Handelsbilanz Deutscher Exportüberschuss steigt auf Rekord

Deutschland verzeichnet einen neuen Rekord bei der Handelsbilanz: Im September übertrafen die Exporte die Importe um 20,4 Milliarden Euro. Der Erfolg dürfte die internationale Kritik an der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung anheizen.

Pkw-Transport: Nachfrage nach deutschen Produkten wächst
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Pkw-Transport: Nachfrage nach deutschen Produkten wächst


Berlin - Die internationale Kritik an der deutschen Exportstärke hat sich zuletzt verschärft. Diese Meldung dürfte die Diskussion nun noch weiter anheizen: Die Bundesrepublik verzeichnete im September einen neuen Rekordüberschuss. Die Ausfuhren übertrafen die Einfuhren um 20,4 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt mit. "Der bisher höchste Ausfuhrüberschuss wurde im Juni 2008 mit 19,8 Milliarden Euro erzielt", hieß es. Während die Exporte um 3,6 Prozent auf 94,7 Milliarden Euro zulegten, verringerten sich die Importe um 0,3 Prozent auf 74,3 Milliarden Euro.

Die Nachfrage nach deutschen Waren zog in allen wichtigen Regionen an. Am kräftigsten legten die Exporte in die EU-Länder mit 5,4 Prozent zu, während die Ausfuhren in die Euro-Zone um 4,4 Prozent kletterten. In allen anderen Regionen gab es ein Plus von 1,2 Prozent. In den ersten neun Monaten verkauften die Unternehmen Waren im Wert von 818 Milliarden Euro ins Ausland - 0,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

"Das sind erfreuliche Zahlen", sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. "Endlich sind die Exporte mal wieder gestiegen. Aber in ganz großen Jubel würde ich nicht ausbrechen, dazu lief es in den Vormonaten zu schlecht."

Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus zeigte sich überrascht davon, dass die Importe gesunken sind. "Der Rekordüberschuss dürfte Öl ins Feuer gießen. Aber ich sehe darin kein Problem. Mit einer gewissen Zeitverzögerung werden die deutschen Unternehmen ihre Kapazitäten erweitern." Das komme dann auch den Handelspartnern zugute, weil die deutschen Firmen mehr Waren und Vorleistungen einkaufen würden.

Draghi verteidigt Deutschland gegen Kritik

EZB-Chef Mario Draghi nahm Deutschland am Donnerstag gegen Kritik an den massiven Exportüberschüssen in Schutz. Es sei zwar wichtig, Ungleichgewichte in der Euro-Zone zu überwinden, betonte Draghi auf dem Wirtschaftsforum der "Zeit".

Doch es sei der falsche Ansatz, die schwächeren Volkswirtschaften der Euro-Zone durch eine Schwächung des stärksten Partners robuster zu machen. "Wir müssen sicherstellen, dass die anderen Staaten ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken, damit sie so wettbewerbsfähig werden wie Deutschland", betonte Draghi.

cte/Reuters/dpa

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insgesamt 220 Beiträge
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thomas_gr 08.11.2013
1. optional
Anheizen? Hinter verschlossenen Türen werden schon seit vielen vielen Jahren die Exportüberschüsse Deutschlands kritisiert.
mxmx 08.11.2013
2. Die DM würde jetzt aufwerten
Benzin und Heizöl würden damit für den Endverbraucher billiger, und würden ihn damit an diesem Erfolg beteiligen. Mit dem Euro aber verschärft das ganze die Lage innerhalb der Krisenländer nur noch mehr, und wir haben nichts davon, dafür wachsen die Risiken für die wir mit unseren Steuergeldern geradestehen, wenn was schiefläuft.
markus1907 08.11.2013
3. Herzlichen Glückwunsch
Zitat von sysopREUTERSDeutschland verzeichnet einen neuen Rekord bei der Handelsbilanz: Im September übertrafen die Exporte die Importe um 20,4 Milliarden Euro. Der Erfolg dürfte die internationale Kritik an der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung anheizen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutscher-exportueberschuss-steigt-auf-rekordhoch-a-932472.html
Ist doch eh Alles nur auf Pump gekauft und das Geld sehen wir eh nie wieder. Vielleicht sollte man endlich mal damit anfangen in Deutchland die Kaufkraft zu stärken. Aber der deutsche Michel hat ja unsere Politiker eh noch nie interessiert. Der ist ja nur zum ausquetschen da.
nkhatabayboy 08.11.2013
4. Kein Grund, stolz zu sein
Zitat von sysopREUTERSDeutschland verzeichnet einen neuen Rekord bei der Handelsbilanz: Im September übertrafen die Exporte die Importe um 20,4 Milliarden Euro. Der Erfolg dürfte die internationale Kritik an der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung anheizen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutscher-exportueberschuss-steigt-auf-rekordhoch-a-932472.html
Diese chronischen Handelsbilanzüberschüsse sind von uns normalen Bürgern mit Dumpinglöhnen teuer erkauft und werden von uns, sobald die Banken, die diese Geschäfte über Kredite finanzieren, wieder in Schieflage geraten, über Milliarden von Steuergeldern zur Bankenrettung, nochmal bezahlt. Lösung: Ankurbelung der Binnennachfrage durch den flächendeckenden Mindestlohn und mittefristige Lohnerhöhungen im unteren und mittleren Einkommensbereich von mindestens 10%...da wird unsere lobbyistengesteuerte Regierung bloß leider nicht mitmachen, freuen wir uns also über unsere "Top Leistung" im Vergleich zu den "faulen Südländern", bis wir uns in die Pleite und politische Isolation exportiert haben...
joG 08.11.2013
5. Was man produziert wird von Ausländern (Export)...
....oder Deutschen verwendet. So bedeutet der Export weniger für die deutschen Bürger. Wie sich das auswirkt kommt darauf an wie sich das so erwirtschaftete Vermögen sichern kann. Wer in Euro griechische Anleihen hielt, weiß, was das bedeuten kann und ob man besser fährt, wenn man im neuen Haus am Englischen Garten für die Wohnung 20.000 Euro pro Quadratmeter zahlt wird das vielleicht auch lernen.
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