Reichtum So leben Deutschlands Multimillionäre

Viel geerbt, verheiratet, zwei Kinder: Das ist der typische deutsche Multimillionär. Eine aktuelle Studie vermisst das Leben der wirklich Reichen und zeigt, woher ihr Vermögen kommt.

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Hamburg - Im August gaben sich im österreichischen Kitzbühel zwei Vertreter der deutschen Geld-Elite das Jawort: Er, Jürgen Thumann, Ex-Industriepräsident, sie, Maria Elisabeth Schaeffler, Mitinhaberin der Autozulieferer Conti und Schaeffler. In gewisser Hinsicht stehen die beiden stellvertretend für die Multimillionäre des Landes: gut geerbt und gut geheiratet.

Um diese deutsche Oberklasse wird es auch nächste Woche gehen, wenn die Richter des Bundesverfassungsgerichts darüber entscheiden, ob viele deutsche Familienunternehmen auch weiterhin komplett steuerfrei vererbt werden dürfen. Für den Staat stehen Milliarden auf dem Spiel - und für viele vermögende Deutsche die Basis ihres Reichtums.

Deutschland ist das Land der ererbten Vermögen. In einer kürzlich veröffentlichen Studie haben die Marktforschungsfirma Wealth-X und die Bank UBS die Lebensumstände von Multimillionären weltweit untersucht. Dabei ging es um sogenannte Ultra High Net Worth Individuals mit einem Vermögen ab 30 Millionen Dollar.

Das Ergebnis: Deutschland hat nicht nur die zweitmeisten Multimillionäre (nach den USA). Auch der Anteil derer, die ihr Vermögen geerbt haben, ist hierzulande besonders groß. Laut der Studie haben gut 28 Prozent der deutschen Multimillionäre ihren Wohlstand allein dem Erbe zu verdanken. Das ist - neben der Schweiz - der höchste Wert aller untersuchten Länder. Bei 31 Prozent geht der Reichtum demnach auf eine Mischung aus Erbe und selbsterwirtschaftetem Vermögen zurück (siehe Grafik) - so wie im Fall von Maria Elisabeth Schaeffler. Eine deutliche Mehrheit hat ihren Reichtum also nicht ausschließlich eigener Leistung zu verdanken. Vom Tellerwäscher zum Millionär - das ist in Deutschland die absolute Ausnahme.

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Auch die Ballung des deutschen Reichtums ist bemerkenswert. Die 19.095 hiesigen Multimillionäre, die die Studie zählte, stellen nur rund 0,02 Prozent der Gesamtbevölkerung. Sie besitzen aber 22,6 Prozent des Vermögens, insgesamt rund 2,58 Billionen Dollar. Im internationalen Vergleich ist das eine besonders ungleiche Verteilung. In China etwa kommen die Multimillionäre nur auf 7,3 Prozent des Gesamtvermögens, in den USA auf 12,5 Prozent.

Doch die Studie hat noch mehr Daten über die reichsten Deutschen herausgefunden, die SPIEGEL ONLINE exklusiv vorliegen. Wie bei allen Zahlen zu Reichtum und Vermögen, handelt es sich dabei allerdings um Näherungswerte und Schätzungen - welcher Reiche lässt schon gerne öffentlich sein Geld zählen.

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Laut Studie sind unter Deutschlands Multimillionären nicht nur viele Männer (88 Prozent), sondern auch überdurchschnittlich viele Verheiratete: 87 Prozent leben in einer Ehe, nur drei Prozent sind geschieden (siehe Grafik). Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung ab 18 Jahren sind laut Statistischem Bundesamt gerade mal 49 Prozent verheiratet, mit zehn Prozent sind dagegen viel mehr Menschen geschieden. Selbst unter den 64-Jährigen - der Altersgruppen mit dem höchsten Anteil an Verheirateten unter den Durchschnittsdeutschen - leben nur 71 Prozent in einer Ehe. Die Scheidungsquote liegt hier ebenfalls bei rund zehn Prozent.

Wie fest die Familienbande bei den Superreichen sind, zeigt auch die Zahl der Nachkommen: Mit 1,9 Kindern liegen die deutschen Multimillionäre deutlich über der aktuellen Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau. Auch über viele Enkelkinder können sich die Reichen freuen: Im Schnitt kommen sie auf 4,2. Es gibt also viele Erben.

Typisch deutsch klingen auch die Branchen, in denen die Multimillionäre ihr Geld gemacht haben. Die größte Gruppe kommt aus der verarbeitenden Industrie, aber auch Lebensmittel und Autobranche sind stark vertreten. Der Finanzsektor, in vielen anderen Staaten die größte Quelle des Reichstums, ist in Deutschland vergleichsweise unterrepräsentiert (siehe Grafik).

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Beim Geldausgeben ist der deutsche Multimillionär laut Studie übrigens nicht besonders knauserig: 980.000 Dollar im Jahr gibt er im Schnitt für Luxusgüter wie Reisen, Autos, Schmuck und Essen aus. Zum Vergleich: Laut Statistischem Bundesamt gab jeder Privathaushalt in Deutschland im Jahr 2012 durchschnittlich 27.720 Euro für Konsum aus - ein großer Teil davon ging allerdings fürs Wohnen drauf.



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