Bruttoinlandsprodukt 2017 Deutsche Wirtschaft wächst um 2,2 Prozent

Es läuft für die deutsche Wirtschaft: Im vergangenen Jahr stieg das Bruttoinlandsprodukt um 2,2 Prozent - das stärkste Wachstum seit sechs Jahren. Auch der staatliche Überschuss legte zu.

Mann auf einer Baustelle
DPA

Mann auf einer Baustelle


Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist 2017 um 2,2 Prozent gewachsen. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag anhand vorläufiger Daten mit. Es ist das stärkste Wachstum seit 2011, als Deutschland sich von den Folgen der globalen Finanzkrise erholte. Im Jahr 2016 hatte das BIP um 1,9 Prozent zugelegt.

Getragen wurde der kräftige Wirtschaftsaufschwung den Zahlen zufolge von der Kauflust der Verbraucher, gestiegenen Investitionen vieler Unternehmen und der starken Weltwirtschaft, die die Nachfrage nach Produkten "Made in Germany" ankurbelt. Deutschlands Exporteure steuern 2017 auf das vierte Rekordjahr in Folge zu. In den ersten elf Monaten wurden Maschinen, Autos und andere Waren im Wert von 1,18 Billionen Euro ausgeführt (plus 6,5 Prozent).

Von der seit Jahren florierenden Konjunktur - und den anhaltend niedrigen Zinsen - profitiert auch der Fiskus: Der deutsche Staat konnte nach Berechnungen der Statistiker 2017 zum vierten Mal in Folge mehr Geld einnehmen als ausgeben. Der Überschuss von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen machte unter dem Strich 1,2 Prozent des BIP aus, nach 0,8 Prozent im Vorjahr. Ein minimales Defizit hatte Deutschland zuletzt 2013 verbucht.

"Privatsektor erhöht seine Schlagzahl"

"Die deutsche Wirtschaft eilt von Erfolg zu Erfolg", kommentierte Andreas Rees, Chefvolkswirt bei Unicredit, die Zahlen. Bemerkenswert sei, dass diesmal Sondereffekte wie höhere Staatsausgaben wegen der Flüchtlingskrise eine geringere Rolle gespielt hätten. "Stattdessen hat vor allem der Privatsektor seine Schlagzahl erhöht." Dass der Staat schwarze Zahlen schreibt, sei derzeit "ein Selbstläufer".

Florian Hense von der Berenberg Bank prognostizierte eine Fortsetzung des Aufschwungs. "Der Arbeitsmarkt verbessert sich weiter, wenn auch nicht mehr ganz so stark. Dafür dürften die Löhne stärker zulegen als in den vergangenen Jahren." Auch Bundesregierung und Institute sagen für 2018 ein ähnlich hohes Wachstum voraus.

Ferdinand Fichtner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung warnte hingegen, die Situation werde "nicht lange so günstig bleiben, wie sie es im Moment ist, denn vor allem bei der Beschäftigung ist das Ende der Fahnenstange bald erreicht. Uns gehen in Deutschland allmählich die Arbeitskräfte aus."

dab/dpa/Reuters



insgesamt 58 Beiträge
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Sixpack, Joe 11.01.2018
1. Im Artikel nebenan: Tarifbeschäftigte machen nur Mini-plus
..und das seit über zwanzig Jahren! Und dann reden wir noch nicht mal von den maroden Schulen, Autobahnen, Krankenhäuser, usw., usw.
soerenschein 11.01.2018
2. Mir ist die Wirtschaft...
...total egal, wenn bei mir selbst nichts davon in der Tasche ankommt. Wenn ich eine Sache in den letzten fast 20 Jahren gelernt habe, dann, dass sich aus Wirtschaftszahlen nicht im geringsten Wohlstand ableiten lässt. Wieso ist diese Sache eine Eilmeldung wert?
pepe83 11.01.2018
3. Die Situation muss genutzt werden
Primär muss der Staat nun mit der Schuldentilgung anfangen. Außerdem sind Investitionen in Bildung und Infrastruktur notwendig. Wenn dann noch Geld übrig ist, kann man über eine Reduktion der Steuern nachdenken. Aber stattdessen wird die GroKo wahrscheinlich wieder jeden verfügbaren Cent in den Sozialhaushalt stecken und die Umverteilung weiter aufblähen.
alfredo24 11.01.2018
4. Schon wieder Exportweltmeister. Alles ist gut.
Schon wieder Exportweltmeister. Und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist wieder gestiegen. Doch man muss auch bedenken, mit welchen Tricks gearbeitet wird. Sogar auf EU-Ebene wird Hilfestellung angeboten, um die Bevölkerung zu täuschen. Und dies schon seit 2014. Die EU lässt sich was einfallen, um das Bruttoinlandsprodukt (BIP) deutlich zu erhöhen und Wachstum "vorzutäuschen": Ab September 2014 kommen in den Ländern der EU auch illegale Aktivitäten zum Bruttoinlandsprodukt - und umgekehrt die Schuldenquoten der EU-Länder werden dabei sinken. Prostitution, Drogenhandel und illegale Waffenlieferungen werden beim BIP ab 09/2014 hinzugezählt. Da meist keine konkreten Zahlen vorhanden sind, werden diese geschätzt. Eine neue europäische Richtlinie, genauer das Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG) 2010, wurde umgesetzt. Dabei ist das ESVG 1995 durch das ESVG 2010 rückwirkend ersetzt worden.
descartes 11.01.2018
5.
Zitat von soerenschein...total egal, wenn bei mir selbst nichts davon in der Tasche ankommt. Wenn ich eine Sache in den letzten fast 20 Jahren gelernt habe, dann, dass sich aus Wirtschaftszahlen nicht im geringsten Wohlstand ableiten lässt. Wieso ist diese Sache eine Eilmeldung wert?
Glauben Sie, Ihre persönliche Situation und die der öffentlichen Kassen würde sich verbessern, wenn wir ein Minuswachstum hätten? Einen Sozial- und Ökostaat muss man sich auch erst mal leisten können und das geht nun mal besser, wenn die Wirtschaft boomt und wenn mehr Bürger sozialversicherungspflichtigen Job's nachgehen.
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