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Deutschland: Die oberen zehn Prozent besitzen 52 Prozent des Vermögens

Hamburger Nobelstadtteil Blankenese: Umsteuern gefordert Zur Großansicht
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Hamburger Nobelstadtteil Blankenese: Umsteuern gefordert

Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst auch in Deutschland. Laut der jüngsten Stichprobe des Bundessozialministeriums konzentriert sich mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens auf zehn Prozent der Haushalte.

Die Vermögen in Deutschland sind einem Zeitungsbericht zufolge zunehmend ungleich verteilt. Zehn Prozent der Haushalte verfügten im Jahr 2013 über 51,9 Prozent des Nettovermögens, berichtete die "Passauer Neue Presse" unter Berufung auf Zahlen zur Vermögensverteilung des Bundessozialministeriums.

Im Jahr 1998 seien es noch 45,1 Prozent des Nettovermögens gewesen. Die unteren 50 Prozent der Haushalte verfügten demnach 2013 über ein Prozent des Nettovermögens in Deutschland (1998: 2,9 Prozent). Grundlage sei die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS), die alle fünf Jahre erhoben wird.

Zum Nettovermögen eines Haushalts zählen die Statistiker Geld- und Immobilienvermögen, Betriebsvermögen, aber auch wertvolle Gegenstände, wie Gemälde oder Schmuck. Davon werden alle Schulden und Verbindlichkeiten abgezogen.

Die Linksfraktion im Bundestag verlangte angesichts der Entwicklung ein Umsteuern. "In Deutschland findet eine enorme Umverteilung von unten nach oben statt, die man deutlich anhand der offiziellen Statistiken ablesen kann", sagte Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann dem Blatt. Dieser Entwicklung müsse Einhalt geboten werden, sagte Zimmermann und forderte eine Millionärssteuer, bei der die erste Million des Vermögens steuerfrei bleibt. Danach solle ein Steuersatz in Höhe von fünf Prozent erhoben werden.

Zuletzt hatte eine Studie der Hilfsorganisation Oxfam für Aufsehen gesorgt, wonach die 62 reichsten Menschen der Welt so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Die Geschwindigkeit, mit der die Kluft zwischen Arm und Reich wächst, ist nach Angaben der Hilfsorganisation dabei noch größer als erwartet. Dem Oxfam-Bericht zufolge droht soziale Ungleichheit die Fortschritte bei der Armutsbekämpfung zunichtezumachen.

Als Grund für die Entwicklung führte Oxfam die unzureichende Besteuerung von großen Vermögen und Kapitalgewinnen sowie die Verschiebung von Gewinnen in Steueroasen an.

