Bezahlung von Frauen und Männern Deutschland bei Lohngefälle auf zweitletztem Platz in EU

In Deutschland ist die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern so groß wie in kaum einem anderen Land der EU. Im Durchschnitt verdienen Frauen hierzulande 22 Prozent weniger als Männer. Noch größer ist der Abstand nur in Estland.


Brüssel - Deutschland liegt beim Lohngefälle zwischen Männern und Frauen auf dem zweitletzten Platz in Europa. Das geht aus einem Bericht hervor, den die EU-Kommission am Montag in Brüssel vorlegte. Damit arbeiten Frauen in Europa "immer noch 59 Tage 'unentgeltlich'", teilte die Kommission mit. Die Zahlen beziehen sich mehrheitlich auf das Jahr 2011.

Im EU-Durchschnitt betrug die Gehaltslücke demnach 16,2 Prozent, in Deutschland verdienten Frauen dagegen rund 22 Prozent weniger als Männer. Ungleicher ist die Bezahlung nur in Estland, dort beträgt die Lücke 27,3 Prozent. Die geringsten Lohnunterschiede müssen Frauen in Slowenien hinnehmen. Dort verdienten sie nur 2,3 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

EU-weit hat sich die Lücke zwischen 2008 und 2011 nur sehr langsam geschlossen - und zwar um 1,1 Prozentpunkte. "Die Veränderungen lassen sich weniger auf einen Lohnanstieg bei den Frauen als vielmehr auf einen Rückgang der Löhne bei den Männern zurückführen", ließ sich EU-Grundrechtekommissarin Viviane Reding zitieren. Größtes Problem sei, "dass die Vorschriften zur Lohngleichheit unzulänglich umgesetzt werden und Frauen ihre Rechte zu selten vor den nationalen Gerichten einklagen".

Auch in Deutschland hat sich die Gehaltslücke seit Jahren kaum verändert. Laut Statistischem Bundesamt kamen Frauen im Jahr 2012 auf einen durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 15,21 Euro, ihre männlichen Kollegen auf 19,60 Euro. Auffällig ist, dass die Lücke in den ostdeutschen Bundesländern viel kleiner ist: Hier bekommen Frauen nur acht Prozent weniger. Im Westen ist die Differenz mit 24 Prozent dreimal so groß.

Die großen Lohnunterschiede führen die Statistiker auf die unterschiedliche Berufs- und Branchenwahl zurück - und auf die Tatsache, das Frauen seltener Führungspositionen bekleiden. Ein Teil des Verdienstunterschiedes kann allerdings nicht mit solchen arbeitsplatzbezogenen Faktoren erklärt werden.

stk/dpa/AFP



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