt, scheinbar nicht bei Journalisten und (einigen) Politikern, die damit Stimmung machen.
4. Jeder Stadtstaat zahlt mehr pro Bürger
Gerdtrader50 20.09.2013
Weil 5.000 Bürger, Zahlung reichlich im Verhältnis. Das dumme Geschwätz dieser Monsterwährungsgründer plus Nachfolger und ihrer Monsterwährungs-Rettungs-Faszilitäten nervt gar gräßlich. Trotz aller Faszilitäten geht der Saftladen über kurz oder lang pleite, weil es eine Schrottwährung ist. Schrottwährung = Schrottfaszilitäten, comprende, Senioritas et seniores ? Si, si ?
5. Ja, wenn das so ist, ist alles wieder gut!
LinkesBazillchen 20.09.2013
Zitat von sysopDPADie Deutschen sind die Haupt-Zahlmeister in der Euro-Krise? Dieses Klischee hat mit den Fakten wenig zu tun. Pro Bürger zahlt die Bundesrepublik nach SPIEGEL-Informationen zum Teil deutlich weniger in den Rettungsschirm ESM ein als andere Mitgliedstaaten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutsche-zahlen-pro-kopf-weniger-fuer-rettungsschirm-esm-als-nachbarn-a-923446.html
Ja, wenn das so ist, ist alles wieder gut! Am stärksten trifft es mal wieder die Deutschen, die in Armut leben! Sie tragen statistisch den gleichen Anteil wie ein Millionär. Da die Luxemburger, die ja am "stärksten" belastet sind, nicht so viele verarmte Bürger haben als Deutschland, trifft es Deutschland besonders hart. Überhaupt ist Luxemburg mit seiner handvoll Einwohner schon immer für prima Vergleiche mit Deutschland gut gewesen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: