Urteil Ehepaar darf nicht zwei Wohnungen in einem Mietshaus für sich beanspruchen

Wie viel Wohnraum braucht ein Ehepaar? Laut einem richterlichen Beschluss ist jedenfalls klar: 200 Quadratmeter sollten ausreichen - selbst, wenn man sich ab und zu aus dem Weg gehen will.

Neubausiedlung in Rostock
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Neubausiedlung in Rostock


Ein Ehepaar hat keinen Anspruch auf zwei getrennte Wohnungen in einem Mietshaus. Selbst wenn das Paar jahrelang das "Modell des räumlich getrennten Zusammenlebens" praktiziert hat, ist es durchaus zumutbar, wenn die Eheleute künftig nur noch eine 200 Quadratmeter große Wohnung bewohnen. Denn das sei für zwei Personen durchaus luxuriös, befand das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg. Die Richter gaben damit der Eigenbedarfskündigung einer Vermieterin statt.

In dem verhandelten Fall lebte ein Ehepaar jahrelang in zwei übereinanderliegenden Wohnungen in einem Mietshaus. Beide sind mit etwa 170 Quadratmetern und rund 200 Quadratmetern großzügig bemessen. Die Vermieterin wollte nach dem Ende ihrer beruflichen Laufbahn von München nach Berlin zurückkehren und in die kleinere Wohnung einziehen. Das Ehepaar wehrte sich gegen die Eigenbedarfskündigung, weil sie ihr Lebensmodell dann nicht mehr fortsetzen könnten. Die Kündigung stelle daher eine unzulässige Härte dar, argumentierten sie.

Das sieht das Gericht anders: Es sei möglich, dass zwei Personen gemeinsam in einer Fünf-Zimmer-Wohnung mit über 200 Quadratmetern Wohnfläche leben. Auch dann, wenn man sich zeitweise aus dem Weg gehen wolle. Alleine der Zwang, Küche und Bad gemeinsam zu nutzen, stelle keine unzumutbare Härte dar. Der Wohnbedarf des Paares könne daher nicht zulasten der Vermieterin gehen.

Zudem konnten die Beklagten nicht ausreichend darlegen, dass es ihnen nicht möglich ist, angemessenen Ersatzwohnraum anzumieten. Dies galt insbesondere deshalb, da die Beklagten selbst über Wohneigentum verfügten.

Im Video: Mehr Individualismus - Die neue Art zu Wohnen

NZZ Format

bam/dpa

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insgesamt 57 Beiträge
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marthaimschnee 24.05.2018
1. schlecht gewählte Überschrift
denn pauschal kann eine Person auch völlig problemlos 500, 1000 oder 10 Millionen Quadratmeter beanspruchen. Der springende Punkt ist hier die Geltendmachung des Eigenbedarfs, und nicht pauschal die Tatsache, daß ein Ehepaar in zwei getrennten Mietwohnungen lebt.
lex1976 24.05.2018
2.
Ich wohne auch auf mehreren hundert qm (etwa 400) - alleine. Zwar nicht in einer Großstadt, sondern einer schwäbischen Kleinstadt. War zwar nicht so geplant, aber nach meinen unfassbaren Erfahrungen mit Mietnomaden und einer überforderten Justiz vermiete ich nicht mehr und wohne lieber im Überfluss an Raum! Die Justiz lässt einem da manchmal keine andere Wahl, Wohnraummangel hin oder her.
eunegin 24.05.2018
3. lieber nicht vermieten
Nach ähnlichem Ärger (aber auch zwischendurch guten Mietern) komme ich bei meiner abbezahlen Berliner Wohnung zu Schluß, das lieber leer stehen zu lassen. Wird ab und zu genutzt und hoffentlich nicht besetzt. Keine Lust auf Ärger. Ganz einfach.
kaltmamsell 24.05.2018
4. Tatsächlich, die Überschrift ist etwas irreführend
Den Abmessungen der beiden Wohnungen und den Ansprüchen der Mieter entnehme ich: Es gibt ganz offensichtlich auch ein dreistes "Berlin plemplem", da ist nicht einfach nur Vieles arm und sexy. Wäre das eine Wohnung und ein kleines Studio oder zwei Wohnungen mittlerer Größe, definitv kein Thema. Aber so muss man sagen: Es gibt immer wieder Menschen, die mit ihrem Anspruchsdenken Grenzen kennen lernen möchten.
n8f4ll 24.05.2018
5. Rostock?
Ich lese im Artikel Berlin und München, verstehe aber die illustration mit einem Rostocker Neubau nicht!? Schön das in diesem Fall das Recht der Vermieter gestärkt wurde! Eine Seltenheit in der aktuellen Rechtssprechung, in dem doch in den meisten Fällen der arme Mieter bevorzugt wird und nicht zum räumen des fremden Eigentums gezwungen werden kann. Dies führt nur dazu das man als Eigentümer seine Wohnung lieber leer stehen lässt, als diese zu vermieten, bevor man Gefahr läuft den temporären Nutzer nicht mehr los zu werden.
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