Hohe Mieten Armutsquote ist in westdeutschen Großstädten am höchsten

Weil die Ausgaben für Wohnraum und Lebenshaltung dort stark steigen, sind immer mehr Großstädter von Armut bedroht. Laut Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft ist Bremerhaven die ärmste Stadt Deutschlands.

Bettler in der Hamburger Innenstadt (Archiv)
DPA

Bettler in der Hamburger Innenstadt (Archiv)


Wenn in Deutschland über das Thema Armut diskutiert wird, kommt die Sprache oft auf strukturschwache Regionen, beispielsweise in den ländlichen Regionen Ostdeutschlands. Nach der gebräuchlichsten Definition lebt jemand an der Grenze zur Armut, wenn er weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens hat. Derzeit sind das 15,4 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen. In Ostdeutschland ist diese Quote mit mehr als 19 Prozent allerdings deutlich höher als im Westen.

Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) hat nun eine davon abweichende Berechnung vorgelegt. Darüber berichtet die Tageszeitung "Die Welt". Die Kalkulation basiert auf regionalen Unterschieden der Preisniveaus. Das überraschende Ergebnis: Die Armutsquote ist demnach nirgendwo so hoch wie in westdeutschen Großstädten.

Die höchste Armutsquote verzeichnet demnach die Hafenstadt Bremerhaven mit 28,5 Prozent, gefolgt von Gelsenkirchen (28,4 Prozent). Selbst in der Boomstadt München liegt die Armutsquote nach dieser Analyse bei 17,5 Prozent. Die Bundesländer mit den meisten als arm eingestuften Bewohnern sind laut IW die Stadtstaaten Bremen, Berlin und Hamburg.

Das ist kein Zufall: Die Forscher berücksichtigen die höheren Ausgaben in vielen Großstädten, beispielsweise für Mieten und Lebenshaltung. Sie sprechen deshalb auch von Kaufkraftarmut. Damit ist gemeint, dass sich ein Einwohner in Hamburg mit beispielsweise 1500 Euro Einkommen nur eine viel kleinere Wohnung und weniger leisten kann, als in beispielsweise im Hamburger Umland. Laut IW werden diese höheren Kosten in den meisten Städten auch nicht dadurch kompensiert, dass Städter im Schnitt mehr verdienen als Bewohner ländlicher Regionen.

Im Vergleich des Bundesländer ergibt sich ein ungewohntes Bild: Zwischen 2006 und 2014 ist die Kaufkraftarmut in den fünf ostdeutschen Bundesländern (ohne Berlin) gesunken. Mit anderen Worten: Laut IW-Berechnung sind dort die Ausgaben für Lebenshaltung im Schnitt geringer gestiegen als die Einkünfte der Menschen. In allen anderen Bundesländern stieg die Kaufkraftarmut dagegen an, im Schnitt um 1,6 Prozent. Besonders stark betroffen sind Bremen (plus 3 Prozent) sowie Berlin und Nordrhein-Westfalen (plus 3,5 Prozent).

beb

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