mik/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 289 Beiträge
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1. Klare Tendenz
Steuerfuzzi 25.01.2016
Natürlich kann man jetzt darauf warten, dass jene Foristen sich zu Wort melden, die die Verpflichtung Steuern zu zahlen als Umverteilung missverstehen. Insgesamt ein trauriges Bild das Deutschland abgibt: ein vermeintlich reiches Land, dass für Infrastruktur, Bildung und Wohnungsbau kein Geld übrig hat. Solange Konzerne die steuerfinanzierte Infrastruktur nutzen, ohne angemessen besteuert zu werden - obwohl das nach jetzigem Rechtsstand bereits möglich wäre- und gleichzeitig Arbeitnehmer wegen Rundungen bei Kilometerpauschalen als Steuerhinterzieher verfolgt werden, wird sich daran auch nichts ändern. Darüberhinaus ist die von Politikern veröffentlichte Fehlinformation, Deutschland sei ein Schlaraffenland, eine wesentliche Ursache für die derzeitige Flüchtlingskrise.
2. Finde ich nicht schlimm
seinedurchlaucht 25.01.2016
Es gibt Menschen, die kümmern sich um ihr Vermögen durch Sparsamkeit und kluge Geldanlage, andere geben alles für unnütze Dinge aus. Da ein Großteil der Menschen in Deutschland keine Lust hat, sich um Geldanlage zu kümmern und lieber auf den Bankberater hört, findet hier keine Vermögensentwicklung statt. Ein Großteil der Aktien der Dax-Unternehmen befindet sich in ausländischer Hand, dort werden die Dividenden eingestrichen. Daher wird auch eine höhere Besteuerung nicht das Problem lösen.
3.
oidahund 25.01.2016
Und wie wurden die Vermögenswerte ermittelt? - Verkehrs-, Einheits- oder Nutzwerte bei Immobilien? Wer eine 3-Zimmerwohnung in Chemnitz hat und selbst bewohnt, der hat zwar "weniger" Vermögen, als der der in Hamburg in einer eigenen 3-Zimmer-Wohnung lebt, aber beide haben den gleichen Nutzwert. Wie wurden Vermögenswerte, die in Gewerbe eingebaracht wurden bewertet? - Der Schlossermeister, der mit seiner Schlosserei mit zB 3 Angestellten gut über die Runden kommt, mag vom bloßen Vermögenswert "reich" sein, aber er schafft mit seinem Vermögen Arbeit und Arbeitsplätze. Wenn er das Vermögen zur Stuerzahlung veräußern müsste, gäbe es die Arbeitsplätze auch nicht mehr. Es geht bei solchen Zahlen doch nicht um die Quandts, Albrechts etc. (die zeihen im Zweifelsfall einfach weg) - sondern es geht vor allem um die, die etwas mehr besitzen als der vermeintliche Durchschnitt. Nur da sind große Beträge via Steuern durch die große Anzahl an Leuten zu holen. Das ist doch das Gleiche, bei den angegeblich so großen Einkommensunterschieden. Wer in einem Ballungsraum arbeitet, als in einer weniger attraktiven Gegend, der mag nominell das höhere Einkommen haben, kann sich aber unter Umständen wesentlich weniger leitsen, als der andere. Allein schon weil Mieten sehr unterschiedlich snd. Alle diese Studien dienen meiner Meinung nach nur dazu, eine permanente Neiddebatte am laufen zu halten, weil der Staat anstatt zu sparen sich lieber neue Einkommensquellen via Steuern verschaffen möchte.
4. Danke Gerhard Schröder
citizen_k 25.01.2016
Da bleibt einem ja nur noch übrig Oxfoam zu wählen, ach ja, geht ja nicht. Ich bin mir fast sicher, dass die Agenda-Sozis folgerichtig bei zehn Prozent landen werden, gewählt von den Profiteuren der neoliberalen Kahlschläger einer einst solidarischeren Gesellschaft.
5. So wollen es die Wähler...
ferdi111 25.01.2016
"Wenn es den Reichen gut geht, dann geht es auch den Armen gut". Diesen Satz habe ich schon vor 30 Jahren gehört! Schon damals war mir klar geworden, dass da irgendwas nicht stimmt. Es hat sich leider bewahrheitet. Nachdem die Wähler und Wählerinnen kräftig die CDU mit Kohl gewählt haben, mittlerweile die SPD die CDU rechts überholt...das Werk ist vollbracht! Die Industrie hat das Wahlvolk genau da, wo es hingehört: Geistig im Niemandsland! Man braucht nur den VW Skandal verfolgen...dann weiß man, wer das "Sagen" hat. Und das Beste: Zum Schluss wird mit der Kohle des Steuerzahlers aufgeräumt...nur das ist systemrelevant und alternativlos und sonst gar nichts. Herzlichen Glückwunsch an die Industrie und an die CDU. Danke! Mal sehen...wenn die Rechnung kommt. Renten, Krankenversorgung etc...ha ha ha. Aber ich glaube, bis dahin ist das Wahlvolk schon längst nicht mehr in der Lage, überhaupt noch was zu entscheiden.
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