Arbeitsmarkt Deutscher Aufschwung geht an Ausländern vorbei

Ausländer haben es dem IW zufolge auf dem Arbeitsmarkt deutlich schwerer als Menschen mit deutschem Pass - allerdings mit Unterschieden je nach Nationalität. Während jeder zweite Libanese ohne Job ist, sind Rumänen sogar seltener arbeitslos als Deutsche.

Agentur für Arbeit in Köln: Doppelt so viele Ausländer wie Deutsche arbeitslos
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Agentur für Arbeit in Köln: Doppelt so viele Ausländer wie Deutsche arbeitslos

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Hamburg - Menschen ohne deutschen Pass haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland: Das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat dazu erstmals Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) ausgewertet und festgestellt, dass Ausländer hierzulande rund doppelt so häufig arbeitslos sind wie Deutsche. Die Arbeitslosenquote von Ausländern lag im Juni 2012 bei stolzen 13,9 Prozent, bei Deutschen betrug sie lediglich 6,6 Prozent, schreibt das IW.

Ausländer profitierten zwar vom Aufschwung am Arbeitsmarkt - seit 2005 sank ihre Arbeitslosenquote um ein Drittel -, auch damit liegen sie aber hinter den Deutschen, deren Arbeitslosigkeit um mehr als 40 Prozent zurückging. Als Grund für die deutlichen Unterschiede nennt das IW die unterschiedlichen Qualifikationen: Rund ein Viertel der ausländischen Beschäftigten besitzt demnach keine abgeschlossene Berufsausbildung, bei den Deutschen sind das nur acht Prozent.

Die BA hatte vor einem Vierteljahr einen ähnlichen Befund veröffentlicht, allerdings betrachtete die Behörde nicht nur die Arbeitsmarktchancen von Ausländern, sondern auch von Deutschen mit ausländischen Wurzeln. Demnach hat jeder dritte Arbeitslose einen Migrationshintergrund. Auch die BA sieht die unzureichende Schul- und Berufsausbildung als Grund für den hohen Anteil.

Das IW hat die Zahlen außerdem nach Nationalitäten aufgeschlüsselt: Demnach leiden vor allem Menschen aus dem Libanon unter Arbeitslosigkeit, die Quote liegt bei 55 Prozent. Auch unter Irakern (46 Prozent), Afghanen (37,5 Prozent) und Iranern (37,1 Prozent) sind besonders viele Menschen ohne Job. Die Erklärung dafür: Die Menschen aus diesen Ländern reisen in der Regel nicht aus beruflichen Gründen nach Deutschland ein, sondern weil in ihren Ländern Krieg herrscht oder sie aus politischen oder religiösen Gründen verfolgt werden.

Am unteren Ende der Arbeitslosentabelle finden sich Menschen aus Polen, Kroatien, Portugal und Rumänien, die laut IW "auf dem deutschen Arbeitsmarkt recht gut" zurechtkommen - die Rumänen sind mit 7,5 Prozent sogar seltener arbeitslos als die Deutschen. In der Mitte, mit einer Arbeitslosenquote von 21,5 Prozent, liegen die Türken, die mit 140.000 den größten Teil der insgesamt 460.000 arbeitslosen Ausländer stellen, an zweiter Stelle folgen die Italiener mit 29.000 Arbeitslosen.

Die Zahlen lassen sich allerdings nicht ohne weiteres mit der offiziellen Statistik vergleichen: Sowohl Selbständige als auch Beamte werden in diesem Fall nicht berücksichtigt, sondern ausschließlich sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse. "Die Quote ist nach oben verzerrt", sagt IW-Forscher Holger Schäfer - weil Ausländer zwar häufiger selbständig seien, aber so gut wie niemals Beamtenstatus erlangten, glichen sich die Effekte allerdings größtenteils wieder aus.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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irrealis 11.09.2013
1. Arbeitslosigkeit und Bildung
Das ist ja wieder einmal ungerecht. Da müssen die Deutschen schnell ihren ausgleichenden Beitrag leisten. Also gemäß Sigmar Gabriel Hausaufgaben und Fleiß verbieten, dann steigt die Arbeitslosenquote der Deutschen ohne Migrationshintergrund ganz schnell an.
thomas_gr 11.09.2013
2. optional
Wenn 25% ohne Schulbildung sind, was sind dann die Gründe für die anderen 10-15% Arbeitslosigkeit? Der Diskriminierungsaspekt kommt hier leider viel zu kurz. Bildung ist ein Thema klar, aber auch gebildete Ausländer oder deutsche mit migrationshintergrund haben es schwerer auf dem Arbeitsmarkt. Ich weiß von einer Freundin, dass Fortbildungsmaßnahmen des Arbeitsamtes bevorzugt an Deutsche ohne Migrationshintergrund vergeben werden. Außerdem stellen immernoch Menschen Menschen ein. Wie sollte es also da nicht zu Diskriminierung kommen?
biddebidde 11.09.2013
3. Nicht nur
an Ausländern...
BenediktG 11.09.2013
4. Welcher Aufschwung
Rosarote Brillen können die grassierende Verarmung in diesem Land ebensowenig "schön" werden lassen wie die unermüdliche Betonung eines "Aufschwungs" wo die Früchte in den schon vollen Körben landen, deren "Anziehungskraft" solange groß genug dafür ist, bis man seine Privilegien für eine gerechtere Verteilung opfert, die am Ende allen nützt, wie diese Privilegiendekadenz den Mehrheiten schadet.
EL2666 11.09.2013
5. Schlussfolgerung ???
Zitat: "Demnach leiden vor allem Menschen aus dem Libanon unter Arbeitslosigkeit, die Quote liegt bei 55 Prozent. Auch unter Irakern (46 Prozent), Afghanen (37,5 Prozent) und Iranern (37,1 Prozent) sind besonders viele Menschen ohne Job. Die Erklärung dafür: Die Menschen aus diesen Ländern reisen in der Regel nicht aus beruflichen Gründen nach Deutschland ein, sondern weil in ihren Ländern Krieg herrscht oder sie aus politischen oder religiösen Gründen verfolgt werden." Zitat Ende. Könnte es nicht daran liegen, dass Asylbewerber gar nicht arbeiten dürfen ?
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